Hochschule der Künste

Fragwürdiges Hongkong-Projekt: Kantonale Finanzkontrolle stellt Ungereimtheiten fest

Die Zürcher Hochschule der Künste – im Bild das Toni-Areal – hat jetzt einen Ableger in Hongkong.

Die Zürcher Hochschule der Künste – im Bild das Toni-Areal – hat jetzt einen Ableger in Hongkong.

Ein Pilotprojekt der Zürcher Hochschule der Künste wirft Fragen auf. Fast 4 Millionen Franken bewilligte Rektor Thomas Meier für ein Studienzentrum in Hongkong, obwohl er dazu nicht befugt gewesen wäre. Nun hat sich die Bildungsdirektion der Sache angenommen.

Im Rahmen eines Pilotprojekts hat die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) seit 2013 ein Studienzentrum in Hongkong aufgebaut. ZHdK-Rektor Thomas Meier bewilligte dafür 3,8 Millionen Franken. Die kantonale Finanzkontrolle hat dies kritisiert, wie gestern bei der Abnahme des Jahresberichts der Zürcher Fachhochschule durch den Kantonsrat bekannt wurde.

Zwar habe niemand mutwillig betrogen, so Silvie Matter (SP, Zürich). Doch es habe sich gezeigt, dass die Finanzverordnung der Fachhochschule, auf die sich Meier stützte, nicht im Einklang mit den sonst geltenden gesetzlichen Ausgabebestimmungen sei. Denen zufolge hätte der ZHdK-Rektor die 3,8 Millionen Franken nicht in eigener Kompetenz bewilligen können.

Kritik von links

Nun hat sich die Bildungsdirektion der Sache angenommen. Zusammen mit der Finanzdirektion kläre sie den Handlungsbedarf bei den betreffenden Regelwerken ab, schreibt die kantonsrätliche Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit.

Mit dem Geld hat die ZHdK einen rund 100 Quadratmeter grossen Raum in Hongkong gemietet und Projekte mit Studierenden und Künstlern lanciert. Es gehe darum, die «Zurichtung zu einer Global City» und die damit verbundenen sozialen Umstrukturierungen der Gesellschaft zu erforschen, heisst es in einem Projektbeschrieb auf der ZHdK-Website. Und: «Als Global City ist Hongkong vergleichbar mit Zürich bezüglich ihrer neo-liberalen Politik.»

Trotz solcher Töne rief das Projekt im Kantonsrat Kritik von links hervor. «Ich verstehe nicht, weshalb die ZHdK aussereuropäische Hubs aufbaut», sagte Judith Stofer (AL, Zürich). Dass die ZHdK in Hongkong ein Studienzentrum einrichte, während sie in Zürich jeden Franken zweimal umdrehen müsse, leuchte ihr nicht ein.

Parallelen zu Zürich

ZHdK-Rektor Meier erklärte dazu auf Anfrage: «Internationalisierung ist einer unserer strategischen Schwerpunkte. Wir haben seit zwölf Jahren diverse Projekte im asiatischen Raum. Statt dass wir uns auf den halben Kontinent verzetteln, bündeln wir das nun.» Für den Standort Hongkong spreche zum einen die Rechtssicherheit. Zum anderen: «Hongkong ist westlich geprägt und das Tor zum chinesischen Raum. Das ist eine Labor-Situation, in der wir viel lernen können.» Zudem erlebe Hongkong gerade den Wandel von einer Finanzmetropole zu einer Stadt, die stark auf Kultur und Bildung setze.

Es gebe durchaus Parallelen zu Zürich: «Der Hauptrohstoff in beiden Städten ist Bildung und Kreativität», so Meier. Das Engagement der ZHdK in Hongkong laufe jedenfalls auch nach Abschluss der Pilotphase im Jahr 2016 weiter. Allerdings mit Anpassungen: Den Raum, den die ZHdK gemietet hat, werde sie nun wieder aufgeben. Er sei vor allem in der Startphase wichtig gewesen, um Sichtbarkeit zu erlangen. «Jetzt brauchen wir eher Seminarräume, die uns schon heute teilweise unsere Partner vor Ort zur Verfügung stellen.»

Dabei stehe die Zusammenarbeit mit Hochschulen in Hongkong, Taiwan, China und Singapur im Vordergrund, die ebenfalls in das Hongkong-Projekt der ZHdK involviert sind. Zahlreiche Zürcher Studierende hätten bereits von dem Austausch profitiert, unter anderem im Rahmen von Masterprogrammen.

Rechtslücken müssen behoben werden

Was die Rechtsgrundlagen zur getätigten Startfinanzierung betrifft, sieht auch Meier «Rechtslücken, die behoben werden müssen». Von den Kosten in Höhe von 3,8 Millionen Franken, mit denen das Hongkong-Projekt über drei Jahre hinweg lanciert wurde, wäre laut dem ZHdK-Rektor allerdings die Hälfte auch unabhängig von diesem Projekt angefallen.

Die andere Hälfte, «die tatsächlich neue Ausgaben also», lege man jetzt nachträglich dem Fachhochschulrat zur Bewilligung vor. Präsidentin dieses Gremiums ist Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP). Für die Fortsetzung des ZHdK-Engagements rechnet Meier mit Kosten in Höhe von rund 700 000 Franken pro Jahr. Nicht berücksichtigt seien dabei die Einnahmen, die über Weiterbildungsangebote generiert würden.

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