Doch auch der gutmütigste Hund wird irgendwann ungeduldig, weshalb Quirin an der Leine zu ziehen beginnt. Das macht aber nichts: Die Szene am Limmatufer hinter dem Bahnhof Dietikon ist ohnehin im Kasten.

Kaiser und sein knapp 80 Kilogramm schwerer Hund sind Statisten im «Tatort Dietikon», ein Kurzfilm, den der Dietiker Filmemacher Simon Schenk zusammen mit der Schauspielerin Dagmar Hirsekorn realisiert.

Tatort Dietikon: «Es gibt nur einen Ort für den Tatort»

Tatort Dietikon: «Es gibt nur einen Ort für den Tatort»

Der Kurzfilm ist eine Mischung aus Videoclip und Imagefilm, lose zusammengehalten durch eine Spurensuche im Stil des «Tatorts».

Das Konzept: eine Mischung aus Videoclip und Imagefilm, lose zusammengehalten durch eine Spurensuche im Stil des «Tatorts». «Wir wollten die Faszination für die Krimi-Reihe mit einem Imagefilm über Dietikon verbinden», erklärt Simon Schenk.

Das Ziel des «experimentellen Ansatzes»: ein positives Bild der Stadt anhand einer Geschichte in Verbindung mit einem Song anstelle von trockenen Sachinformation, Zahlen und Fakten zu vermitteln.

Das Projekt greife die Klischees über die Stadt auf und versuche, diese aufzubrechen. «Dietikon macht hauptsächlich mit negativen Ereignissen von sich reden», sagt Schenk, der sich selber lange nicht vorstellen konnte, einmal hierher zu ziehen.

Trotzdem wohnt der junge Filmemacher seit 2013 in Dietikon. «Die Stadt hat viel mehr zu bieten, als man meint», ist er überzeugt.

Das sieht auch seine langjährige Bekannte Dagmar Hirsekorn so: «Vor dem Filmprojekt war Dietikon für mich ein Ort, an dem ich einfach vorbeigefahren bin.»

Inzwischen kennt sie die Stadt besser und hat ein positiveres Bild von ihr. «Es leben sehr viele nette Menschen hier.»

Hirsekorn hat für den Clip auch den Song geschrieben, der gängige Klischees über Dietikon etwa im Zusammenhang mit dem hohen Ausländeranteil der Stadt aufgreift.

«Das Projekt soll mit Vorurteilen aufräumen. Etwa damit, dass jemand kriminell ist, nur weil er gebrochen Deutsch spricht», sagt Hirsekorn.

Filmreif: Bernhardiner Quirin bei den Dreharbeiten.

Filmreif: Bernhardiner Quirin bei den Dreharbeiten.

Schauplatz Hundecoiffeur

Im rund dreineinhalbminütigen Film begeben sich die Schauspielerin und ihr Kollege Luigi Prezioso als Kommissarenpaar auf Spurensuche durch die Bezirkshauptstadt.

Vom Limmatwehr, dem Ort eines Verbrechens, das bloss angedeutet wird, bis zum Bruno-Weber-Park besuchen sie dabei verschiedene Orte in der Stadt.

«Der Film folgt dabei keiner strengen Handlung», sagt Schenk. Einen Krimi zu erzählen sei in dieser Länge gar nicht möglich.

Viel mehr handle es sich um ein Mosaik aus verschiedenen Schauplätzen, um schöne, aber weniger bekannte Seiten der Stadt zu zeigen.

Während ihrer Suche in typischer «Tatort»-Manier – mit Blaulicht, Verhören und Fahndungsfotos – kommen die zwei Kommissare auch mit den Einwohnern Dietikons in Kontakt. «Wir zeigen einen Querschnitt durch die städtische Gesellschaft», sagt Schenk.

So kommen neben Bruno Kaiser und seinem Hund Quirin zahlreiche andere Dietikerinnen und Dietiker im Film vor, darunter etwa auch Ladenbesitzer: So wurden unter anderem Szenen in einem Kebab-Imbiss oder bei einem Hundecoiffeur gedreht.

«Viele kleinere Unternehmer waren sofort begeistert von der Idee und haben unser Projekt unterstützt – auch finanziell», erinnern sich Hirsekorn und Schenk.

Unterstützt wurden die beiden auch von der Stadt Dietikon, welche die Idee «sehr spannend» fand, wie Standortförderer Michael Seiler auf Anfrage sagt.

Man habe Kontakte zu möglichen Drehorten hergestellt sowie einen kleineren Beitrag im Sinne der Kulturförderung zugesprochen, mit der Auflage, im Film auf sichtbare Gewalt zu verzichten.

Der Lohn sind neue Erfahrungen

Trotz des Sponsorings war das Budget für das Filmprojekt, mit dem Schenk und Hirsekorn im vergangenen Sommer begonnen haben, klein. «Wir können die Unkosten decken. Verdienen tun wir daran aber nichts», sagt Schenk.

«Im besten Fall ist das Projekt gute Werbung.» Darüber hinaus sei «Tatort Dietikon» eine neue Erfahrung für ihn. «Ich habe vorher keine fiktionalen Filme gedreht», sagt Schenk. Bislang habe er hauptsächlich Imagefilme für Firmen oder Dokumentationen realisiert.

Und auch für Hirsekorn ist das Projekt eine neue Herausforderung. «Neben dem schauspielerischen Teil habe ich etwa die Statisten betreut oder Fundraising betrieben.» Es sei spannend gewesen, auch einmal diese Bereiche des Filmemachens kennen zu lernen.

Bis im März soll «Tatort Dietikon» fertig sein und dann auf sozialen Netzwerken wie etwa Facebook hochgeladen werden.

Bis dahin haben Schenk und Hirsekorn allerdings noch einiges zu tun. «Das Lied muss noch sauber aufgenommen werden. Dafür suchen wir derzeit ein Studio – am besten eines in Dietikon», sagt Hirsekorn.