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Filmemacher Timo von Gunten: «Meine Traumfabrik ist die Welt»

Gespenstische Szene aus «Mosquito»: Der nächtliche Störefried wird zum Albtraum. Das Making-Of zeigt den Einsatz der Filmemacher.

Gespenstische Szene aus «Mosquito»: Der nächtliche Störefried wird zum Albtraum. Das Making-Of zeigt den Einsatz der Filmemacher.

Seit er dreizehn ist, dreht Timo von Gunten Filme und sticht mit seinen Ideen hervor. Sein Werk Mosquito wurde schweizweit als Vorfilm zum neuen Film von Wes Andersen gezeigt.

Als seine Kollegen noch mit ihren Spielsachen beschäftigt waren oder draussen tschutteten, machte Timo von Gunten die ersten Schritte in seinem zukünftigen Beruf.

«Wir hatten nie einen Fernseher zu Hause», sagt der 24-Jährige. «Wenn ich dann mal bei einem Freund oder in einem Hotel fernsehschauen durfte, war ich total fasziniert.» Und er hatte den brennenden Wunsch, was er da auf der Mattscheibe oder im Kino sah, auch zu tun: Filme machen. «Dass ich das überhaupt realisieren konnte, hat mit der Entwicklung zu günstigen, digitalen Geräten zu tun. Sonst wäre das Filmemachen mein Traum geblieben.» Seinen ersten Film drehte er als Dreizehnjähriger und gewann gleich seinen ersten Preis.

Bisher hat sich von Gunten auf Kurzfilme beschränkt. Meist geht er – wie in seinem neuen Werk «Mosquito» – von einer uns allen bekannten Situation aus, die schliesslich in einem Desaster endet. «Mosquito» war am Filmfestival Solothurn zu sehen und wurde in der ganzen Schweiz als Vorfilm von Wes Andersons «Budapest Hotel» gezeigt. Ausserdem läuft er diesen Freitag und Samstag an den Jugendfilmtagen Zürich.

Mosquito MAKING OF from Timo von Gunten on Vimeo.

Das Making-Of von Mosquite: Ein Blick hinter Kulissen zeigt die Entstehung von Timo von Guntens neustem Werk.

Mosquito von Timo von Gunten

Timo von Gunten dreht, wo es ihm gerade passend erscheint: In der Schweiz, in Paris, im New Yorker Central Park, in der amerikanischen Wüste. Ebenso international sind die Kurzfilm-Festivals, an denen seine Werke laufen: von Dubai über Frankreich bis Los Angeles steht er in den Wettbewerben und trägt immer wieder den Sieg nach Hause.

Nach kurz kommt lang

«Mosquito» soll von Guntens letzter Kurzfilm sein. Er ist dabei, seinen ersten Langspielfilm zu drehen. «Kurzfilme stehen halt schon sehr im Schatten, erhalten kaum Aufmerksamkeit.» Das Schöne an ihnen sei hingegen, dass man sich weniger an übliche Formate halten müsse. «Du bist völlig frei, in einem Kurzfilm kannst du oft realisieren, was und wie es dir passt.» Bei einem Langspielfilm hingegen sei zumindest die dramaturgische Struktur ein Element, das der Filmemacher nicht vernachlässigen sollte. «Daran scheitern nicht selten Erstlings-Regisseure, sie haben Mühe, die Spannung über 90 Minuten aufrecht zu erhalten.»

Sein Geld verdient von Gunten als Editor oder Auftragsfilmer. Er lebt noch bei seinen Eltern. «Sonst würde es finanziell nicht funktionieren», sagt er. Seine künstlerischen Kurzfilme sind ebenso wie die Werbefilme gezeichnet von seinem typischen, schwarzen, oft zweideutigen Humor.

Netzwerke knüpfen ist wichtig

2005 gründete der Zürcher seine eigene Produktionsfirma bmc-films. Erstaunlich, welche grossen Namen aus der Schweizer Filmszene er immer wieder für seine Projekte gewinnen kann: Die Schauspieler Gilles Tschudi, Manfred Liechti, Stephanie Glaser oder Produzentin Sabine Boss. Netzwerke zu knüpfen sei sehr wichtig, weiss von Gunten. «Ich zeige mich immer wieder an Partys oder anderen Veranstaltungen der Branche und stelle mich den Leuten vor.» Sei man den Leuten ein Begriff, sei die Chance, dass sie zuhören, wenn man dereinst mit einer Idee oder Bitte zu ihnen komme, erheblich grösser.

BMC Films SHOWREEL from Timo von Gunten on Vimeo.

Ein Showreel gibt Einsichten in die Arbeit der Zürcher Produktionsfirma.

Ein Showreel gibt Einsichten in die Arbeit der Zürcher Produktionsfirma.

«Es wird ja viel über die Schweizer Filmszene gelästert. Aber ich finde es auch schön hier. Du kannst jeden, sogar Oscar-Preisträger erreichen, ohne dass ein Agent dich fernhält, wie das in den englischsprachigen Ländern oft der Fall ist.» Auch seien die Meisten grundsätzlich bereit, Nachwuchstalenten zu helfen, wenn sie vom Drehbuch überzeugt werden könnten.

Hollywood ist nicht, wie bei so vielen seiner Kollegen, von Guntens Hauptziel. «Ich gehe dahin, wo Projekte stattfinden und ich mit spannenden und talentierten Menschen zusammenarbeiten darf. Ob das nun die USA, Europa oder Afrika ist, wo ich gerade etwas am Aufgleisen bin, ist egal. Meine Traumfabrik ist die ganze Welt mit ihren Geschichten.»

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