Zoo Zürich
«Faulheit» als Schutz vor Fressfeinden und ein vorbildlicher Energiesparer

Die langsamen Bewegungen des Faultiers haben keineswegs etwas mit Faulheit zu tun, viel mehr mit Strategie. Fressfeinde wie Greifvögel oder Schlangen können die Faultiere so nämlich praktisch nicht entdecken.

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Zoo Apéro: Das Faultier: ein vorbildlicher Energiesparer
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Eine Heuschrecke sitzt auf dem Kopf einer Coloradokröte
Coloradokröten sitzen in ihrem Terrarium
Ein junges Faultier klammert sich an das Fell seiner Mutter
Ein Faultier knabbert an einer Rosenblüte

Zoo Apéro: Das Faultier: ein vorbildlicher Energiesparer

Keystone

Leroy, Meite und Prinzessin mit ihrem Nachwuchs machen ihrem Namen alle Ehre: Die vier Faultiere hängen schlafend im Geäst und lassen sich von den Besuchern im Zoo Zürich nicht stören. Erst gegen Abend wird die Gruppe aktiver - aber auch dann bewegen sich die vier nur langsam und nie lange.

Zweizehen-Faultiere sind hochspezialisierte Baumbewohner, die im Regenwald des Amazonas zuhause sind. Sie verbringen dort die meiste Zeit ihres Lebens hoch oben in den Baumkronen. «Faul» wirken sie, weil sie sich im Gegensatz zu anderen Säugetieren sehr langsam bewegen. Schnelle Bewegungen lässt ihre Muskulatur gar nicht zu.

Diese Langsamkeit ist aber keine «Faulheit» sondern hat Methode, denn sie ist eine äusserst erfolgreiche Strategie. Fressfeinde wie Greifvögel oder Schlangen können die Faultiere so nämlich praktisch nicht entdecken.

«Tarnkappe» aus Algen

Zusätzlichen Schutz bietet eine interessante Symbiose mit mikroskopisch kleinen Algen, die sich in der rauen Haaroberfläche der Faultiere festsetzen und die ihrem Fell einen grünlich-blauen Schimmer verleihen. Diese «Tarnkappe» macht die Tiere im dichten Blattwerk praktisch unsichtbar.

Das langsame Leben hat aber auch noch weitere Vorteile: Faultiere sind die perfekten Energiesparer. Ihr Stoffwechsel verbraucht nicht einmal halb so viel Energie wie derjenige eines gleich grossen, durchschnittlichen Säugetiers, und ihre Körpertemperatur beträgt nur 34,5 Grad Celsius. Bei kühlen Aussentemperaturen kann sie bis 24 Grad abgesenkt werden.

Lieblingsspeise: Rosenblüten

Die Faultiere verbringen ihr Leben hängend oder hangelnd. Ihr Körper ist perfekt an diese Lebensart angepasst. Hände und Füsse tragen zwei beziehungsweise drei gekrümmte, kräftige Krallen. Ein Teil der Wirbelsäule und des Beckens ist durch zusätzliche Gelenkbildungen versteift. Gemeinsam mit Ameisenbären und Gürteltieren gehören die Faultiere daher zu den sogenannten Nebengelenktieren.

Sie ernähren sich von Blättern und Früchten von mehr als 50 verschiedenen Baumarten. Ihr Magen kann auch schwer verdauliche Zellulose aufspalten und die Verdauung läuft - man ahnt es schon - sehr langsam.

Daher müssen Faultiere nur alle sechs bis zehn Tage auf den Boden steigen, um Kot abzusetzen. Dabei düngen sie dann genau den Baum, bei dem sie zuvor das Blattwerk gefressen haben.

Die Zürcher Faultiere sind übrigens Feinschmecker. Mit Rosenblüten lassen sie sich auch tagsüber dazu überreden, für kurze Zeit die Augen zu öffnen. Die Delikatesse wird dann genüsslich verspeist - und zwar schön langsam.