Auf lokaler Ebene kämpft Sonja Gehrig schon länger gegen Lebensmittelverschwendung, neudeutsch auch Foodwaste genannt: Der von der Urdorfer GLP-Kantonsrätin mitgegründete Verein «Aufgetischt statt weggeworfen» verteilt in Urdorf, Lenzburg und Langnau am Albis Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden, an Bedürftige.

Nun wollte sie ihren Kampf gegen Foodwaste auf die kantonale Ebene ausweiten: Per Postulat forderte Gehrig, die Zürcher Regierung solle ihren Einfluss geltend machen, damit in kantonalen Spitälern, Schulen, Gefängnissen, in der Verwaltung sowie in den vom Kanton beaufsichtigten Firmen und ihren Kantinen möglichst kein Essen mehr im Abfall lande. Im Kantonsrat fand der Kampf gegen Foodwaste gestern grundsätzlich Anerkennung von allen Seiten. Eine Mehrheit erreichte Gehrigs Postulat aber nicht, da SVP, FDP, CVP und AL dagegen stimmten.

«Foodwaste ist kein Nebenschauplatz», argumentierte Gehrig. «Ein Drittel der Umweltbelastung ist der Ernährung zuzuschreiben. Und ein Drittel aller Lebensmittel landet nicht auf dem Teller.»

Die Gründe dafür sind laut Gehrig vielfältig: Lebensmittelnormen machen einen Teil der Ernte unverkäuflich; ebenso Konsumenten, die nur zu den schönsten Früchten greifen; auch Lebensmittelhändler, die glauben, bis Ladenschluss alles im Angebot haben zu müssen, tragen zu Foodwaste bei. Dass sich dagegen etwas machen und so auch noch Geld sparen liesse, zeige ein Projekt der Stadt Zürich: «Ein Drittel der weggeworfenen Lebensmittel konnten schon in der Testphase weggespart werden», so Gehrig. Durch eine gezielte Analyse der Lebensmittelverschwendung liesse sich auch auf Kantonsebene einiges verbessern, zeigte sich die Urdorferin überzeugt.

Silvia Steiner gibt sich offen

«Unnötig und ungeniessbar» fand hingegen Hans-Peter Brunner (FDP, Horgen) ihren Vorstoss. Schliesslich generiere die Gastronomie nur fünf Prozent der Lebensmittelverschwendung, der Grossteil falle in den Privathaushalten an. Das GLP-Postulat betreffe somit «ein Problemchen, das getrost den Betrieben überlassen werden kann». In den Gastrobetrieben sei das Thema Foodwaste längst bekannt, doppelte Wirteverbands-Präsident Ernst Bachmann (SVP, Zürich) nach. Die Küchenchefs seien darauf sensibilisiert. Hanspeter Göldi (SP, Meilen), der als Leiter Verpflegung im Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Zürich arbeitet, bestätigte dies, fügte aber an: «Es gibt noch Verbesserungspotenzial.»

Dass Gehrigs Postulat keine Mehrheit erhielt, lag nicht zuletzt auch daran, dass sich die AL der Argumentation der Ratsrechten anschloss: «Nun soll Vater Staat dafür sorgen, dass seine Kinder schön aufessen», witzelte Kaspar Bütikofer (AL, Zürich). Dass die Regierung den Gastro-Profis dafür Vorschriften machen solle, sei der falsche Ansatz.

Trotz dem Nein der Kantonsratsmehrheit ist Gehrigs Anliegen nicht vom Tisch: «Die Postulanten rennen offene Türen ein», sagte Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP). «Das Anliegen ist berechtigt, und in diesem Bereich kann immer optimiert werden.» Die Verwaltung sei dazu auch ohne kantonsrätlichen Druck in der Lage. (mts)