Zürich
Fifa-Chef Blatter schenkt der Stadt 20 Millionen – offiziell für Breitensport

Zürich erhält 20 Millionen Franken von der Fifa – offiziell für den Breitensport. Diese sollten ursprünglich ins neue Hardturmstadion fliessen. Doch weil der Stadtrat nicht auf Stehplätze verzichten wollte, zog die Fifa das Angebot im Januar zurück.

Michael Rüegg
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Haben sich über die Verwendung der Fifa-Schenkung geeinigt: Gerold Lauber, Corine Mauch und Sepp Blatter. Keystone

Haben sich über die Verwendung der Fifa-Schenkung geeinigt: Gerold Lauber, Corine Mauch und Sepp Blatter. Keystone

Sie sollten ursprünglich in den Bau des neuen Hardturmstadions fliessen: die 20 Millionen Franken, welche die Fifa gestern der Stadt Zürich überreichte. Doch weil der Stadtrat dem Wunsch des Weltfussballverbandes nach einem Verzicht auf Stehplätze nicht nachkam, zog die Fifa ihr Angebot vergangenen Januar überraschend zurück.

Kurz darauf liess sie verlauten, der Stadt trotzdem 20 Millionen überreichen zu wollen – «zur Förderung des Breitensports oder die Sanierung von Sportanlagen». Die Stadt gab noch im Januar bekannt, dass sie über die genaue Verwendung des geschenkten Betrages später informiere – gleichzeitig betonte der Sprecher des für die Stadionplanung zuständigen Hochbaudepartements, der städtische Beitrag an den Stadionbau werde nicht erhöht. Nun ist klar, warum.

Beide Seiten sind glücklich

Denn Stadtrat und Fifa haben einen Weg gefunden, der beide Seiten glücklich macht. Gestern Nachmittag informierten Stadtpräsidentin Corine Mauch und Schul- und Sportvorsteher Gerold Lauber zusammen mit Fifa-Präsident Sepp Blatter auf dem Fussballfeld Hardhof über die Details.

Vor der Kulisse zweier Duzend trainierender Fussballjuniorinnen betonten Stadt und Fifa abwechselnd die Wichtigkeit des jeweils anderen, bevor sie die Aufteilung der 20 Millionen Franken bekannt gaben: Für 17 Millionen wird auf diversen Sportplätzen Kunstrasen ausgelegt, drei Millionen fliessen in die Förderung des Frauen- und Mädchenfussballs.

Stadtkasse «entlastet»

Offiziell hat das mit dem geplanten Stadion nichts zu tun. Doch da die Fussballfelder sowieso erneuert worden wären, entlasten die Fifa-Millionen die Stadtkasse um den Betrag von exakt 17 Millionen Franken.

Dieses Geld könne, wie Stadtpräsidentin Mauch in ihrer Rede sagte, «nun in andere Projekte investiert werden – zum Beispiel ins Hardturmstadion». Damit sind die Stadt und die Fifa wieder zurück auf Feld1, minus der drei Millionen für den Frauenfussball.

Indirekte Beteiligung kommt der Stadt gelegen

Für die Stadt kommt diese Variante noch gelegener als eine direkte Beteiligung an den Stadionkosten. Denn die Stadtzürcher Stimmberechtigten entscheiden nächstes Jahr über die 50 Millionen Franken, die der Stadtrat ins Stadion investieren will.

Sollte das Projekt an dieser politischen Hürde scheitern, darf die Stadt die 20 Millionen des Weltfussballverbandes trotzdem behalten. Allerdings betonte Mauch: «Wir wollen dieses Stadion unbedingt.»

Die Rechnung geht auf

Der Finanzierung des neuen Hardturmstadions ist die Stadt damit einen kleinen Schritt näher gekommen. Nachdem das Vorhaben in den Kalkulationen von 2010 noch 135 Millionen Franken kosten sollte, ist man mittlerweile bei Zielkosten von 150 Millionen angelangt.

Neben den 50 Millionen Investitionsbeitrag sollen 70 Millionen über ein städtisches Darlehen finanziert werden. Je 2,5 Millionen Franken sollen laut Budget GC und der FCZ investieren. Im Januar gab der Kanton bekannt, sich mit 8 Millionen Franken aus dem Sportfonds zu beteiligen –- mithilfe einer überaus grosszügigen Auslegung der Fonds-Richtlinien, die eine Beteiligung an Projekten des Spitzensports eigentlich ausschliessen.

Architektenvorschläge überschreiten 150 Millionen

Macht exakt 133 Millionen. Damit fehlen 17 Millionen, also genau derjenige Betrag, der von den 20 Fifa-Millionen für Infrastruktur übrig bleibt.

Die Kosten für die Erstellung des Bauwerks sind jedoch nur das Eine. Im Betriebsbudget rechnet die Stadt mit einem jährlichen Defizit von 6,22 Millionen Franken – vorausgesetzt, die Clubs können die optimistisch berechnete Jahresmiete von rund 4 Millionen Franken aufbringen.

Dass die Bau-, und damit auch die jährlich wiederkehrenden Zinskosten, weiter steigen könnten, hat das Hochbaudepartement bereits im Mai angedeutet: Keiner der bisherigen Architektenvorschläge hat die Zielkosten von 150 Millionen Franken eingehalten.