Zürich

Flankierende Vorschrift für fossiles Heizen: 10 Prozent müssen aus erneuerbarer Quelle stammen

Die Installation von Sonnenkollektoren auf dem Dach ist eine von elf Massnahmen, um die 10-Prozent-Regel einzuhalten.

Die Installation von Sonnenkollektoren auf dem Dach ist eine von elf Massnahmen, um die 10-Prozent-Regel einzuhalten.

Wer im Kanton Zürich seine Öl- oder Gasheizung ersetzt, darf dies nur zu 90 Prozent.

Wer mit fossilen Brennstoffen heizt, soll dies auch künftig tun dürfen. Beim Ersatz der alten Öl- oder Gasheizung soll die neue den Energiebedarf aber nur noch zu 90 Prozent decken dürfen. Die verbleibenden 10 Prozent müssen aus erneuerbarer Quelle stammen oder eingespart werden. So sieht es die Revision des Energiegesetzes vor, die der Regierungsrat bis 19. Oktober in die Vernehmlassung geschickt hat.

Eine grosse Rechnerei zur Ermittlung der 10 Prozent soll nicht nötig sein, sagt Hansruedi Kunz, Leiter Abteilung Energie im kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Es ist ein Katalog mit elf möglichen Massnahmen vorgesehen, erklärt er. Ist eine Massnahme erfüllt, gilt die 10-Prozent-Regel als eingehalten. Möglich sind etwa die Installation von Warmwasser-Sonnenkollektoren auf dem Dach oder auch die Dämmung des Dachs, der Fassade oder der Einbau isolierter Fenster.

Aber auch neuartige Heizsysteme kommen infrage, sagt Kunz. So sollen nächstens Öl- und Gasheizungen auf den Mark gelangen, welche mit einer Wärmepumpe kombiniert sind. Im Sommer heizt eine kleine Wärmepumpe mit gutem Wirkungsgrad das Warmwasser, im Winter sorgt der fossile Teil der Heizung für eine angenehme Raumtemperatur.

Etwas Neues

Die Vorschrift stellt in dieser Form etwas Neues dar. Sie basiert auf einer der Empfehlungen der Schweizer Energiedirektoren, wie sie in den Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich von 2014 (MuKEn 2014) zusammengefasst sind. Für Vorschriften im Gebäudebereich sind die Kantone zuständig. Die MuKEn sollen für landesweit möglichst einheitliche Bauvorschriften sorgen. 1992 wurden die ersten vereinbart. Betroffen von der neuen Vorschrift wären in erster Linie Wohngebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren, die noch nie erneuert worden sind, erklärt Kunz weiter. Bei Häusern mit einem Gebäudeenergieausweis A bis D (die Skala reicht bis G) gilt die 10-Prozent-Vorschrift von vorneherein als erfüllt. Im Kanton Zürich sind noch über 120 000 Öl- und Gastheizungen in Betrieb. Kunz schätzt, dass etwa ein Drittel der Wohnbauten von der neuen Regel betroffen wäre.

Für Neubauten erlaubt die aktuelle Gesetzgebung einen fossilen Anteil an der Wärmeerzeugung von 80 Prozent. Allerdings erhalten heutige Neubauten in der Regel keine Öl- und Gasheizungen mehr, sondern sind gut gedämmt und mit Wärmepumpen ausgestattet, die über Erdsonden tief in den Boden reichen und entsprechend effizient sind. Für Neubauten soll im Gesetz schlicht vorgeschrieben werden, dass ihr Bedarf an Wärme und Kühlung möglichst gering sein soll.

Keine Frist für E-Heizungen

Elektroheizungen neu zu installieren ist bereits heute verboten. Nicht in den Revisionsentwurf aufgenommen wurde eine Frist, innerhalb derer in Betrieb stehende Anlagen zu ersetzen sind. Die MuKEn 2014 schlagen 15 Jahre vor. Bis 2035, bei einem Inkrafttreten des Gesetzes 2020, seien ohnehin noch wenige Anlagen in Betrieb, sagt dazu Kunz. Auch auf das Vorschreiben verbrauchsabhängiger Heizkostenabrechnungen in bestehende Bauten wird verzichtet.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1