Herr Leutenegger, Sie haben es geschafft und den Grünen-Sitz der abtretenden Ruth Genner erobert. Was passiert nun im Stadtrat?

Filippo Leutenegger: Die Positionen sind abgeglichen worden. Es beginnt eine neue Ära.

Als Bürgerlicher sind Sie im Stadtrat deutlich in der Minderheit. Zürich bleibt wie gehabt Rot-Grün.

Ich habe ein dickes Fell, machen Sie sich da keine Sorgen. Ausserdem hat meine Partei drei Sitze dazu gewonnen. Das ist das, was mich am meisten freut.

Ihr Ziel, Stadtpräsident zu werden, haben Sie aber verpasst. Die bisherige Stadtpräsidentin Corine Mauch konnte ihr Amt mit 48 608 gegenüber Ihren 32 276 Stimmen verteidigen. Werden Sie in vier Jahren nochmals für das Stadtpräsidium antreten?

Das sehen wir dann. Bis dahin kann viel passieren.

Was sind die vordergründigen Punkte, die Sie im Stadtrat angehen werden?

Wir müssen mit den Finanzen runter und ein Globalbudget installieren und zwar überall – nicht nur am einen oder anderen Ort. Eine Schuldenbremse ist unabdingbar.

Haben Sie keine Bedenken, mit diesen Anliegen durchzukommen?

Die Frage ist, ob die Mehrheit versteht, wie wichtig das ist. Als Finanzpolitiker habe ich natürlich schon lange vorausgesehen, dass dieses Thema kommen wird.

Wäre das Finanzdepartment denn auch das Departement, das Sie gerne übernehmen würden?

Ich habe keine Präferenzen. Ich habe keine zu haben. Über das Departement entscheidet das Kollegium. Ich würde genauso gerne auch die Polizei übernehmen.

Es heisst, Sie und Richard Wolff bringen sich nicht gerade freundschaftliche Gefühle entgegen.

Wir werden uns schon finden. Mit Richard Wolff kann man gut diskutieren.

Wie fühlen Sie sich nun? Irgendwie sind Sie sowohl Gewinner als auch Verlierer.

Ganz sicher nicht als Verlierer. Ich rechnete mit 30 Prozent der Stimmen. Dass ich jetzt 40 Prozent erhalten habe, ist grandios. Es spielen so viele Sachen hinein: Fehler des Amtsvorgängers, die eigene Form, die Stimmung der Wähler.

Dann kann man nur sagen: Gratulation zum Sieg.

Danke. Aber viel wichtiger als meine Wahl zum Stadtrat ist für mich, dass meine Partei dermassen zulegen konnte.