Sozialhilfe Zürich
Förderung schlecht Ausgebildeter - Früherkennung von Risikogruppen

Schlecht ausgebildete Menschen haben es im Arbeitsmarkt immer schwieriger und sind oft auf Sozialhilfe angewiesen. Der Stadtzürcher Sozialvorsteher Raphael Golta (SP) fordert deshalb ein gewisses Umdenken in der Sozialhilfe.

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Laut dem Stadtzürcher Sozialvorsteher müssen Arbeitsmarktchancen einerseits erhöht und andererseits Risikogruppen früher erkannt werden.

Laut dem Stadtzürcher Sozialvorsteher müssen Arbeitsmarktchancen einerseits erhöht und andererseits Risikogruppen früher erkannt werden.

KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI

Man müsse akzeptieren, dass nicht alle, die eigentlich arbeiten könnten, auch einen Platz im Arbeitsmarkt finden, sagte der Stadtzürcher Sozialvorsteher am Freitag vor den Medien. Von diesen Menschen müsse man Druck wegnehmen, ohne sie aufzugeben.

Man müsse gezielt in Aus- und Weiterbildung investieren, und die Leute so in Jobs führen, "die es auch noch gibt", sagte Golta weiter. Eine Studie der Uni Basel zeigt nämlich, dass anspruchslose Tätigkeiten immer mehr in Billiglohnländer verlagert werden und neue Technologien hochqualifizierte Arbeitnehmer erfordern.

Vielfältige Risikogruppen

"Wichtig ist es auch, Risikogruppen früher zu erkennen", sagte Golta weiter. Früher heisst, bevor sie Sozialhilfe benötigen. Dazu gehören etwa jene Menschen, die eine Stelle haben, aber kaum eine Ausbildung.

Ohne Ausbildung dastehen können beispielsweise ein 50-jähriger portugiesischer Bauarbeiter, dessen Körper nicht mehr mitmacht, sowie ein 40-jähriger Studienabbrecher. Zur Risikogruppe gehören auch kinderreiche Familien, die einen Zustupf von der Sozialhilfe benötigen, obwohl beide Eltern arbeiten - aber wenig verdienen.

Für seine Mitarbeitenden werde es nicht immer einfach, die Grundsätze auf den Einzelfall in der Praxis herunter zu brechen. Man werde jedoch schauen, wie das im Verlauf des Jahres möglich sei, sagte Golta.

Stabile Quote, längere Unterstützungsdauer

Die Sozialhilfequote in der Stadt Zürich blieb 2016 gegenüber dem Vorjahr praktisch stabil. Sie betrug 5,2 Prozent (2015: 5,1). In absoluten Zahlen ist sie allerdings gestiegen: 14'159 Haushalte wurden ganz oder teilweise von der Sozialhilfe unterstützt, im Jahr davor waren es 13'765.

Die Zunahme wurde durch das Bevölkerungswachstum fast vollständig kompensiert, weshalb die Quote nur leicht stieg, wie Mirjam Schlup, Direktorin der Sozialen Dienste, sagte. Insgesamt bezogen im vergangenen Jahr 20'799 Personen Sozialhilfe. Die Netto-Kosten betrugen laut Schlup rund 200 Millionen Franken.

Sorgen bereitet Schlup, dass Betroffene immer länger auf Unterstützung angewiesen sind. Die Mehrheit der neu in die Sozialhilfe eintretenden Personen finde aber innerhalb eines Jahres wieder einen Weg, den Lebensunterhalt anders als durch Sozialhilfe zu bestreiten.