Die Stadtpolizei hat der Filmcrew erlaubt, in der Nacht von Freitag auf Samstag am Sihlquai zu drehen. In der Nacht zuvor erfolgen die Dreharbeiten im Langstrassenquartier. Die Bewilligung wurde ausdrücklich «ohne präjudizielle Wirkung für gleiche oder ähnliche Gesuche» erteilt, heisst es in der Bewilligung, die der sda vorliegt.

Die Bewilligung enthält detaillierte Auflagen, welche die Anwohner schützen. So dürfen etwa weder Lautsprecheranlagen noch Megaphone verwendet werden, Scheinwerfer und dergleichen dürften weder die umliegenden Gebäude noch den Strassenverkehr beeinträchtigen. Dieser habe Vorrang - Sperrungen dürften nur kurze Zeit erfolgen.

Damit die Anwohner, die jahrelang hartnäckig gegen den Strassenstrich am Sihlquai gekämpft hatten, von dessen scheinbarem Wiederaufleben nicht geschockt werden, wurden sie vorgängig informiert. In einem Email an einen Exponenten des Widerstandes schreibt der zuständige Stadtpolizei-Kreischef, bei den angeblichen Prostituierten handle es sich um «20-40 verkleidete Statistinnen».

Kinofilm «Chrieg»

Gedreht wird der Film «Chrieg», ein möglichst dokumentarisch gehaltener Kinospielfilm, wie Aufnahmeleiterin Olga Zachariadis auf Anfrage sagte. Es geht um Jugendliche und ihre Probleme und Konflikte beim Erwachsenwerden.

Statt bekannter Schauspieler treten Laiendarsteller auf: «Die Jugendlichen spielen zum Teil sich selber», sagte Zachariadis: Viele hätten einen problematischen Hintergrund. Insgesamt filme man möglichst dokumentarisch.

Die Dreharbeiten haben laut Zachariadis Mitte September begonnen. Nächste Woche werden sie in Zürich abgeschlossen, dann folgt noch eine Woche im Südtirol. In die Kinos komme der Film voraussichtlich im Herbst/Winter 2014. Regie führt der Zürcher Simon Jacquemet, Die Produktion hat Hugofilm Production, Zürich.

Der «echte» Strassenstrich am Sihlquai wurde erst Ende August aufgehoben. Die Prostituierten arbeiten jetzt in einer eigens erstellten Anlage in Zürich Altstetten. Ihre Dienstleistungen erbringen sie in geschütztem Rahmen in so genannten «Sex-Boxen».