Jubiläum

Feierlaune in Zürcher - Märchenbühne wird 50 Jahre alt

Erich Vock, heutiger Leiter, gab sein Märchenbühnen-Debüt 1990 mit Elisabeth Graf in «Rumpelstilzchen».  zvg

Erich Vock, heutiger Leiter, gab sein Märchenbühnen-Debüt 1990 mit Elisabeth Graf in «Rumpelstilzchen». zvg

Mit Märchen der Gebrüder Grimm gross geworden, präsentiert das Hechtplatztheater mittlerweile auch Geschichten wie «Pippi Langstrumpf». Mit grossem Erfolg.

Es war einmal ... Anders kann diese Geschichte einfach nicht anfangen. Also: Es war einmal ein Fotograf und Theaterproduzent namens Edi Baur. Eines Tages – man schrieb das Jahr 1961– hatte er die Idee, im legendären Bernhardtheater Stücke für Kinder zu produzieren. Jörg Schneider, damals bereits als Schauspieler beliebt und bekannt, führte den Auftrag «Das tapfere Schneiderlein» auf Schweizerdeutsch für die Bühne zu bearbeiten, begeistert aus. Mit der Premiere am 15. November 1961 und Schneider in der Titelrolle ward die Zürcher Märchenbühne geboren.

Creme de la Creme der Schweizer Volkstheaterszene

«In den folgenden Jahren, bis später dann auch Geschichten wie ‹Pippi Langstrumpf› oder ‹Räuber Hotzenplotz› aufgeführt wurden, habe ich von vielen Grimm-Märchen eine ureigene Fassung speziell für die Märchenbühne geschrieben», erinnert sich Jörg Schneider. In vielen hat er selber mitgespielt, oft zusammen mit der Creme de la Creme der Schweizer Volkstheaterszene, von Ruedi Walter, Margrit Rainer, Inigo Gallo, Ines Torelli, Elisabeth Schnell bis zu Schaggi Streuli und anderen mehr.

Umzug ins Hechtplatztheater

1963 war die Märchenbühne vom privaten Bernhard- ins städtische Hechtplatztheater umgezogen, ist seither dort eingemietet und floriert, wie eh und je, ohne einen einzigen Rappen Subventionen. 1989 hatte Ines Torelli das Unternehmen von ihrem Lebenspartner Baur übernommen. Als die beiden 1994 beschlossen, nach Kanada auszuwandern, fand Torelli im jungen Schauspieler Erich Vock ihren Nachfolger. «Er ist der beste Mann dafür. Das sage ich neidlos und ohne jede Einschränkung», so Jörg Schneider.

Waren früher von einer Produktion 30 oder 40 Vorstellungen gespielt worden, so sind es heute Jahr für Jahr 100 ausverkaufte Aufführungen. Inzwischen unterstützen zwar einige treue Sponsoren das Unternehmen, aber Vock und sein Lebenspartner Hubert Spiess produzieren die Märchen nach wie vor auf eigene Rechnung – und eigenes Risiko: «Die Märchenbühne ist ein wichtiger Bestandteil von uns, eine richtige Passion.»

Unvergesslich – Ines Torelli (links) und Margrit Rainer traten 1965 in «Der Froschkönig» auf

Unvergesslich – Ines Torelli (links) und Margrit Rainer traten 1965 in «Der Froschkönig» auf

25000 Zuschauern pro Produktion

Für das Hechtplatztheater ist sie ein wahrer Glücksfall, bringt sie doch mit gegen 25000 Zuschauern pro Produktion inzwischen mehr als ein Drittel der gesamten Zuschauerzahl einer Saison ins kleine Haus beim Bellevue. «Wir denken, dass das Publikum unsere Leidenschaft und das Herzblut der ganzen Crew spürt. Wir haben wunderbare Schauspieler. So ist es doch beispielsweise einfach herrlich, dass arrivierte Schauspieler mit grosser Erfahrung wie Peter Fischli, Bella Neri, Albert Tanner, Bettina Kuhn in unserer aktuellen Produktion Zwerge spielen», schwärmen Vock und Spiess – die gegenwärtig ebenfalls als Zwerge Schneewittchen und das Publikum begeistern.

Über 700 000 Zuschauer

Bella Neri wie auch Vincenzo Biagi waren bereits vor 50 Jahren dabei, und sie stehen heute noch mit ungebrochener Lust auf der Märchenbühne. Insgesamt haben 164 Schauspielerinnen und Schauspieler in den 60 Produktionen seit 1961 mitgewirkt und dabei 594 verschiedene Kostüme getragen. 33 verschiedene Märchen wurden aufgeführt in 88 zauberhaften Bühnenbildern, die bis zu seinem Tod 2003 der unvergessliche Max Röthlisberger geschaffen hatte.

«Vertrauen in den klassischen Stoff der Kinderliteratur»

Die Stücke, die Ausstattung, die Akteure – stets liebevoll ausgefeilt – haben im vergangenen halben Jahrhundert über 700000 Zuschauer zum Lachen, sich Fürchten und Mitfiebern gebracht – und sie tun es unverändert weiter. «Ein Geheimnis der Zürcher Märchenbühne liegt zweifellos in deren unerschütterlichem Vertrauen in den klassischen Stoff der Kinderliteratur. Krisenresistent ist das Unternehmen aber auch, weil die Produktionen nie moralisieren, aber immer einen sehr hohen Anspruch an Qualität stellen», bringt es Zürichs Stadtpräsidentin Corinne Mauch auf den Punkt.

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