Zürich

FDP-Politiker stellt auf Twitter Recht auf Existenz von Kranken und Alten in Frage – er empört User

Der Post ist nicht der erste, mit welchem der Politiker negativ auffällt.

Der Post ist nicht der erste, mit welchem der Politiker negativ auffällt.

Ein FDP-Schulpolitiker hat im Zusammenhang mit Corona einen menschenverachtenden Tweet abgesetzt.

Ein Stadtzürcher FDP-Politiker (Name der Redaktion bekannt) hat sich auf Twitter schon verschiedentlich kritisch zu Corona und den verordneten Massnahmen geäussert. Am vergangenen Samstag legte er noch einen drauf: Auf der Welt gebe es zu viele Übergewichtige, zu ­viele kranke Menschen und zu viele Hochbetagte, schrieb er sinngemäss. Dieses Problem werde jetzt durch Corona ­«bereinigt».

Dann stellte er die Frage, ob das wirklich so schlimm wäre und ob man «auf Teufel komm raus alle ‹gesund› päppeln und am Leben erhalten» müsse. Sodann forderte er die Leserinnen und Leser seines Tweets auf, ­abzustimmen.

Einen Tag später den eigenen Tweet gelöscht

Einen Tag später löschte das Mitglied einer Schulbehörde den Tweet und entschuldigte sich. Der Mann machte geltend, alle seien im Moment etwas dünnhäutig.

Dann hatte der Shitstorm auf Twitter aber bereits eingesetzt. Die zurückhaltenden Reaktionen bezeichneten den FDP-Politiker als dumm oder unbedarft. Ihm wurde aber auch Nähe zum Faschismus unterstellt. Einige Twitter-Nutzer warfen dem Politiker vor, er mache sich für die Eugenik stark. Dabei handelt es sich um die nationalsozialistische Rassenhygiene, die während des NS-Regimes dazu diente, Krankenmorde zu rechtfertigen.

Einige hielten den Tweet für unentschuldbar und legten dem Politiker den Rücktritt nahe oder forderten die Behörde auf, ihn rauszuwerfen.

Der Präsident der FDP Stadt Zürich fordert einen Rücktritt aus der Kreisschulbehörde

Die Parteileitung der FDP der Stadt Zürich hat den Politiker telefonisch und schriftlich dazu aufgefordert, aus der Kreisschulbehörde zurückzutreten und aus der Partei auszutreten, wie Severin Pflüger, Präsident der FDP Stadt Zürich, auf An­frage dieser Zeitung sagt. Sollte er dies nicht tun, werde die Kreispartei ein Verfahren ­durch­führen, das nicht öffentlich sei.

Grundsätzlich müssten der Bundesrat und der Regierungsrat jeden Tag die Fragen be­antworten, welche Massnahmen nötig seien und wie viele Tote man andererseits in Kauf nehmen wolle. Diese Fragen sind laut Pflüger legitim. Nicht aber die Antwort, welche der FDP-Twitterer darauf gebe. «Diese ist ethisch verwerflich, weil sie kranken und alten Menschen das Recht aufs Leben abspricht», sagt Pflüger. Im Freisinn habe eine solche Meinung keinen Platz.

Der FDP-Twitterer reagierte gestern Montag nicht auf mehrere Anfragen dieser Zeitung.

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