Ein verstopftes Waschbecken ist ärgerlich. Handwerker, die vorbeikommen und für eine Stunde Arbeit fast 1000 Franken verlangen, sind noch ärgerlicher. Andrea S. aus Winterthur bemerkte am Freitagmorgen, dass der Abfluss in der Küche verstopft ist. Über ihr Handy suchte sie nach «Rohrmax Winterthur». «Ich kenne diese Firma, die waren auch schon bei mir», sagt sie.

Die Frau klickte auf das erste Suchergebnis und wählte die Nummer. Der osteuropäische Akzent der Telefonistin verunsicherte sie: «Ich erinnerte mich nicht daran, dass Rohrmax ein Callcenter betreibt. Die Dame versicherte mir aber, sie arbeite für Rohrmax.» Weil Andrea S. das Problem so schnell wie möglich gelöst haben wollte, nannte sie der Frau am Telefon ihre Adresse und schilderte das Problem. «Sie sprach von Kosten in der Höhe von zirka 200 Franken, das klang plausibel.»

Andrea S. musste los, zur Arbeit. Ihr 20-jähriger Untermieter blieb zu Hause. Drei Stunden später trafen zwei Handwerker ein und verlangten, bevor sie mit der Arbeit begonnen hatten, eine schriftliche Auftragsbestätigung. Der junge Mann unterschrieb den Zettel, und die beiden Sanitäre machten sich an die Arbeit.

Eine teure Überraschung

Eine halbe Stunde später war der Abfluss wieder frei. Die Herren legten eine Rechnung in Höhe von 938 Franken vor und bestanden auf die sofortige Zahlung in Bar oder mit Karte. «Sie warteten am Küchentisch, bis der Betrag bezahlt war», sagt Andrea S. Ihr junger Untermieter beglich die Rechnung mit seiner Karte.

Am Abend rief Andrea S. die Firma Rohrmax an, um sich zu beklagen. Es stellte sich heraus: Die zwei Männer sind keine Mitarbeiter. «Wir wissen, dass andere Firmen sich als Rohrmax ausgeben», sagt Rohrmax-Geschäftsführerin Eve Schmidt. «Seit August dieses Jahres bekommen wir regelmässig solche Beschwerden.»

Schmidt bestätigt, dass die Rechnung stark überhöht ist und mit Fantasiezahlen operiert. «In Fällen wie diesem würde von uns nur ein Mitarbeiter geschickt. Zwei sind absolut nicht nötig.» Ein solcher Einsatz koste im Normalfall zirka 500 Franken. Die Flasche Rohrreiniger, für die Andrea S. 100 Franken verrechnet wurden, koste 40 Franken.

Viele Firmen, eine Masche

Der Trick der Abzocker funktioniert so: Googelt man nach «Sanitär Winterthur», «Toilette verstopft» oder eben «Rohrmax Winterthur», sind die ersten Suchvorschläge Seiten wie Rohrhilfe24.ch, Mysani.ch oder Rohr-tech.ch. Alle diese Seiten gehören zu einem Netzwerk von Firmen, welche die oben genannten Schlüsselwörter bei Google gekauft haben und so an erster Stelle der Suchergebnisse auftauchen. Verboten ist das nicht. «Wir haben Google informiert», sagt Schmidt. Eine Stellungnahme habe man bis heute nicht bekommen.

Die unseriösen Firmen sind alle in der Schweiz angemeldet. Sie wechseln ihren Sitz und Namen ständig. Dass sie zusammenhängen, zeigt ein Vergleich von Rechnungen und deren Mehrwertsteuernummern. Aktuelle Aufträge laufen derzeit etwa über die Sanitär-Service GmbH in Herisau. Wie ein «Kassensturz»-Beitrag zum Thema zeigt, meiden die Köpfe hinter dem Firmennetzwerk jeden Medienkontakt. Geschädigte Personen finden sich laut «Kassensturz» in der ganzen Schweiz.

Andrea S. hat Anzeige bei der Polizei wegen Wucher erstattet. «Es ist aber noch unklar, ob die Staatsanwaltschaft ermitteln wird», sagt sie. Die Stadtpolizei Winterthur sagt auf Anfrage, man befinde sich hier in einem gesetzlichen Graubereich: «Für eine strafrechtliche Untersuchung müssten eine ausgenützte Notlage, eine Nötigung, eine Erpressung oder Ähnliches vorliegen.

Eine zu hohe Rechnung reicht da nicht aus.» Die Stadtpolizei gibt deshalb folgenden Ratschlag: Holen Sie mehrere Offerten ein, überprüfen sie Handwerkerfirmen, tätigen Sie mehrere Telefonate oder fragen Sie beim lokalen Sanitär nach.