Hedingen
François Hollande sorgt für Aufregung: Le Président im Säuliamt

François Hollande und Simonetta Sommaruga besuchen am Donnerstag gemeinsam die Firma Firma Ernst Schweizer AG in Hedingen. Der Präsident zeigt sich beeindruckt von der Schweizer Berufslehre.

Matthias Scharrer
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Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga mit Frankreichs Präsident François Hollande auf dem Firmenareal der Ernst Schweizer AG in Hedingen. keystone

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga mit Frankreichs Präsident François Hollande auf dem Firmenareal der Ernst Schweizer AG in Hedingen. keystone

KEYSTONE

Vor dem Bahnhof Hedingen wuselt an diesem Donnerstagvormittag auffällig viel Volk herum. Radiojournalisten interviewen Passanten. Schüler mit Notizblöcken blicken zum nahen Firmengelände der Ernst Schweizer AG. Ein polizeiliches Grossaufgebot sperrt das Areal ab. Aus einem Menschenpulk vor dem Absperrband ruft ein junger Mann seinem Kollegen auf dem Firmengelände zu: «Luca, häsch em d Hand gäh? Nie meh wäsche!»

Der Ausnahmezustand im ansonsten beschaulichen Dorf Hedingen dauert gut eine Stunde: Frankreichs Staatspräsident François Hollande ist zu Besuch. Gemeinsam mit Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga stattet Le Président der Firma Ernst Schweizer AG eine Visite ab.

Die Schweizer Vorzeigefirma im Säuliamt war vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auserwählt worden, weil sie nahe bei Zürich liegt, in Umwelttechnologien tätig ist und Lehrlinge ausbildet, sagt Firmenchef Hans Ruedi Schweizer. Vielleicht habe die Wahl auch damit zu tun, dass das Unternehmen in diversen Verbänden gut vernetzt sei, fügt er auf Nachfragen an. Schweizer ist unter anderem Vorstandsmitglied des Dachverbands der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (AEE) und war lange dessen Präsident.

In seiner Begrüssungsrede erläutert er das jahrzehntelange Bemühen seiner Firma um Nachhaltigkeit. Das Unternehmen produziert Metallfassaden, Holz- und Metallfenster, Briefkästen und Solaranlagen. Neben der Nutzung erneuerbarer Energie sei auch die Isolation von Häusern wichtig für die Nachhaltigkeit, betont Schweizer.

Auch auf die Bedeutung der Berufsbildung geht der Firmenchef ein. Das Unternehmen bildet 46 Lehrlinge aus, bei insgesamt 611 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dann gehts zum Rundgang durch die Firma, von dem Journalisten ausgeschlossen bleiben. Ein Scharfschütze beobachtet das Geschehen vom Dach eines Firmengebäudes aus. Die beiden Staatsoberhäupter sind umringt von Sicherheitspersonal.

Zwei Lehrlinge präsentieren dem französischen Präsidenten Projekte, die sie während eines zweitägigen Lehrlingslagers zum Thema Klimaschutz entwickelt haben. Einer von ihnen ist Aron Bonomo. Er hat ein Buch unter dem Titel «nachhaltiges Kochen» verfasst, in dem Hollande mit interessierter Miene blättert, als ein Fotograf auf ihn fokussiert.

«So, jetzt gehen wir anstossen»

«Ich war nervös», gibt Lehrling Bonomo nach der Präsentation zu. «Französisch ist nicht gerade meine Lieblingssprache.» Dolmetscher hätten seinen Text ins Französische übersetzt, der Lehrling trug ihn der Politprominenz vor. Speziell: Die Staatsoberhäupter lassen sich vom Lehrling einer Metallbaufirma über saisongerechte Küche und damit verbundene Einsparungen beim CO2-Ausstoss belehren.

Auch Firmenchef Schweizer war aufgeregt: «Ich habe noch nie mit einem Staatspräsidenten auf Französisch geredet. Ich merkte: Jetzt muss ich ganz bei mir bleiben, ganz ruhig. Ich wusste: Das kommt gut.»

Beim Rundgang durch die Firma habe Präsident Hollande sich «offen, spontan und interessiert» gezeigt. «Vor allem interessierte ihn, ob wir auch nach der Lehre Arbeitsplätze für die Lehrlinge haben», sagt Schweizer. «Das habe ich bejaht. Zwei Drittel unserer Lehrlinge bleiben hier, weil wir ja Fachkräfte brauchen.»

So schnell wie er gekommen war, verlässt der Präsidententross das Firmenareal wieder in einem Konvoi aus Staatslimousinen und Polizeiautos. «So, jetzt gehen wir anstossen», ruft Schweizer einem Mitarbeiter zu.

Hollande zeigt sich beeindruckt

Hollande und Sommaruga fahren weiter nach Zürich. Dort steht ein Besuch der Zürcher Hochschule der Künste mit einem Empfang durch Stadtpräsidentin Corine Mauch auf dem Programm. Hollande lobt dabei den kreativen und innovativen Geist der Schweiz, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet. Und er zeigt sich beeindruckt von der dualen Berufsbildung. Die Schweizer Berufslehre verdiene es, in die französische Praxis übersetzt zu werden.

Zum Abschluss des zweitägigen französischen Staatsbesuchs – es war der erste eines französischen Präsidenten in der Schweiz seit 1998 – gehts am Nachmittag weiter nach Lausanne. Beim Bahnhof Hedingen resümiert ein Einheimischer die Staatsvisite: «Sie war kurz und schnell, mit viel Polizei.»