Limmatquai
Folgt nach dem Hafenkran die grosse Leere?

Die Debatte über die Platzgestaltung ist mit dem umstrittenen Kunstprojekt Hafenkran lanciert. Was nach der Installation aus dem Platz beim Rathauscafé werden soll, ist allerdings noch unklar

Matthias Scharrer
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Der fast leere Platz am Limmatquai, wo 2014 ein Hafenkran stehen soll, stösst bei Passanten und Geschäftsleuten auf Anklang. mts

Der fast leere Platz am Limmatquai, wo 2014 ein Hafenkran stehen soll, stösst bei Passanten und Geschäftsleuten auf Anklang. mts

Acht Sitzbänke, ein Abfalleimer, graue Pflastersteine – und sonst nichts: So präsentiert sich der Platz vor dem Zürcher Rathauscafé, auf dem schon bald ein ausrangierter Hafenkran als zeitlich befristetes Kunstprojekt stehen soll. 2014 kommt der Kran, teilte das Stadtzürcher Tiefbau- und Entsorgungsdepartement (TED) kürzlich mit, nachdem der einzige Rekurs zurückgezogen worden war.

Während das 600000-Franken-Projekt seit Jahren heftige Diskussionen über Sinn und Unsinn von Kunst respektive Verschleuderung von Steuergeldern auslöst, blieb die Debatte, die der Stadtrat damit lancieren wollte, bisher weitgehend aus: Wie soll der Platz aussehen, wenn der Kran wieder weg ist?

Glaskubus war geplant

Zur Erinnerung: Im Zuge der Verkehrsberuhigung und Neugestaltung des Limmatquais hatte die Stadt ursprünglich einen Glaskubus für 3,5 Millionen Franken auf der Terrasse vor dem Rathauscafé geplant, wo bis 1962 eine Fleischhalle stand. Um die Bewilligung der Gelder für die Limmatquai-Neugestaltung durch das Parlament nicht zu gefährden, stoppte der Stadtrat das Kubus-Projekt im Jahr 2005. Später lancierte er den Wettbewerb für ein temporäres Kunstwerk, aus dem das Hafenkranprojekt siegreich hervorging. Der Hafenkran soll laut TED-Sprecher Mike Sgier etwa für ein Dreivierteljahr stehen – und nach wie vor eine Debatte über die künftige Platzgestaltung bewirken.

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Zur Verfügung gestellt

Fragt man Passanten am Limmatquai, was mit dem Platz in Zukunft geschehen soll, wird schnell klar: am besten (fast) nichts. «So wie er ist, ists eigentlich schön», sagt beispielsweise die 23-jährige Manuela Bachmann aus Zürich. Und fügt an: «Einfach ein paar Bänke, wo man das schöne Wetter geniessen kann – es gibt viel zu wenig solche Plätze in Zürich.»

«Mehr grün»

«Etwas mehr grün, also ein paar Pflanzen wären noch gut», gibt die 78-jährige Rita Regli zu bedenken. «Jetzt wirkt der Platz etwas kalt.»

«Ich habe leere Plätze am liebsten», meint der 49-jährige Informatiker Andreas Ernst, der im Café vis-à-vis seinen Kaffee geniesst. Ein älterer Herr am Nebentisch blickt hinter der Zeitung hervor und pflichtet ihm bei: «Von mir aus muss man da gar nichts machen.»

Nichts ändern – das ist auch aus der Sicht von Christian Brugger, Co-Präsident der Geschäftsvereinigung Limmatquai-Dörfli (GLD), eine valable Option. «Es ist gut, dass man diesen Freiraum hat», erklärt Brugger, der Teddy’s Souvenirshop führt, weiter. Und der Freiraum solle nutzbar bleiben. Für Festzelte etwa – oder auch für Kunstaktionen wie den Hafenkran.

Für den GLD-Co-Präsidenten ist klar: «Wichtig ist, dass der Platz so genutzt wird, dass es Frequenzen gibt.» Soll heissen: potenzielle Kunden. Diesbezüglich habe sich die Ende 2006 vollzogene Neugestaltung des Limmatquais bisher bewährt.

«Es wäre falsch, etwas Fixes zu installieren. Wir brauchen kein weiteres Café und auch keinen Markt. Davon haben wir schon genug», hält Brugger fest. Anders als bei temporären Nutzungen stelle sich bei fixen Installationen wie dem einst geplanten Glaskubus die Frage, wie lange sie interessant blieben.

Behörden wissen noch nichts

Behördlicherseits ist noch unklar, was nach dem Hafenkranprojekt aus dem Platz beim Rathauscafé werden soll. «Ob Gebäude, Kunstwerk oder leerer Raum ist völlig offen», sagt TED-Sprecher Sgier.

Gut möglich also, dass nach dem 600000-Franken-Hafenkran die günstigste aller Platzgestaltungen folgt: die Leere. Fragt sich nur, ob die Zürcher Stadtregierung, die von Marronihäuschen über Bootsverleihe bis hin zu WC-Anlagen bisweilen zu gestalterisch-normierend eingreift, diese Leere aushält.