Zürich
Fragwürdige Post beunruhigt: Postkarte ruft dazu auf, dass sich Frauen verschleiern sollen

Rund um den Zürichsee wird die baldige Übermacht von Muslimen verkündet. Die Gemeinden befürchten eine Hetzkampagne

Olivia Tjon-A-Meeuw
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Einige Bewohner der Zürichseeregion erhielten am Dienstag merkwürdige Post: Eine Karte, auf der die baldige Islamisierung ihrer Gemeinde verkündet wird. Unterschrieben waren die Karten von einem angeblichen islamischen Zentralrat der jeweiligen Kommune. Bei einigen Empfängern löste die Postkarte Unbehagen aus. Ein Lachner Bewohner empfände die Postkarte als indirekte Drohung. Eine Dame aus Herrliberg spricht von einer «absoluten Frechheit».

Doch es gibt Zweifel an der Authentizität der Karten. Sie stammen wahrscheinlich eher nicht aus muslimischen Kreisen, so der Tenor. So schätzt der Gemeindeschreiber von Eschenbach die Aktion als bösartigen Scherz ein. Er spricht von einer Hetzkampagne. «Wir verurteilen diese Aktion aufs Schärfste», erklärt Thomas Elser. Einen Islamischen Zentralrat Eschenbach gebe es seines Wissens nicht. Mit der muslimischen Bevölkerung habe es in Eschenbach noch nie Probleme gegeben. Auch die meisten der besorgten Bewohner, die sich auf der Gemeinde gemeldet hätten, teilten seine Einschätzung.

So etwa Marina Herzog. Als sie die Postkarte im Briefkasten fand, dachte sie sofort, da sei ein Unruhestifter am Werk, der auf den Tisch hauen wolle. «Das fand ich total doof», sagt sie. Sie habe reagieren müssen, da Schweigen bedeutet hätte, dass sie ein solches Vorgehen akzeptiert.

Den Zentralrat anschwärzen

Noch ist unklar, wer hinter der Aktion steckt. Auf den Postkarten ist eine Emailadresse angegeben, doch auf Anfrage hat sich bis Redaktionsschluss niemand gemeldet. Der Name des angeblichen Absenders der Postkarte, der sogenannte «Islamische Zentralrat», spielt auf die bekannte Organisation Islamischer Zentralrat Schweiz (IZRS) an. Doch der Verein hat nichts mit der Aktion zu tun, erklärt Generalsekretärin Ferah Ulucay.

Sie nimmt an, dass die Absender mit der Namenswahl dem IZRS gezielt schaden wollten. «Da steckt wahrscheinlich ein übereifriger Patriot dahinter, der seine Landsleute vor einer nicht existenten Gefahr warnen wollte.» Es gehe hier nur um Stimmungsmacherei, die vom IZRS verurteilt werde. Anderseits müsse das Ganze auch mit Humor genommen werden. Schliesslich sei das auf den Postkarten ausgemalte Szenario fern ab der Realität.

Auch die Islamwissenschaftlerin Saida Keller-Messahli ist überzeugt, dass die Absender auf den IZRS abzielten. Jemande wolle wohl den Leuten Angst vor der Organisation machen. Aus welcher Ecke die Drahtzieher stammen, könne sie nicht einschätzen. «Es kann ein Einzeltäter sein, der so seine Angst loswerden wollte.» Genausogut könne die Täterschaft aber aus der rechtsextremen Ecke stammen. Keller-Messahli glaubt nicht, dass mit dieser Aktion Angst verbreitet werden kann.

Nähe zur SVP vermutet

Damit spricht Keller-Messahli auch die Machart der Postkarten an. Für jede Gemeinde wurde ein Ortsbild mit Wappen und Minarett verziert. Doch das Gebäude scheint zur Mahmud-Moschee in Zürich zu gehören. Auch die Verwendung der Gemeindewappen stösst auf Befremden. So auch in Herrliberg, wo eine Postkarte im Briefkasten der Gemeinde landete. Gemeindeschreiber Pius Rüdisüli kann über die gesamte Aktion nur den Kopf schütteln.

Der Name Herrliberg weckt Assoziationen mit der SVP, da Chefstratege Christoph Blocher dort wohnhaft ist. Das Design erinnert an andere Kampagnen der Partei. Keller-Messahli spekuliert ebenfalls, dass allenfalls die SVP hinter der Aktion stecke. Doch laut «Blick» hat die Werbeagentur Goal, welche zahlreiche SVP Kampagnen verantwortet, nichts damit zu tun. Die Kantonspolizeien aller drei Kantone haben die Ermittlungen aufgenommen. Ob die Verteilaktion gegen ein Strafgesetz verstösst, entscheidet die Staatsanwaltschaft.