Zürich

Festakt zum 200. Geburtstag: Wenn Alfred Escher ruft, kommen sie alle

Viel Prominenz feierte den 200. Geburtstag des Pioniers. Beim Festakt wurde eine Sonderbriefmarke zu Ehren Eschers enthüllt.

1853 unterzeichnete Alfred Escher einen neuen Konzessionsvertrag für die Eisenbahnlinie von Zürich nach Dietikon. Weil er dies gleich in vierfacher Funktion tat – im Namen des Regierungsrats, der Direktion und des Verwaltungsrats der Zürich-Bodensee-Eisenbahngesellschaft und der Direktion der Nordbahngesellschaft –, ging das Dokument als «der gevierteilte Escher» in die Geschichte ein. «Man könnte auch von der Vierfaltigkeit Alfred Eschers sprechen», sagte der Historiker und Escher-Biograf Joseph Jung in seiner Rede zum 200. Geburtstag Alfred Eschers. Um diesen zu feiern, waren gestern Vertreter aus kantonaler und nationaler Politik, Wirtschaft und Forschung ins Auditorium Maximum der ETH gekommen.

Darunter auch Urs Schwaller, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post: Er präsentierte die neue Escher-Sonderbriefmarke, die ab 7. März in den Filialen der Post erhältlich sein wird. «Die Briefmarke wird Escher in die Welt hinaustragen», sagte Schwaller in seiner Ansprache. Es ist bereits die zweite Sonderbriefmarke, die den Eisenbahn-, Banken- und Forschungspionier ehrt: Erstmals zierte Escher 1932 eine Sonderbriefmarke, die damals zur Feier des 50-Jahr-Jubiläums der Gotthardbahn herausgegeben wurde. Die neue Briefmarke zeigt nun neben Eschers Antlitz vier kleine Symbole: eine Waage für seinen Beruf als Jurist, eine Dampflokomotive für seine Erschliessung der Schweiz mit der Eisenbahn sowie das Rathaus der Stadt Zürich für seine politische Tätigkeit und ein Zirkel und Lineal für seine Leistung als Mitgründer der ETH.

Von Alfred Escher sei aber weitaus mehr geblieben, hielt ETH-Rektorin Sarah Springman in ihrer Ansprache fest. Sie betonte den «liberalen Geist» und den «Aufbruch-Optimismus», den Escher und andere aus der Gründergeneration des Bundesstaats zutage legten und mit dem die Schweiz ihre Zeiten als «agrarisches Postkutschenland» hinter sich liess. «Ihnen war bewusst, dass die Schweiz mit ihrer Infrastruktur den anderen Ländern hinterherhinkte», so Springman. Seither hat die Schweiz die anderen Länder gerade in der Eisenbahninfrastruktur überholt – so auch Springmans Heimat England.

In 10 Minuten nach Lausanne

Die Schweizer Entwicklung soll weitergehen. «Wenn die Entscheidungsträger die Weichen richtig stellen, können wir es noch erleben, wie ein Transport von Zürich nach Lausanne nur 5 bis 10 Minuten dauert», sagte Springman. Stichwort: Cargo sous terrain. «An der ETH sind und bleiben wir optimistisch, das verdanken wir Alfred Escher und seiner Generation», sagte Springman.

Ein solches Untergrund-Transportsystem würde Alfred Escher sicherlich unterstützen, meinte Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse. «Gestern durchbohrten wir den Gotthard, heute die ganze Schweiz», schlug Rohner als dazu passendes Motto vor. Für den Fortschritt brauche es Leute, «die Initiative ergreifen und Volldampf geben», so Rohner weiter. Er merkte auch an, dass für viele Bürger zu Eschers Zeiten der Fortschritt zu schnell gegangen sei. Das sei heute, in Zeiten der Globalisierung, ähnlich.

Auf den Spuren von Alfred Escher

Auf den Spuren von Alfred Escher

Vor 200 Jahren wurde Alfred Escher in Zürich geboren. Er war einer der einflussreichsten Personen des 19. Jahrhunderts und brachte die Schweiz wirtschaftlich und politisch voran. Eine Spurensuche durch Zürich.

Auch Bundespräsident Ueli Maurer (SVP) würdigte die grosse Schaffenskraft Eschers. Und erzählte, wie er jeweils mit Ehrfurcht an Escher denke, wenn er das Finanzdepartement im Bernerhof in Bern betrete. Denn dieses war zu Zeiten Eschers noch ein Hotel, in dem auch Escher häufig unterkam. «Escher wollte etwas verändern und liebte die Schweiz», nannte Maurer die Quelle von Eschers Schaffenskraft.

Auch der Zürcher Regierungspräsident Thomas Heiniger (FDP) trat ans Mikrofon. Und traf einen Nerv. «Die Dichte der heutigen Ansprachen ist eigentlich eine Zumutung», sagte er. «Von welchem Teufel waren die Organisatoren getrieben? Wohl von Alfred Escher, der selber ein Hansdampf in allen Gassen war», so Heiniger. Natürlich habe Escher nicht alle seine Leistungen alleine erreicht. «Aber er war stets der zündende Funken und der Motor.»

«Es führt kein Weg an Eschers Einzigartigkeit vorbei», hielt auch Historiker Jung fest. Moderiert wurde der Anlass von Beat Husi, Präsident der Alfred-Escher-Stiftung. Studierende der Zürcher Hochschule der Künste untermalten den Festakt musikalisch und eine Klasse der Kanti Rychenberg Winterthur bot eine Theatereinlage. «Es war eine sehr schöne Feier», bilanzierte alt Bundesrat Kaspar Villiger auf dem Weg zur Garderobe.

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