Am Montag votierte der Rat mit 21 zu 11 Stimmen für die Umsetzungsvorlage des Stadtrates. Diese war seine Antwort auf die Initiative «Attraktive Geissweid für alle», die innert kürzester Zeit über 600 Unterstützer fand. «Die Zustimmung aus dem Parlament ist wirklich eine grosse Befriedigung», sagt Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) auf Anfrage. Zumal das Parlament im vergangenen Dezember eine ähnliche Vorlage verwarf und zurück zum Stadtrat entsandte. Am Montagabend stellte der Sprecher des Initiativkomitees, Andreas Kriesi (GLP), in Aussicht, die Initiative zurückzuziehen, damit die Arbeiten so rasch wie möglich beginnen können.

Wie die Schlieremer Stadtschreiberin Ingrid Hieronymi nun auf Anfrage erklärt, ist dies nicht notwendig. So laufe nach der Publikation des Entscheids des Gemeindeparlaments von gestern Donnerstag die 30-tägige Referendumsfrist. «Für das Zustandekommen eines fakultativen Referendums braucht es 150 Unterschriften von Stimmberechtigten der Stadt. Kommen diese nicht zusammen, ist der Entscheid des Parlaments rechtskräftig», so Hieronymi.

Dass eine Volksinitiative derart rasch von der Unterschriftensammlung zur Exekutive, ins Parlament und zur Rechtskraft gelangt, ist ungewöhnlich. «Üblicherweise würde sich der Stadtrat, wenn er die Umsetzung einer allgemein anregenden Initiative befürwortet, vom Parlament den Auftrag geben lassen, eine Umsetzungsvorlage auszuarbeiten», so Hieronymi. Weil aber bereits eine Vorlage vom vergangenen Dezember vorhanden war, welche überarbeitet werden konnte, sodass sie erfüllte, was die Initiative verlangte, gelangte der Stadtrat direkt mit dieser Umsetzungsvorlage ans Gemeindeparlament.

Rekordverdächtiges Tempo

Weil eine bürgerliche Mehrheit ein Mehrfamilienhaus auf der Geissweid einem Kiesplatz mit Bäumen vorzog, erlitt die stadträtliche Vorlage im Dezember Schiffbruch. Auch die Kosten von rund einer Million Franken wurden kritisiert. Die Liberale Baugenossenschaft Schlieren präsentierte im Nachzug ein mögliches Bauprojekt, das in Absprache mit dem benachbarten Landbesitzer, der Kohler AG, entwickelt wurde.

Wie erklärt sich Bärtschiger den Meinungsumschwung im Parlament? «Dass die Initianten innert Rekordzeit über 600 Unterschriften sammeln konnten, hat die Parlamentarier sicherlich beeindruckt», sagt er. Zudem sei man mit diversen Fachleuten nochmals über die Bücher gegangen und habe festgestellt, dass es an diesem Standort schwierig ist mit einem Wohnbau Gewinn zu erzielen. So würden die komplexen Verhältnisse rund um die Tramschlaufe und den Bau der Limmattalbahn die Kosten in die Höhe treiben. «Dies war bei der Abstimmung vom Montag allen Parlamentariern klar.»

Genossenschafter schütteln Kopf

Erst werde die Geissweid dann als Installationsplatz für den Bau der Limmattalbahn verwendet. Im Verlaufe des Bahnbaus, wann genau sei noch offen, würden dann die Bäume gepflanzt und der Brunnen gebaut, so Bärtschiger.

Bei der LBS kann man den Entscheid des Schlieremer Parlaments nicht verstehen. «Wir schütteln nur noch den Kopf», sagt Vizepräsident Ueli Saxer. So hätten der Stadtrat und die Initianten masslos übertrieben. «Wir wollten nur einen kleinen Teil des Platzes überbauen und nicht den ganzen», so Saxer. Und auch die Baukosten seien nicht das Problem der Exekutive oder der Initianten. «Die notwendigen Mittel für den Bau wären bereit gewesen», sagt er. Doch nun sei die letzte Chance verstrichen, auf der Geissweid etwas Vernünftiges zu erstellen.