Mit dem Anlass, an dem rund 260 Fachleute aus dem Migrations- und Integrationsbereich teilnahmen, streiche die Stadt Zürich ihre Verantwortung in Sachen Flucht und Migration hervor, sagte Sozialvorsteher Raphael Golta (SP) im Kirchgemeindehaus Neumünster. Die Migration sei schon immer Teil der städtischen Realität gewesen, sie gehöre zur ubanen DNA.

Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) kündigte an, dass Zürich per sofort die Initiative "Solidarity Cities" unterstütze. Zürich habe bereits gemeinsam mit Amsterdam die Stadt Thessaloniki bei informellen Bildungsangeboten für Flüchtlinge beraten. Zudem wird Zürich die südlibanesische Hafenstadt Tyros unterstützen - ab kommenden Jahr sollen der dortigen Verwaltung Fachleute zur Verfügung gestellt werden.

An der Migrationskonferenz vom Donnerstagnachmittag zog Philipp Aerni, Direktor des Zentrums für Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit (CCRS) an der Uni Zürich, Parallelen zwischen der heutigen Flüchtlingssituation und der Auswanderung aus Europa im 19. Jahrhundert. Er regte deshalb die Gründung neuer Städte an.

Aernis Ansatz ist gemäss einer Mitteilung der Stadt Zürich von der Tradition phönizischer Städtegründungen in der Antike und vom Aufstieg der Hansestädte im Mittelalter inspiriert. Neue Städte könnten Flüchtenden nicht nur Schutz, sondern auch eine ökonomische Perspektive bieten. Geschichtskenntnisse und politischer Mut seien gefragt.

Gerald Knaus, Vorsitzender der Europäischen Stabilitätsinitiative und einer der Architekten des EU-/Türkei-Flüchtlingsdeals, sprach sich für "eine gezielte Steuerung der Migrationsprozesse" aus. Daniel Endres vom UNHCR plädierte in Zürich für eine Flüchtlingspolitik, die auf einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz basiere sowie eine Vielzahl an Akteuren und neuen Partnerschaften vereine.