Fussball
Fifa und Zürich – ein Geben und Nehmen

Dass der Weltfussballverband als Verein besteuert wird, sorgt immer wieder für Ärger

Matthias Scharrer
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Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Fifa-Chef Sepp Blatter (rechts) übergibt Stadtpräsidentin Corine Mauch und Stadtrat Gerold Lauber einen Check.keystone

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Fifa-Chef Sepp Blatter (rechts) übergibt Stadtpräsidentin Corine Mauch und Stadtrat Gerold Lauber einen Check.keystone

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Markus Späth, Fraktionschef der SP im Zürcher Kantonsrat, zeigte sich empört: «Unerträglich ist, dass ein Milliardenunternehmen wie die Fifa in der Schweiz und insbesondere in Zürich weiterhin als Verein besteuert wird und dank Steuertricks wie zum Beispiel der Bildung von vorsorglichen Rückstellungen in Milliardenhöhe von tieferen Steuern profitieren kann», sagte er. Und weiter: «Wir verlangen von der Regierung, insbesondere aber vom neuen Finanzdirektor, dass die Steuersituation der Fifa sofort überprüft und Fifa als das besteuert wird, was sie ist: ein milliardenschweres Grossunternehmen.»

Tiefere Gewinnsteuer

Späth verlas diese Worte im Namen der SP-Fraktion vergangenen Montag, wenige Tage nach der Verhaftung führender Fifa-Funktionäre in Zürich. Inzwischen hat sich die Situation weiter zugespitzt: Fifa-Chef Sepp Blatter hat am Dienstag seinen Rücktritt angekündigt. Zuvor waren Berichte über eine angebliche Schmiergeldzahlung in Höhe von 10 Millionen Dollar publik geworden, die Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke im Zusammenhang mit der Vergabe der Fussball-WM 2010 an Südafrika autorisiert haben soll.

Das Milliardenunternehmen Fifa mit Vereinssitz in Zürich ist durch die Korruptionsvorwürfe in seinen Grundfesten erschüttert. Das verleiht auch der Diskussion um seine günstige Steuertaxierung Auftrieb. Darauf angesprochen, sagt Roger Keller, Sprecher der neu von SVP-Regierungsrat Ernst Stocker geführten kantonalen Finanzdirektion, lakonisch: «Der Staat kann einem Unternehmen nicht vorschreiben, welche Rechtsform ein Unternehmen sich gibt.» Und: «Die Fifa ist keineswegs das einzige Unternehmen, das als Verein organisiert ist.»

Immer wieder sorgte die Steuersituation der Fifa in Zürich für Diskussionen. Zuletzt nahm der Regierungsrat 2011 auf Anfrage von SP-Kantonsräten dazu Stellung: «Für den Verein Fifa mit Sitz in Zürich wurde keine Steuerbefreiung verfügt», hielt er damals fest. Auf Details zur Steuersituation der Fifa ging die Regierung mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht ein.

Sie hielt aber allgemein fest, dass die Gewinnsteuer der Vereine 4 Prozent des Reingewinns beträgt, während der Gewinn von Kapitalgesellschaften mit 8 Prozent besteuert wird. Diese Situation ist laut Finanzdirektionssprecher Keller heute unverändert.

«Nicht gewinnorientiert»

In ihrem Finanzbericht 2014 hält die Fifa fest, dass sie letztes Jahr insgesamt Steuern und Abgaben in Höhe von 36 Millionen US-Dollar bezahlte – mehr als doppelt so viel wie in den beiden Jahren davor und mehr als sieben mal soviel wie 2011. Der Grossteil davon entfalle auf die Schweiz. Wie gross der Anteil von Stadt und Kanton Zürich daran ist, weist die Fifa aber nicht aus. Bei der Bundessteuer beträgt die Gewinnsteuer für Vereine 4,25 Prozent.

Die Fifa betont in ihrem Finanzbericht, dass sie eine «nicht gewinnorientierte Organisation» sei. Im gleichen Bericht weist sie für die Jahre 2011 bis 2014 Gewinne von insgesamt 338 Millionen Dollar netto aus – bei Reserven von 1,5 Milliarden Dollar. Dass Blatter aus der Fifa eine Geldmaschine gemacht hat, zählt zu seinen unbestrittenen Leistungen.

Auch für Zürich sprang dabei das eine oder andere heraus: Für 75 Millionen Franken baut sich die Fifa im Enge-Quartier derzeit ein Museum. Zum Geben und Nehmen gehört auch ein 20-Millionen-Franken-Check, den Blatter 2012 an Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) und den Stadtzürcher Sportminister Gerold Lauber (CVP) überreichte. Der Beitrag war ursprünglich für das geplante neue Hardturm-Stadion vorgesehen. Nachdem die Stadt dort entgegen den Fifa-Vorgaben auch Stehplätze bauen wollte, wurden die 20 Millionen als Beitrag für den Breitensport umfunktioniert. Jetzt baut die Stadt mit dem Geld neue Kunstrasenplätze, zum Beispiel auf den Sportanlagen Juchhof sowie auf dem Hönggerberg.

Dass das Geben und Nehmen bisweilen Schwierigkeiten mit sich bringt, zeigt auch die Vergabe der städtischen Liegenschaft Sonnenberg an die Fifa. 1996 überliess die Stadt der Fifa die Villa für 60 Jahre zu einem Baurechtszins von 200 000 Franken pro Jahr. Den Marktzins veranschlagten Jacqueline Badran (SP) und Balthasar Glättli (Grüne) 2011 in einem Gemeinderats-Postulat auf 800 000 Franken pro Jahr. Sie verlangten, dass der Stadtrat den Baurechtsvertrag mit der Fifa auflöse und einen marktüblichen Baurechtszins verlange. Die Mehrheit des Zürcher Stadtparlaments stimmte dem Postulat im Februar 2013 zu. Eine Umsetzung lässt noch auf sich warten.