Neugestaltung
Feilschen um den Sechseläutenplatz: Felsbröcke schon reserviert

In knapp drei Monaten fahren am Sechseläutenplatz die Bagger auf. Dann beginnt mitten in Zürich die Neugestaltung eines der grössten Plätze der Schweiz. Hinter den Kulissen wird jetzt um die Aufträge gefeilscht.

Matthias Scharrer
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«Wir führen Gespräche und bereinigen Aufträge mit Unternehmen», sagt Evelyne Richiger, Sprecherin des Tiefbauamts der Stadt Zürich. Welches Bauunternehmen den Zuschlag erhalte, werde noch im Oktober bestimmt.

Feststeht, wer das Steinparkett liefert, das künftig rund 14000 von 17000 Quadratmetern des Platzes bedeckt: Es ist die Firma Truffer AG in Vals, deren Valser Quarzit auch schon bei der Neugestaltung des Bundesplatzes in Bern verwendet wurde. Rund 4200 Tonnen Gestein wird sie im nächsten Jahr per Bahn ab Ilanz nach Zürich verfrachten – der grösste Auftrag in der Firmengeschichte.

Aus dem firmeneigenen Steinbruch wurden laut Verwaltungsratspräsident Pius Truffer schon einige Felsblöcke für den Sechseläutenplatz reserviert: «Wir haben den ganzen Sommer hindurch immer wieder Gestein auf die Seite getan, vielleicht 500 bis 600 Tonnen. Mitte November werden wir mit dem Zuschneiden anfangen.» Zuerst gelte es aber, die Verhandlungen mit der Stadt abzuschliessen. «Vor ein paar Tagen hatten wir Gespräche mit der Stadt», so Truffer.

Vier bis fünf Millionen fürs Gestein

Es geht um viel Geld. Insgesamt 17,2 Millionen Franken bewilligten die Stadtzürcher Stimmberechtigten vergangenen September für die Platzgestaltung. Für Truffers Firma, die 50 Leute beschäftigt, dürfte dabei ein Betrag in der Höhe von 4 bis 5 Millionen herausspringen. Beim Bau des neuen Bundesplatzes wurde achtmal weniger Valser Quarzit verbaut als nun in Zürich. Damals erhielt die Truffer AG 650000 Franken, wie die «Südostschweiz» vorrechnete.

Einen besonderen Auftrag stellt die Neugestaltung des Sechseläutenplatzes auch für Walter Vetsch dar. Das von ihm geführte Zürcher Landschaftsarchitekturbüro Vetschpartner gewann vor 13 Jahren den Architekturwettbewerb für den neuen Sechseläutenplatz. Zu seinen bisherigen Projekten zählen nebst vielen anderen der 1991 lancierte naturnahe Um- und Ausbau des Zoos Zürich, die Quai- und Platzgestaltung am See in Biel und der Spielplatz am Zürichhorn in Zürich.

Nach den Besonderheiten des Projekts Sechseläutenplatz gefragt, meint Vetsch: «Es ist selten, dass ein Projekt so lange braucht, bis es zur Ausführung kommt.» Gründe für die Verzögerungen waren zum einen die Funde prähistorischer Pfahlbauten beim Bau des Parkhauses Opéra. Zum anderen das Behördenreferendum, das zur Volksabstimmung im vergangenen September führte.

Nun freut sich Vetsch, dass es im Januar endlich losgeht: «Der Sechseläutenplatz ist das Highlight für Zürich.» Speziell daran sei auch die Grösse von 17000 Quadratmetern, die man sonst in der Stadt kaum je zur Verfügung habe.

Nebst dem Steinparkett aus graugrünem Valser Quarzit sind ein Wasserspiel, 5 gekieste Bauminseln mit Beleuchtung und Sitzgelegenheiten sowie ein feuerfester Belag für das Sechseläutenfeuer in der Platzmitte vorgesehen. Damit sich die Pferde beim Ritt ums Feuer nicht die Beine verstauchen, sorgt am Sechseläutentag eine Spezialsubstratmischung für eine weichere Unterlage.

Was Vetsch besonders am Herzen liegt: «Der Platz wird von einem Eventplatz, der während acht Monaten im Jahr immer wieder mit Grossanlässen besetzt war und ansonsten brachlag, zu einem Platz für die Bevölkerung.» Bis alles fertig ist, dürfte es ab Baubeginn je nach Witterung etwa 15 bis 18 Monate dauern, schätzt Vetsch.

Spurabbau noch nicht bewilligt

Eine Frage ist allerdings noch ungeklärt: ob und wann der Kanton Zürich dem von der Stadt beantragten Spurabbau auf der Schoeckstrasse beim Sechseläutenplatz zustimmt. «Das Gesuch der Stadt ist in Prüfung. Wann ein Entscheid fällt, lässt sich noch nicht abschätzen», lautet die Auskunft von Volkswirtschaftsdirektions-Sprecher Stephan Laug. Einfluss auf den Zeitpunkt des Baubeginns hat dies laut der Sprecherin des Stadtzürcher Tiefbauamts, Evelyne Richiger, aber nicht.