Zürich
Flitzer auf dem Zürichsee: Jet-Skis verboten – Kitesurfen erlaubt

Zürichsee Weicht die Zulassung eines kommerziellen Jetboots das Verbot für lärmige Jet-Skis auf? Danach sieht es zurzeit nicht aus. Was auf dem Zürichsee erlaubt ist und was nicht.

Thomas Schraner
Merken
Drucken
Teilen
Seit März ist auf dem Zürichsee das Kitesurfen erlaubt, lärmige Jet-Skis hingegen nicht, trotz Bewilligung fürs Jetboot. key

Seit März ist auf dem Zürichsee das Kitesurfen erlaubt, lärmige Jet-Skis hingegen nicht, trotz Bewilligung fürs Jetboot. key

KEYSTONE

Nicht nur auf dem Brienzer-, sondern auch auf dem Zürichsee kurvt seit einigen Tagen ein Jetboot herum, auf dem sich zahlende Passagiere für 99 Franken einen Adrenalinkick holen können (gestrige Ausgabe). Angesichts der bereits hohen Nutzungsdichte des Sees und der damit verbundenen Risiken für Schwimmer und Boote stellt sich die Frage, weshalb der Kanton die Bewilligung erteilt hat. Dürfen nun bald auch die lärmigen und gefährlichen Jet-Skis den Zürichsee unsicher machen?

Zuständig für diese Fragen ist Walter Künzli, stellvertretender Leiter der Schifffahrtskontrolle, die dem kantonalen Strassenverkehrsamt angegliedert ist. Die Bewilligung, die der Jetboot-Betreiber Thomas Lang erhalten hat, datiert vom 15. Juli. Massgebend waren die Vorschriften der Schweizerischen Schifffahrtsverordnung. «Das Jetboot erfüllt die Auflagen voll und ganz», sagt Künzli. Es handle sich keineswegs um einen Grenzfall. «Da wir Schlagzeilen vermuteten, haben wir noch genauer hingeschaut.» Nachbessern musste der Betreiber laut Künzli einzig beim Schallschutz für den Schiffsführer und die Passagiere.

Für Fische ungefährlich

Wegen der kommerziellen Nutzung galt für das Boot die Anforderung, dass es unsinkbar und mit einem Dieselmotor mit Partikelfilter ausgerüstet sein muss. Der Jet-Antrieb funktioniert so, dass vorne Wasser angesogen und hinten ausgestossen wird. «Jet-Motoren sind für Fische nicht gefährlicher als Propellermotoren», sagt Künzli. Seines Wissens handelt es sich um das erste kommerzielle Jetboot auf dem Zürichsee. Privat genutzte gebe es aber bereits dutzendfach.

Gemäss der Schifffahrtsverordnung müssen Bootsführer unnötigen Wellenschlag vermeiden. Dass es bei den Spezialmanövern des Jetboots unnötigerweise Wellen gibt, liegt aber auf der Hand. In diesem Punkt nehmen es die Kontrollbehörden offensichtlich nicht so genau.

Künzli persönlich nahm die Prüfung für das Jetboot ab – in Oberrieden, dem Standort der Schifffahrtskontrolle. «Wir testeten das Boot im Normalbetrieb – ohne Spezialmanöver wie Vollbremsung.» Als Prüfer habe er etwa darauf achten müssen, ob sich das Schiff in der Kurve auf die richtige Seite neige. «Spielraum hatten wir bei der Bewilligung nicht», betont Künzli. Das heisst: Erfüllt ein Boot die Vorschriften, muss es bewilligt werden.

Einschränkungen bei den Betriebszeiten hat der Betreiber keine. Das Jetboot darf also Tag und Nacht fahren. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung existiert ebenfalls nicht – abgesehen von der Uferzone (300 Meter) und vom unteren Seebecken, wo Tempo 10 gilt. Der Betreiber behauptet, dass sein Jetboot bis auf 80 Stundenkilometer beschleunigen kann. Fachleute nehmen ihm das allerdings nicht ab. Tempo 60 sei wohl realistischer. Auch Simon Hirter, Betreiber eines ähnlichen Jetboots auf dem Brienzersee, sagt: «Mein Boot fährt maximal 60.» Trotz fehlenden Tempolimiten müssen die Bootsführer die Geschwindigkeit immer den Sichtverhältnissen anpassen, betont Künzli.

Bundesrat gestoppt

Fungiert das Jetboot als Türöffner für die Jet-Skis? Künzli glaubt das nicht. Zuständig dafür ist er allerdings nicht, denn Jet-Skis sind Sportgeräte, keine Schiffe. Die letzte klare Antwort zum Thema Jet-Skis hat der Bundesrat 2008 gegeben. Damals entschied er, dass diese Sportgeräte in der ganzen Schweiz weiterhin verboten bleiben. Um sich der EU anzugleichen, wollte er das Verbot aufheben. Die Kantone, unter ihnen Zürich, sowie Naturschutzkreise und Fischer protestierten aber so heftig, dass der Bundesrat die Finger davon liess.

Erlaubt sind auf dem Zürichsee Sportarten wie Wakeboarden und Wasserskifahren – zwischen 8 Uhr und
21 Uhr. Zugelassen sind in dieser Zeit auch aufblasbare Gummiboote wie «Bananen», die von Zugschiffen gezogen werden. Allerdings müssen die Zugschiffe alle Passagiere des Anhängers aufnehmen können.

Seit März dieses Jahres ist auch das Kitesurfen auf dem Zürichsee (ausschliesslich dort) erlaubt, allerdings nur dort, wo auch das traditionelle Windsurfen zugelassen ist. Gesperrt ist das ganze untere Seebecken auf Stadtgebiet.