Bei der Untersuchung wollen diese herausfinden, ob es den Patienten nach der Einnahme der Substanz besser geht. Im Falle dessen wollen die Wissenschaftler zudem untersuchen, warum eine Verbesserung des Gemütszustandes auftritt.

Der Bedarf an Medikamenten für die Behandlung von Menschen mit Depressionen ist vorhanden. Gemäss Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist jede sechste Person in der Schweiz einmal in ihrem Leben von dieser Krankheit betroffen. Etablierte Behandlungen umfassen die tägliche Einnahme von Antidepressiva oftmals in Begleitung einer Psychotherapie.

Neben der Unterstützung durch den Nationalfonds sucht die Gruppe um den Psychiatrieprofessor der Zürcher Klinik Burghölzli, Franz Xaver Vollenweider, nun auch private Spender. Das tun sie in Form eines Crowdfunding in der Höhe von 50 000 Franken auf der Plattform Science Booster. Die Studie samt öffentlicher Spendenaktion wurde am Freitag im Rahmen des Science Crowdfunding Festivals in der Zürcher Kunsthalle vorgestellt.

Mit der grossen Kelle anrichten

Weil bereits kleinere Studien aus den USA und England gezeigt haben, dass eine bis zwei Einnahmen von Psilocybin die depressiven Symptome verbessert haben, will es die Forschergruppe unter Vollenweider nun genauer wissen. Gerade wegen der im Vergleich zu Antidepressiva seltenen Verabreichung und gleichzeitig langen Wirkung ist die psychedelische Substanz als Medikament interessant.

Insgesamt 60 Patienten sind Teil der Zürcher Studie. «Das ist so etwas wie der Kick-off für die Entwicklung eines Medikaments», sagte Vollenweider dazu diese Woche gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Bei der nun angesetzten Studie nehmen Menschen teil, bei denen eine mittelschwere Depression diagnostiziert wurde.

Der Grad dieser Krankheit äussert sich in etwa so: Die Betroffenen können tagelang grübeln und beschreiben damit einhergehend ein Gefühl der Gelähmtheit. Eine für an Depressionen erkrankte Personen nicht erklärte Bedrücktheit äussert sich in einem von Antriebslosigkeit geprägten Alltag.

Höhepunkt nach einer Stunde

Die Probanden werden über drei Sitzungen, die Gespräche, Informationen und Entspannungsübungen umfassen, auf die Einnahme des Wirkstoffs des psychoaktiven Pilzes vorbereitet. Im Rahmen der Untersuchung wird ihnen dann eine Kapsel mit rund
15 Milligramm der psychedelischen Substanz verabreicht. Diese kann ähnlich wie LSD Halluzinationen und Bewusstseinsveränderungen hervorrufen.

Die den Testpersonen verabreichte Menge aber ist auf das jeweilige Körpergewicht des Probanden abgestimmt. So soll laut Forschern garantiert werden, dass der psychedelische Effekt – oder Trip – nicht überwältigend wirkt. Parallel zur Einnahme hören die Testpersonen entspannende Musik über einen Kopfhörer. Der Höhepunkt der Substanz ist laut Forschern nach rund einer Stunde erreicht. Danach flacht die Wirkung langsam ab.

Vollenweider selber hat in den vergangenen 25 Jahren bereits über 1000 Versuchspersonen in diversen Studien, in denen Psychedelika zum Einsatz kamen, untersucht. Zusammenfassend beschreiben die bisherigen Studienteilnehmer die Psychedelika-Erfahrung als traumartigen Zustand. Beim Höhepunkt fühlen sich viele Menschen eins mit anderen und verbunden mit der Umwelt.

Laut Forschern kann durch das Erlebte – ausgelöst durch die psychedelische Substanz – im Nachhinein einen anderen Blickwinkel auf das Leben eröffnen. Genau diese potenziell positiven und langfristigen Veränderungen wollen die Zürcher Forscher genauer untersuchen.

Substanz verteuert Studie

Psilocybin fällt unter das Betäubungsmittelgesetz und ist damit verboten. Die Vorgaben in der medizinischen Forschung, die solche Substanzen beinhalten, sind entsprechend streng. Das heisst, der Wirkstoff, der für die Studie benötigt wird, kann nicht einfach aus psychoaktiven Pilzen gesammelt werden. Die Richtlinien erfordern eine hochreine Herstellung des Stoffes durch eine Spezialfirma in England. Und wegen diesen Produktionskosten übersteigen die Studienkosten die Unterstützung durch den Schweizerischen Nationalfonds.

Die Forscher wählen mit dem nun lancierten Crowdfunding einen unkonventionellen Weg auf dem Weg zur Besserung von Menschen, die an einer Depression leiden.