Durchmesserlinie

Fertig Sackbahnhof! Am 15. Juni geht der Bahnhof an der Löwenstrasse in Betrieb

Bitte (noch) nicht einsteigen: Die SBB testen den neuen Bahnhof Löwenstrasse, bis er am 15. Juni definitiv in Betrieb geht.

Bitte (noch) nicht einsteigen: Die SBB testen den neuen Bahnhof Löwenstrasse, bis er am 15. Juni definitiv in Betrieb geht.

Der neue Bahnhof an der Löwenstrasse wird noch von den SBB getestet, bevor er am 15. Juni definitiv in Betrieb geht. Ab dann werden viele von Bern kommende Züge mit Ziel Ostschweiz nicht mehr in Zürich wenden.

Einst lernte das Kind in der Schule: Luzern und Zürich haben Sackbahnhöfe - oder gepflegter ausgedrückt: Kopfbahnhöfe. Vergangen Samstag stand das Kind etwa 30 Jahre später an den neuen Gleisen des praktisch fertig gebauten Bahnhofs Löwenstrasse und erkannte: Nichts ist, wie es mal war. Denn schon bald werden viele von Bern kommende Züge mit Ziel Ostschweiz nicht mehr in Zürich wenden.

Einen Eindruck davon vermittelten die SBB dieses Wochenende einer Schar Medienleute. Der Anlass war dem Versuchsbetrieb des neuen Bahnhofs gewidmet. Mit acht Varianten von insgesamt 15 Zugkompositionen sowie 30 Lokführern testeten die Bundesbahnen am Wochenende die neuen Anlagen auf Herz und Nieren. S-Bahnen waren ebenso beteiligt wie IC-Züge.

Simulierte Störungen

«Extrazug 9.49, ca. 17. Minuten Verspätung», zeigte die Tafel an. Doch Häme über Verspätungen ist fehl am Platz, sie waren am Samstag sozusagen Programm. Die Züge sollten nämlich Störungen simulieren und mussten dafür mitten im Tunnel anhalten.

Denn der «Störungsbetrieb» gibt Aufschluss darüber, ob die Systeme einwandfrei funktionieren, inklusive Fahrgastinformation. Dafür tingelten die Züge wacker zwischen Wollishofen und Glattbrugg, während die 45 betriebsinternen Beobachter ihre Checklisten abarbeiteten.

Eine Herausforderung der neuen Strecke ist unter anderem die Steigung, die zwischen 2,5 und 3,7 Prozent beträgt. Bei einem ungeplanten Halt im Tunnel muss auch ein IC mit 13 Waggons fähig sein, aus eigener Kraft weiterzufahren. Dafür setzen die SBB im Testbetrieb sogenannte «Lastfahrten» ein.

157 Jahre nach der Eröffnung des ersten Bahnhofs für die Spanisch-brötlibahn können Züge also bald Zürich ohne Wendung durchfahren. Eröffnet werden die neuen Perrons 31 bis 34 zwar bereits am 15. Juni, der Fernverkehr wird die Gleise allerdings erst ab Fahrplanwechsel im Dezember nutzen.

Bis dahin sind es erst die S-Bahnen der Linien 2, 8 und 14, die hier halten. Sie werden vom Bahnhof Sihlpost in den Untergrund verlegt. Das könnte bei Pendlern schon mal zu Verwirrung führen.

Wer nämlich bislang nach Oerlikon wollte, wusste: Mein Zug fährt in Richtung Hardbrücke. Wer künftig mit einer dieser Linien dorthin reisen will, muss in die umgekehrte Richtung fahren. Grund ist der neue Weinbergtunnel, der in einer Kurve unterhalb der ETH nach Zürich-Nord steuert.

Wie reagieren die Pendler?

So bildet denn auch nicht der Umstellungstermin vom 15. Juni eine Herausforderung für das SBB-Personal am Zürcher Hauptbahnhof - denn das ist ein Sonntag. Erst am Montag, wenn die Pendlerströme aufkommen, wird sich zeigen, ob die Signaletik funktioniert.

«Wir beginnen deshalb schon im Mai damit, provisorisch zu beschildern», so eine SBB-Sprecherin. An sich dürften sich die meisten Pendler über die neuen Perrons freuen. Denn der Bahnhof Löwenstrasse liegt gleich neben den Gleisen der Museumsstrasse.

Die Umsteigezeiten auf den Fernverkehr oder aufs Tramnetz werden dadurch kürzer. Auch eine Fahrt nach Oerlikon dürfte im Idealfall nur mehr etwa vier Minuten dauern, ohne Zwischenhalt. Im Testzug war dies am Samstag allerdings noch nicht zu spüren, denn der Probebetrieb verlangte bekanntlich nach einem mehrminütigen Stopp im Tunnel.

Mit der Verlegung der drei S-Bahnen in den neuen unterirdischen Bahnhof Löwenstrasse werden die Gleise auf den 50er-Perrons bei der Sihlpost abgebaut. Damit wird der Weg frei für die Erweiterung der Europaallee.

Wo heute noch Züge fahren, wird schon bald wieder eine Baustelle sein. Was hingegen die langjährige Grossbaustelle am HB angeht - damit ist Schluss. Die Tunnelbauer sind längst weitergezogen. Derzeit wird nur noch in den 37 neuen Ladenlokalen gearbeitet, in die innerhalb der nächsten zwei Monate diverse Geschäfte einziehen werden.

Die Durchmesserlinie von Oerlikon über den neuen, zweiten unterirdischen Durchgangsbahnhof am HB nach Altstetten ist insgesamt 9,6 Kilometer lang (siehe Grafik). Der Bau wird zwei Milliarden Franken kosten.Am 15. Juni nehmen die SBB den ersten Teil der Durchmesserlinie in Betrieb. Es handelt sich um den Weinbergtunnel (Oerlikon-HB) und den rund 16 Meter unter den Gleisen 4 bis 9 befindlichen Durchgangsbahnhof Löwenstrasse. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 gehen die Arbeiten weiter. Der Bahnhof Oerlikon wird ausgebaut. Und es gilt, die eingleisigen Brücken fertigzustellen. Über die Kohlendreieckbrücke und die Letzigrabenbrücke, die mit 1156 Metern die längste Brücke im SBB-Netz sein wird, werden ab Ende 2015 Fernverkehrszüge aus dem neuen Bahnhof ausfahren und das gesamte Gleisfeld überqueren. (og)

Das 2-Milliarden-Projekt

Die Durchmesserlinie von Oerlikon über den neuen, zweiten unterirdischen Durchgangsbahnhof am HB nach Altstetten ist insgesamt 9,6 Kilometer lang (siehe Grafik). Der Bau wird zwei Milliarden Franken kosten.Am 15. Juni nehmen die SBB den ersten Teil der Durchmesserlinie in Betrieb. Es handelt sich um den Weinbergtunnel (Oerlikon-HB) und den rund 16 Meter unter den Gleisen 4 bis 9 befindlichen Durchgangsbahnhof Löwenstrasse. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 gehen die Arbeiten weiter. Der Bahnhof Oerlikon wird ausgebaut. Und es gilt, die eingleisigen Brücken fertigzustellen. Über die Kohlendreieckbrücke und die Letzigrabenbrücke, die mit 1156 Metern die längste Brücke im SBB-Netz sein wird, werden ab Ende 2015 Fernverkehrszüge aus dem neuen Bahnhof ausfahren und das gesamte Gleisfeld überqueren. (og)

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