Fluglärm
Flughafen Zürich: Nachtruhe lässt sich nicht ganz einhalten

Im Schnitt starten oder landen täglich fünf Flugzeuge nach 23 Uhr – also nach Beginn der offiziellen Sperrzeit. Dies geschieht primär aufgrund des bewilligungsfreien Verspätungsabbaus.

Oliver Graf
Drucken
Teilen
Wegen Verspätungsabbau: Auch nach 23 Uhr starten und landen Flugzeuge in Kloten.

Wegen Verspätungsabbau: Auch nach 23 Uhr starten und landen Flugzeuge in Kloten.

KEYSTONE

Fluglärmgegner kritisieren seit Jahren: Zwar gelte auf dem Flughafen Zürich zum Schutz der Anwohner eine lange Nachtflugsperre. Doch werde diese relativ leicht ausgehebelt.

So gab es 2013 insgesamt 2089 Flüge während der Sperrzeit von 23 bis 6 Uhr (0,8 Prozent aller Flugbewegungen). Der Grossteil davon – 1915 Flüge – fand in der ersten halben Stunde statt: Zum Abbau von am Tag aufgelaufenen Verspätungen können Maschinen auf dem Flughafen Zürich trotz Flugsperre von 23 bis 23.30 ohne besondere Bewilligungen verkehren.

«Der sogenannte Verspätungsabbau», kritisierten drei Kantonsräte, «ist de facto in den Flugplan eingebunden.» Urs Dietschi (Grüne), Regula Kaeser-Stöckli (Grüne) und Priska Seiler Graf (SP) verlangten in ihren Vorstössen deshalb, dass «zur Entlastung der Lärmbetroffenen in diesem äusserst sensiblen Nachtzeitraum» der Flugbetrieb nun wirklich auf 23 Uhr zu beschränken sei.

Der Zürcher Regierungsrat hält in seiner gestern veröffentlichten Antwort fest, dass es «unbestritten ist, dass die Flugbewegungen zwischen 23 und 23.30 Uhr auf das Notwendige beschränkt sein sollen.»

Ein Verbot des bewilligungsfreien Verspätungsabbaus in dieser Zeit hält er allerdings für unmöglich: Denn die Regierung hält natürlich nach wie vor daran fest, dass dem Flughafen Zürich eine Drehkreuzfunktion («Hub») zukommen muss. Um diese Funktion gewährleisten zu können, müssten abends von 22 bis 23 Uhr vor allem die eingesetzten Langstreckenflugzeuge starten können.

Dies bedinge eine gewisse betriebliche Flexibilität in der halben Stunde danach – «damit geplante Abflüge im Verspätungsfall noch starten können». Andernfalls könnten «für das Drehkreuz bedeutsame Flüge nicht mehr oder nur noch in geringerem Umfang angeboten werden». Das wäre unverhältnismässig und nachteilig für die Standortattraktivität des Kantons und der Schweiz, betont die Regierung.

Möglichst wenige Verspätungen

Der Regierungsrat will aber darauf hinwirken, dass es auf dem Flughafen Zürich möglichst wenige Verspätungen und damit möglichst wenige Flüge nach 23 Uhr gibt. Mit dem neuen Betriebsreglement sollen abends auch vierstrahlige Flugzeuge in Richtung Norden starten können – der Rollweg vom Dock E zur Piste 32 würde damit kürzer ausfallen als bisher.

«Aufgrund dieser kürzeren Distanz ergibt sich eine Zeitersparnis von vier bis fünf Minuten.» Der Regierungsrat hofft auf weitere ähnliche Verbesserungen. «Das Ziel muss es sein, dass zwischen 23 und 23.30 Uhr, wenn immer möglich, keine Verspätungen mehr abgebaut werden müssen.» Derzeit ist dies aber noch nötig.

Aktuelle Nachrichten