Prozess
Frau bot Asylbewerber aus Eritrea 1000 Franken für Tötung ihres Ehemanns

Bezirksgericht, Obergericht, Bundesgericht – alle drei Instanzen kamen zum gleichen Schluss. Eine Frau, die einem Asylbewerber aus Eritrea in Buchs 1000 Franken bot, damit dieser ihren Mann umbringt, ist schuldig.

Martin Liebrich
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Mit einem Messer hätte der Eritreer den Ehemann de Frau umbringen sollen. Symbolbild.

Mit einem Messer hätte der Eritreer den Ehemann de Frau umbringen sollen. Symbolbild.

KEYSTONE

1000 Franken für eine Tötung. Dieses Angebot unterbreitete eine Frau am Stephanstag im Jahr 2016 einem Asylbewerber aus Eritrea – auf dem Parkplatz vor der Asylunterkunft in Buchs. Dafür wurde die Frau vom Dielsdorfer Bezirksgericht schuldig gesprochen, worauf sie das Urteil ans Obergericht weiterzog. Mit dem gleichen Resultat: schuldig. Sie ging vor Bundesgericht, und nun liegt auch dieses Urteil vor.

In Lausanne kamen die Richter wiederum zum gleichen Schluss wie in Dielsdorf und Zürich: Die Beschwerde der Frau wurde abgewiesen, sie muss zudem die Gerichtskosten in der Höhe von 1200 Franken tragen. Die Frau hatte die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanzen ebenso kritisiert wie die Beweisführung. Ausserdem sei ihr Grundrecht verletzt worden, wonach Gerichte im Zweifel für den Angeklagten zu urteilen hätten.

Das Bundesgericht hält in seiner Urteilsbegründung nun fest, dass die Beweiswürdigung der Vorinstanz nur dann gerügt werden könne, wenn sie offensichtlich unrichtig sei oder auf einer Rechtsverletzung beruhe. Das sei nicht der Fall. Willkür liege keine vor, der Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» könne in diesem Fall nicht zur Anwendung kommen.

Tat mit Smartphone festgehalten

Der Tathergang, den die Frau geschildert hatte: Sie habe ihren deutlich jüngeren und angeblich untreuen Ehemann nach Hause holen wollen und ihn bei der Asylunterkunft vermutet. Als sie dort auf ihn gewartet habe, sei der Eritreer aufgetaucht und habe ihr ans Gesäss gefasst. Statt dies der Polizei zu melden, habe sie ihm den Vorschlag unterbreitet, ihren Mann mit einem Messer zu verletzen oder gar zu töten.

Dafür habe sie ihm 1000 Franken angeboten und angegeben, der Ehemann schlage sie. Der Eritreer spielte vordergründig mit, hielt das Gespräch aber mit seinem Handy fest und übergab dieses Beweismaterial noch am gleichen Abend der Polizei.

Das Obergericht schenkte den Aussagen des Eritreers Glauben, da diese konstant, detailliert und plausibel seien. Dies im Gegensatz zu dem, was die Frau zum Tathergang schilderte. Ihre Argumentation in der Folge: Sie habe ihren Mann nicht umbringen lassen wollen, sondern höchstens eine einfache Körperverletzung gewollt.

Die Aufzeichnungen des Gesprächs belegen zwar, dass der Eritreer sie fragte, ob sie ihren Mann tot sehen möchte. Da das Gespräch der beiden auf Englisch stattfand, berief sich die Frau auf mangelnde Sprachkenntnisse. Das Bundesgericht kam zum gleichen Schluss wie das Obergericht.

Das Urteil des Obergerichts bleibt nun bestehen. Das heisst: eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten, von denen 6 unbedingt sind und abgesessen werden müssen.