Fiskus
Fast dreimal so viele Selbstanzeigen wie 2016 im Kanton Zürich

Beim Steueramt des Kantons Zürich sind im vergangenen Jahr deutlich mehr Selbstanzeigen eingegangen als im Vorjahr. Zurückzuführen ist diese Zunahme auf den bevorstehenden Start des grenzüberschreitenden Automatischen Informationsaustauschs (AIA).

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Ferienwohnungen in Spanien: Liegenschaften im Ausland werden zwar nur dort besteuert, gehören aber dennoch in die Schweizer Steuererklärung. (Themenbild)

Ferienwohnungen in Spanien: Liegenschaften im Ausland werden zwar nur dort besteuert, gehören aber dennoch in die Schweizer Steuererklärung. (Themenbild)

Keystone

Noch nie hatte das Steueramt des Kantons Zürich so viele Selbstanzeigen zu bearbeiten wie im letzten Jahr. 6150 Meldungen gingen ein. Im bisherigen Rekordjahr 2016 waren es 2100. Rund 3800 Fälle konnten abgeschlossen werden, im Vorjahr waren es nur halb so viele, 2010 lediglich 350.

Die Zunahme hängt mit dem Beginn des grenzüberschreitenden Automatischen Informationsaustausches zusammen. Über 100 Staaten – darunter die Schweiz – haben vereinbart, gegenseitig Informationen über Finanzkonten auszutauschen, um so gegen Steuerhinterzieher vorzugehen. Ab jetzt werden die Daten erhoben, ab Herbst erstmals ausgetauscht.

Wer bislang steuerpflichtige Einkommen und Vermögen hinterzog, kann diese bis im September straflos nachmelden. Danach drohen eine Busse oder ein Verfahren. Fällig werden die unbezahlten Steuerbeträge der letzten zehn Jahre.

Zusätzliche Einnahmen gering

Die zusätzlichen Steuereinnahmen sind gemessen an der Vielzahl der Selbstanzeigen gering. Pro Fall sind die Durchschnittserträge stark gesunken. 2010 resultierte pro Selbstanzeige ein Steuerertrag von durchschnittlich 60'000 Franken. 2016 waren es 36'000 Franken, 2017 nur noch 22'000 Franken. Die Summen beziehen sich wohlgemerkt jeweils auf Nachzahlungen aus den letzten zehn Jahren.

Das Steueramt hat eine Erklärung für die vergleichsweise tiefen Beträge. 2017 stammen viele Selbstanzeigen von Steuerpflichtigen, die Liegenschaften in Italien, Portugal oder Spanien nachmeldeten. Der typische Selbstanzeiger 2017 ist ein Portugiese oder Spanier, der in der Schweiz lebt und in seiner alten Heimat ein kleines Ferienhaus besitzt – dazu ein Konto für das Begleichen von Strom- oder Wasserrechnungen.

Unwissend oder mutwillig?

Steueramt-Chefin Marina Züger sagt: «Viele Betroffene waren sich bis vor kurzem wohl gar nicht eines Fehlers bewusst.» Denn Liegenschaften im Ausland werden auch dort versteuert – und nicht in der Schweiz. Was aber voraussichtlich einige nicht wussten: In der Steuererklärung müssen jene Liegenschaften dennoch aufgeführt werden. Mit dem Vermögen im Ausland erhöht sich nämlich die Steuerbelastung auf dem in der Schweiz steuerbaren Einkommen und Vermögen. Dies, weil sich das zusätzliche Vermögen in einer höheren Progressionsstufe und damit in einem höheren Steuersatz niederschlägt.

Die Flut der Selbstanzeigen ist laut Züger auch Ausländerorganisationen zu verdanken, die in letzter Zeit viel Aufklärungsarbeit geleistet hätten.

6150 Meldungen...

...gingen 2017 beim Kanton ein. Im bisherigen Rekordjahr 2016 meldeten sich rund 2100 Selbstanzeiger beim Fiskus.

Hinter den Selbstanzeigen steckten aber auch ein paar grosse Fische. Aus einem Dutzend der 3800 Fälle resultierte je ein Steuerertrag von mehr als einer Million Franken für Bund, Kanton und Gemeinden. Dabei handelte es sich teils um grössere ausländische Wertschriftendepots, die bisher nicht deklariert wurden.

In über hundert Fällen müssen die Steuerpflichtigen 100'000 Franken oder mehr nachzahlen. In 40 Fällen sind juristische Personen betroffen (20 bis 30 in den Vorjahren). 17 Mal behandelte das Steueramt eine zweite Selbstanzeige. Die Betroffenen kommen dann nicht mehr straffrei davon. Sie werden gebüsst, in der Höhe von 20 Prozent der Nachsteuern.

Weiterer Schub erwartet

Aus den Selbstanzeigen im letzten Jahr resultieren Mehreinnahmen von 104 Millionen Franken, wovon 83 Millionen in die Kantons- und Gemeindekassen fliessen. Steueramt-Chefin Marina Züger rechnet mit weiteren Nachmeldungen. Über die Festtage seien kistenweise Selbstanzeigen eingegangen. Die Berichterstattung in den Medien und der Versand der Steuererklärungen dürften einen weiteren Schub auslösen.

Kommt hinzu, dass der Informationsausstausch mit vereinzelten Staaten erst im Herbst 2019 beginnt. Dazu zählen unter anderem Liechtenstein, Indien, Israel, Russland und Singapur.

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