Zürich

Flughafen verbannte die Werbung — nun hängen die Plakate im unterirdischen Bahnhof der SBB

Das Fluggastrecht-Portal Cancelled.ch kann nun doch noch in der Nähe seiner potenziellen Kunden werben.

Das Fluggastrecht-Portal Cancelled.ch kann nun doch noch in der Nähe seiner potenziellen Kunden werben.

Die Bildschirme bei den Gepäckbändern im Flughafen Zürich sollten Passagiere darauf aufmerksam machen, dass ihnen bis zu 600 Euro Entschädigung zustehen könnten. Die Werbung wurde vom Flughafen Zürich abgelehnt. Jetzt hängen die Plakate im unterirdischen Bahnhof der SBB.

Wenn sich Flüge verspäten oder gar annulliert werden, stehen Passagieren oft Entschädigungen zu. Kunden beklagen jedoch immer wieder, dass die Fluggesellschaften sich nur bedingt kooperativ zeigen. Wer sich mit dem Briefverkehr nicht selbst herumschlagen will, kann ein sogenanntes Fluggastrecht-Portal mit der Bearbeitung seines Falls beauftragen. Dieses übernimmt dann die juristische Vertretung gegenüber den Fluggesellschaften. Bei Erfolg erhalten die Unternehmen eine Provision von etwa 20 Prozent, wird der Fall gar vor Gericht gezogen, ist es mehr.

Ein solches Portal, das Unternehmen Cancelled.ch aus Baden, wollte im Sommer direkt bei der potenziellen Kundschaft werben. Die Bildschirme bei den Gepäckbändern im Flughafen Zürich sollten Passagiere darauf aufmerksam machen, dass ihnen bis zu 600 Euro Entschädigung zustehen könnten. Kurz bevor die Werbung tatsächlich gezeigt wurde, wurde das Sujet vom Flughafen Zürich abgelehnt (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Einige Monate später wird die Werbung von Cancelled.ch nun doch noch in unmittelbarer Nähe gezeigt – auf einem grossen Plakat im Bahnhof des Flughafens.

Zwischen den Gleisen 2 und 3 und nur eine Rolltreppe entfernt vom Flughafen werben die einst Verbannten. Das SBB-Areal, auf dem das Plakat hängt, ist gemäss Bundesgerichtsentscheid ein öffentlicher Raum. Wie die Plakatgesellschaft APG, welche die Werbeplätze verkauft, schreibt, fallen diese in den Schutzbereich der kommerziellen Werbefreiheit. Die APG übe in dieser Hinsicht deshalb keine Zensur aus.

«Vom Rückzugsrecht Gebrauch gemacht»

Die Flughafenbetreiberin wusste vor der Veröffentlichung des Plakats nichts davon: «Die SBB sind nicht verpflichtet, uns über ihre Werbeauftraggeber und deren Kampagnen auf dem SBB-Perimeter zu informieren», schreibt Mediensprecherin Sonja Zöchling auf Anfrage. Dass der Flughafen die Werbung in seinen Räumen abgelehnt habe, versteht dieser nicht als Zensur: «Wir haben einfach von unserem Rückzugsrecht von Werbeplakaten Gebrauch gemacht, weil wir der Ansicht waren – und heute noch sind –, dass die Fluggesellschaften die richtigen Ansprechpartner für Passagiere sind», schreibt Zöchling.

Die Geschichte hat am Flughafen ihre Spuren hinterlassen: Heute hängen dort zahlreiche Infoplakate zu Passagierrechten. «Die Fluggastrecht-Portale hatten damals aufgrund der sehr breiten Berichterstattung unseres Erachtens wohl einen riesigen Werbeeffekt mit einer enorm grossen Verbreitung», schreibt Zöchling.

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