Zu den umstrittenen Punkten der Rentenreform 2020, über die im Herbst abgestimmt wird, gehört die Anhebung des Rentenalters der Frauen auf 65 Jahre. Davon betroffen ist aber nur das AHV-Rentenalter. Bei vielen Pensionskassen herrscht bezüglich des Rentenalters bereits heute gewissermassen Gleichberechtigung von Mann und Frau. Der gesetzlich vorgeschriebene Umwandlungssatz von 6,8 Prozent auf das Obligatorium gilt zwar für Frauen ebenfalls bereits ab 64 Jahren, für Männer ab 65 Jahren.

Anders sieht es im Überobligatorium aus, also dem Teil des versicherten Lohnes über 84 600 Franken pro Jahr. «Im Überobligatorium kann jede Pensionskasse den Umwandlungssatz frei festlegen. Auch was das Pensionsalter von Männern und Frauen betrifft, gibt es Unterschiede in der Handhabung», sagt Vorsorgeexperte Stefan Thurnherr vom Vermögenszentrum. Es gebe Vorsorgeeinrichtungen, bei denen für Frauen mit 64 derselbe Umwandlungssatz gelte wie bei Männern mit 65. Andere wiederum würden die Umwandlungssätze unabhängig vom Geschlecht berechnen.

Alter bei Pension ist entscheidend

Ein gängiges Modell zur Berechnung des Umwandlungssatzes sind Tabellen, bei denen sich der Umwandlungssatz für beide Geschlechter aus dem Jahrgang und dem Pensionsalter ergibt.

Grundsätzlich gilt: Je tiefer der Jahrgang und je höher das Pensionsalter, desto höher fällt der Umwandlungssatz und damit die monatliche Rente aus. Wer sich mit 64 Jahren pensionieren lässt, erhält also eine tiefere Rente, als wenn er oder sie erst mit 65 Jahren in Pension gehen würde.

Auch die BVK, die Vorsorgeeinrichtung der Angestellten des Kantons Zürich über 450 weiterer angeschlossener Institutionen, berechnet den Umwandlungssatz mittels einer solchen Tabelle. «Ein sogenannt übliches Pensionsalter ist für moderne Pensionskassen mit flexiblem Rücktrittsalter ein technischer Begriff zur Kalibrierung des Vorsorgeplans», sagt BVK-Sprecher Florian Küng. «Bei uns ist es so, dass jeder im Einverständnis mit seinem Arbeitgeber zwischen 60 und 70 Jahren in Pension gehen kann und die seiner Restlebenserwartung entsprechend korrekte Rente erhält. Je länger man arbeitet, desto höher fällt die Rente aus.»

Frauen besser informieren

Calista Fischer, die als Angestellte der Universität Zürich bei der BVK versichert ist und derzeit für die Wahl in den Stiftungsrat der BVK kandidiert, kritisiert, dass die Unterschiede zwischen AHV-Pensionsalter und der Handhabung durch die Pensionskasse für Unklarheiten sorgen.

«Rechtlich ist die Lösung der BVK nicht zu beanstanden. Aber man sollte vor allem die Frauen, die sich dem Pensionsalter nähern, verstärkt darauf aufmerksam machen», sagt Fischer. Vor allem der finanzielle Aspekt sei nicht zu unterschätzen. «Das Problem verschärft sich natürlich noch durch die neuen, tieferen Umwandlungssätze», sagt sie. Wie viele andere Vorsorgeeinrichtungen auch, hat die BVK per 1. Januar 2017 die Umwandlungssätze gesenkt.

Auch Thurnherr vom Vermögenszentrum spricht von einer «dramatischen Senkung» der Umwandlungssätze in den vergangenen Jahren. Diese betrifft alle zukünftigen Rentnerinnen und Rentner. «Jeder sollte sich ab etwa 55 Jahren einmal ernsthaft mit dem Thema Pensionierung befassen», sagt er.

Die zentralen Fragen dabei wären: «Wie viel Kapital habe ich angespart? Wie wird mein Budget nach der Pensionierung aussehen? Zu welcher Renteneinbusse würde eine frühzeitige Pensionierung führen? Auch steuerliche Faktoren können eine Rolle spielen.»