Alter und Pflege
Fehlgeschlagene Reorganisation der Winterthurer Alterszentren

Die grosse Reorganisation in den Winterthurer Alterszentren hat sich nicht bewährt und wird deshalb zum Teil rückgängig gemacht. Statt der gewünschten Professionalisierung brachte sie vor allem viel Bürokratie, Ärger und zahlreiche Kündigungen.

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Raphael Hünerfauth

In den Winterthurer Alterszentren blieb in den vergangenen Jahren kein Stein auf dem anderen: Die fünf Heime sollten nicht mehr selbständig funktionieren, sondern zu einem zentral geleiteten Betrieb verschmelzen. Die Heimleitungen, die sich früher direkt um die alltäglichen Probleme kümmerten, wurden abgeschafft und durch neue Hierarchiestufen ausserhalb der Heime ersetzt.

Das war zu viel des Guten, wie eine von Sozialvorsteher Nicolas Galladé (SP) in Auftrag gegebene Analyse zeigt, die am Dienstag vorgestellt wurde. Angefertigt wurde sie von einem externen Unternehmensberater, der dafür rund 70 Gespräche mit Betroffenen führte und den Bereich Alter und Pflege genau unter die Lupe nahm. Er stellt der Stadt und ihrem Heim-Umbau kein gutes Zeugnis aus.

Ausufernde Bürokratie als Kündigungsgrund

Gemäss der Analyse schoss die Reorganisation in vielen Punkten über das Ziel hinaus. Statt Effizienz brachte sie vor allem mehr Sitzungen, mehr Bürokratie und ein schlechtes Betriebsklima. Zahlreiche der 1000 Angestellten reichten die Kündigung ein. Dazu kam ein teilweise schlechter Führungsstil, der zu sehr «von oben herab» funktionierte.

In den Fokus der Öffentlichkeit gelangten die Probleme, als alle vier Heimärzte ihre Kündigung einreichten und die medizinische Versorgung der Senioren notfallmässig vom Kantonsspital (KSW) übernommen werden musste. Gemäss der Analyse kehrten die Ärzte den Heimen den Rücken, weil auch sie in der Hierarchie aufgerieben wurden und in den Heimen nichts mehr zu sagen hatten.

Wie Galladé vor den Medien sagte, wird deshalb nun ein Teil der Reorganisation der vergangenen Jahre aufgehoben. Die Heime werden wieder eine Leitung bekommen und die Hierarchie wird abgebaut. Ob dabei Stellen gestrichen werden, ist noch unklar. Gemäss Galladé ist es aber gut möglich, dass die Änderungen etwas zu «effort14+» beitragen, dem aktuellen Sparprogramm.

Umstrittener Bereichsleiter geht

Das Ganze sei aber kein Sparprogramm, betonte er. Es gehe vielmehr darum, die Führung der Alterszentren wieder näher zu den Senioren und Seniorinnen zu bringen und Alltägliches gleich dort zu entscheiden. Einzelne Bereiche, etwa die Wäsche, sollen aber nach wie vor zentral geführt werden und nicht in den einzelnen «Königreichen», wie die Heime früher genannt wurden.

Unter welcher Leitung die Änderungen umgesetzt werden sollen, ist noch unklar. Der bisherige Bereichsleiter Andreas Paintner, unter dem der radikale Umbau stattfand, reichte per November seine Kündigung ein. «Aus freien Stücken», wie Galladé betonte. Im Herbst wird Paintner Geschäftsführer der Behindertenstiftung Brühlgut.

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