Herr Canepa, mit Bern, Basel, Thun, Luzern und St. Gallen haben im letzten Jahrzehnt die meisten Städte mit Super-League-Teams moderne Stadien errichtet. Wieso tut sich Zürich so schwer?

Ancillo Canepa: Ich möchte eigentlich nicht die Argumente der Gegner wiederholen. Aber natürlich muss die Stadt Zürich einen relativ hohen Betrag investieren. Dass dies zu Diskussionen Anlass gibt, kann ich nachvollziehen. Und dann gibt es in Zürich ja bereits ein Stadion. Der Letzigrund kann noch so ungeeignet sein für Fussball, die Gegner fragen sich: Wieso brauchen wir ein zweites Stadion?

Sie betonen immer wieder, bei der Stadionabstimmung gehe es um die Zukunft des Spitzenfussballs in Zürich. Das ist doch masslos übertrieben.

Überhaupt nicht, das ist Realität. Der Letzigrund ist für die Leichtathletik konzipiert und gebaut worden. Ein reines Fussballstadion ermöglicht ganz andere Einnahmequellen, und auch die Kosten für die Sicherheit sind geringer. Es geht also nicht primär um die Stimmung, die im Letzigrund nicht so gut sein soll. Die wirtschaftlichen Gründe stehen im Vordergrund.

Braucht Zürich ein neues Stadion, wenn sowieso kaum je 20 000 Zuschauer an die Meisterschaftsspiele kommen?

Diese Frage ist sehr undifferenziert. In allen neuen Schweizer Stadien sind die Zuschauerzahlen massiv gestiegen. Davon gehe ich auch in Zürich aus. Ich erwarte, dass unser Zuschauerschnitt mit dem neuen Stadion auf 15 000 steigen wird.

Wie kommentieren Sie es, wenn Elmar Ledergerber, Präsident von Zürich Tourismus, sagt, das neue Fussballstadion sei für das Image von Zürich irrelevant?

Ich kann diese Aussage nicht ernst nehmen. Ich vermute, daraus spricht verletzte Eitelkeit.

Die Stadt Zürich hat auch an anderer Front Probleme. Nicht nur schafft sie es nicht, ein konkurrenzfähiges Stadion zu errichten, kürzlich hat sie auch die Pläne für ein neues Kongresshaus beerdigt. Ist sie satt und genügsam geworden?

Die Stadt Zürich ist gesellschaftlich und politisch eine komplexe Organisation. Unsere Demokratie, so wie sie heute ausgestaltet ist, macht es Gegnern einfach, Grossprojekte zu verhindern. Auch dann, wenn der Gegner in der Minderheit ist.

Seit mehr als einem Jahrzehnt ringt Zürich um das Fussballstadion. Wie zuversichtlich sind Sie, als FCZ-Präsident den Einzug in ein neues Stadion feiern zu können?

Das Feedback, das ich von der Abstimmungsfront erhalte, stimmt mich positiv, dass die Stadionvorlage am 22. September angenommen wird. Ohne Stadion kann auch die geplante Wohnsiedlung nicht gebaut werden.