Flughafen Zürich
Flughafenchef Kern: «Pistenausbauverbot wäre falsches Zeichen»

Am 27. November 2011 wird im Kanton Zürich über ein Pistenausbauverbot auf dem Flughafen Zürich abgestimmt. Ein Ja zu den beiden Initiativen würde nach Meinung von Flughafenchef Thomas Kern ein falsches Zeichen setzen.

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Keystone

«Das würde ein ganz schlechtes Signal aussenden: Wir drosseln den Wirtschaftsmotor Flughafen Zürich», sagte Kern in einem am Montag vom «Tages-Anzeiger» publizierten Interview. Zudem seien die beiden Vorlagen schädlich, weil sie den Status quo zementierten und dem Flughafen auch im Bereich der Lärmbelastung Verbesserungen verwehrten.

Kern ist überzeugt, dass eine Verlängerung der Piste 28 einen stabileren Landebetrieb aus dem Osten zulassen würde - ohne dass die Kapazität erhöht wird. Und da im Osten in der Anflugschneise weniger Leute wohnen als im Süden, würden rein quantitativ weniger Leute belärmt.

Keine der Varianten, die heute noch Teil des so genannten SIL- Prozesses sind, führten zu mehr Kapazität. Die theoretische Maximalkapazität liege immer noch bei maximal 350'000 Flugbewegungen, heute seien es 270'000.

Zürich leidet schon heute

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Deutsche Bundestag eine Petition unterstützt, die den deutschen Verkehrsminister auffordert, in der Fluglärmfrage hart zu bleiben. Aufgenommen wird damit eine alte Forderung der Fluglärmgegner aus dem süddeutschen Raum. Demnach soll die Anzahl Flüge über Süddeutschland auf maximal 80'000 begrenzt werden.

Die Umsetzung dieser Forderung wäre laut dem Flughafenchef eine «Verschärfung, die das System sehr schlecht absorbieren könnte.» Der Flughafen leide schon heute unter dem seit 2003 bestehenden Verbot, Zürich am frühen Morgen und am Abend über den süddeutschen Raum anzufliegen.

Wegen dieser Einschränkung habe der Flughafen Zürich am Morgen eine rund 20 Prozent tiefere Kapazität. Zudem sei der Flugbetrieb störungsanfälliger geworden. Kern hofft deshalb, dass die Politik eine Lösung findet, die für beide Seiten gut ist.

Neues Modell für Lärmgebühren

Um eine solche Lösung ringt derzeit eine deutsch-schweizerische Arbeitsgruppe. Diese will bis Ende Jahr Eckpunkte zur Beseitigung des Fluglärmstreits vorlegen. Als neues Element brachte die Schweizer Delegation im März ein Konzept mit einer Lärmobergrenze und Zeitfenster ohne Fluglärm in die Diskussion.

Im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» kündigte Kern an, der Flughafen werde bis September ein neues Modell für die Lärmgebühren vorlegen. Demnach sollen mindestens 50 Prozent aller Flieger Lärmgebühren zahlen müssen. Heute sind dies lediglich 10 Prozent. Zudem sollen die Tagesrandstunden teurer werden, um eine gewisse Lenkungswirkung zu erzielen.