Die neue, unterirdische Velostation am Zürcher Hauptbahnhof entsteht zwischen Hauptbahnhof und Sihlpost. Das Provisorium steht derzeit auf der Postbrücke. Und es ist kein gewöhnlicher Abstellplatz. Die Velostation Süd ist Teil des Integrationsprojekts «Züri rollt». Mehr noch: Ab Sommer 2017 ist sie die grösste Velostation der Schweiz. Neben 1700 Abstellplätzen soll es auch einen Gratis-Veloverleih und einen Werkstattbetrieb geben, der von Asylsuchenden oder anerkannten Flüchtlingen betreut wird. Neu benötigt man dank elektronischem Zugangssystem keinen Schlüssel mehr für die Velostation.

Ein grünes Sozialprojekt

Zuständig für das Projekt ist die Asylorganisation Zürich (AOZ). Als einzige Institution hat sie sich auf die Ausschreibung der Stadt Zürich Anfang Jahr gemeldet. Florian Jenzer, Projektleiter von «Züri rollt», hat eine Vermutung, weshalb das so war: «Das Konzept musste sehr detailliert beim Tiefbauamt der Stadt Zürich eingereicht werden. Da wir schon andere Velostationen betreiben, hatten wir beim Projektbeschrieb sicherlich Vorteile, konnten wir doch auf unsere Erfahrung zurückgreifen.»

«Züri rollt» gibt es seit Mitte der 90er-Jahre. Die Station beim Landesmuseum, wie jene, die jetzt im Bau ist, sind die beiden grössten Standorte, die ganzjährig und täglich geöffnet haben. Sie werden im Auftrag der Stadt Zürich betrieben. Zudem gibt es saisonale Standorte auf dem Bürkliplatz, am Bellevue, an der Bahnhofstrasse beim Warenhaus Globus, beim Bahnhof Enge, aber auch auf dem Escher-Wyss-Platz und in Zürich Altstetten. In dieser Zeit beschäftigt das AOZ-Projekt rund 100 gemeinnützige Arbeitskräfte.

Das Integrationsprogramm dauert zwischen sechs und zwölf Monate. In dieser Zeit wird mit den Beschäftigten laut Jenzer an den vorgängig definierten Lernzielen gearbeitet. «Die Fachleiter der AOZ führen während des Integrationskurses regelmässig Gespräche mit den hier Arbeitenden. Wichtig ist dabei immer die Frage: Wo gibt es Förderbedarf? Braucht es mehr Übung beim Kundenkontakt oder müssen die Reparaturrapporte genauer angeschaut werden?», erklärt Jenzer. Parallel zum Arbeitseinsatz wird auch Deutsch unterrichtet. Am Ende des Programms wechseln sie entweder in ein nächstes oder wählen den direkten Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Eine gemeinsame Aktion

Die kantonale Triagestelle ist die Stiftung Chance. Sie verwaltet die kantonalen Integrationsgelder und weist die Personen den einzelnen Programmen zu. Gelegentlich melden auch die Sozialbehörden der Gemeinden Teilnehmer bei «Züri rollt» an. Dann bezahlen sie aber auch die Kosten für den Integrationskurs. Jenzer sagt: «Die bei uns beschäftigten Personen erhalten Sozialhilfe. Je nach Gemeinde erhalten sie monatlich eine Integrationszulage von ungefähr 200 Franken.» Diese sei von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich, mal höher oder tiefer. Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) bezeichnete die Velostation Süd vor einem Jahr als strategisch wichtiges Projekt. Das Tiefbauamt unterstützt «Züri rollt» im Rahmen der Aktion Stadtverkehr 2025. Eröffnet wird sie nächsten Sommer zusammen mit der ebenfalls noch im Bau befindlichen Personenunterführung.