Der ursprünglich als Fluchtweg gebaute Flur ist ebenfalls vollgestellt: Wärmebettchen und allerlei Geräte reihen sich der Wand entlang – ordentlich parkiert auf angeschriebenen Feldern.

Ab September ist die drangvolle Enge Geschichte: Dann geht die neue Neonatologie-Abteilung in Betrieb. Gleich gegenüber der Geburtenabteilung liegen die hellen, grosszügigen Räume.

Insgesamt gibt es 32 Plätze, 4 mehr als bisher. Die Zahl der Intensivbehandlungsplätze wurde auf 18 mehr als verdoppelt, jene für weniger intensive Pflege dafür reduziert. Insgesamt stehen 50 Prozent mehr Fläche zur Verfügung.

Von sechs auf zwölf Quadratmeter

Pro Kind erhöht sich der Platz von sechs auf zwölf Quadratmeter. Die Planer haben nämlich einkalkuliert, dass manche Mütter – etwa nach einem Kaiserschnitt – im Bett zu ihrem Kind gebracht werden müssen.

Zwei Abteile auf jeder Pflegestation können abgetrennt werden – für den Fall von Infektionen. Auch Rückzugsräume für das Personal und Stauraum für all die Gerätschaften sind vorhanden.

Lage und Anordnung der neuen Abteilung sind durchdacht. Künftig müssen etwa kranke Neugeborene für eine MRT-Untersuchung nicht mehr ins Kinderspital verlegt werden.

In einem speziellen Brutkasten können sie nur ein Stockwerk tiefer direkt in eine «Röhre» der neuen Kernspintomografen geschoben werden, wie Klinikdirektor Hans Ulrich Bucher erklärt.

Problematische Personalsuche

Für die Intensivpflege von Neugeborenen braucht es enorm viel Personal. Um sie rund um die Uhr sicherstellen zu können, benötigt man laut Bucher pro Baby 4,7 Vollzeitstellen. Zu den rund 50 Stellen bewilligte die Spitaldirektion des USZ für die Neonatologie 25 Stellen.

«Das Problem ist, die Leute zu finden», so Bucher. Auf der Abteilung gibt es viele Wechsel. Zahlreiche junge, gut qualifizierte Frauen gründen selbst eine Familie, andere wollen das Leben geniessen und kündigen für ein Zwischenjahr – von dem sie häufig nicht zurückkommen. «Sie wissen, dass sie jederzeit und überall eine Stelle finden können.»

Die Neonatologie-Abteilungen haben immer mehr zu tun. Zum einen steigen seit Jahren die Geburtenzahlen, zum anderen kommen immer mehr Babys zu früh zur Welt. In der Schweiz liegt der Anteil Frühgeborener laut Bucher bei 8 Prozent der jährlichen rund 80000 Geburten.

Das hat unter anderem zu tun mit dem steigenden Alter der Gebärenden. Ausserdem können heute auch Frauen Kinder bekommen, für die das früher nicht möglich war, etwa nach Organtransplantationen.

Intensivbehandlung macht Sinn bei Frühgeborenen

Und schliesslich «können wir heute jüngere und kleinere Kinder durchbringen als früher», sagt Bucher. Gemäss den in der Schweiz gültigen Richtlinien macht eine Intensivbehandlung Sinn bei Frühgeborenen ab der vollendeten 24. Schwangerschaftswoche, die nicht zusätzlich an Fehlbildungen oder Krankheiten leiden.

Die Eltern werden in die Entscheidung einbezogen. Ein Team wägt positive und negative Aspekte ab, skizziert – soweit möglich – die Zukunftsperspektiven des Kindes und unterbreitet einen Vorschlag.

«Die Eltern sind meistens froh darum», sagt Bucher. Denn sie sind in einer Ausnahmesituation und «können meist nicht rational entscheiden». Häufig gehe es zudem um Zwillinge oder Drillinge – also gleich um mehrere Kinder. Im Dialog mit Eltern aus anderen Sprachregionen und Kulturen helfen Dolmetscher und Kulturvermittler.

Wichtiger Hautkontakt

Für die Frühgeborenen ist der Hautkontakt mit der Mutter besonders wichtig. Und zwar nicht nur wegen Wärme und Geborgenheit: Das Kind wird so mit den Keimen der Mutter in Kontakt gebracht, für die es schon im Mutterleib Antikörper aufgenommen hat.

Damit wird es widerstandsfähiger gegen die gefürchteten Krankenhauskeime. Ist der direkte Kontakt nicht möglich, wird das Kind auf ein Tuch gelegt, das die Mutter zuvor auf dem Körper getragen hat.

Die «Frühchen» dürfen heim, wenn sie selber atmen und essen können und wenn die Mütter mit ihnen zurecht kommen, sagt Bucher. Um sich im selbstständigen Umgang mit den Winzlingen zu üben, steht in der neuen Abteilung ein Familienzimmer zur Verfügung. Während ein, zwei Tagen vor der Entlassung können Eltern und Geschwister dort mit dem Kleinen zusammen wohnen – Hilfe ist stets verfügbar.

Einige schwer kranke oder extrem früh geborene Babys überleben aber nicht. Begleitet und unterstützt werden die Angehörigen laut Bucher von einem speziell geschulten Team. Wichtig sei, dass die Eltern in der Nähe des sterbenden Kindes sein können. Und weil Abschiedsrituale von grosser Bedeutung seien, dürften sie das Kind auch nach Hause nehmen.