Am 31. März 2015, kurz nach 20.30 Uhr, rief ein Mann die Kantonspolizei Zürich an und sagte, er habe seinen Vater in Pfäffikon umgebracht. Eine Patrouille fuhr zu dem 19-jährigen Anrufer und nahm ihn fest, eine andere fuhr an den Wohnort des Vaters, wo sie den 67-Jährigen tatsächlich tot vorfand.

Das Opfer, ein früherer NZZ-Redaktor, war erschossen worden. Die Anklageschrift zeigt Hintergründe der Tat und damit auch das Motiv: So fand der Sohn, sein Vater habe wenig Interesse an ihm, und zwischen den beiden «gab es häufig Streitereien».

Der Grund für die schlechte Beziehung dürfte auf die Trennung der Eltern zurückzuführen sein. Nach der Scheidung lebte der Sohn bei seiner Mutter. Die Russin hatte jedoch zunehmend Probleme mit ihrer Alkoholabhängigkeit. 2008 starb die 48-Jährige an den Folgen des Trinkens.

Der Vater zog darauf in die Pfäffiker Wohnung, die der damals 13-jährige Sohn zuvor mit der Mutter bewohnt hatte. Das Zusammenleben war offenbar von Anfang an schwierig, denn der Sohn war laut Anklage «der Auffassung, sein Vater sei für die Alkoholprobleme seiner Mutter und den auf diese zurückzuführenden Tod verantwortlich».

Erhebliche Probleme

Für Spannung sorgten auch die schulischen Leistungen des Sohnes. Im praktischen Teil seiner Lehre war er zwar gut, im Unterricht aber gab es «erhebliche Probleme». Am Tag der Tat war der Sohn wie schon oft wegen Magenproblemen zuhause geblieben. Er rauchte einen Joint und legte sich schlafen.

Um 9 Uhr kam der Vater ins Zimmer, rüttelte ihn wach, schlug ihm zweimal mit der Hand ins Gesicht und beschimpfte ihn. Später am Tag nannte der Vater den Sohn «ein Weichei» und sagte, er sei wie seine Mutter, die «ebenso zu nichts fähig und nutzlos gewesen sei». Das brachte das Fass zum Überlaufen: Der Sohn «entschloss sich deshalb, seinen Vater zu erschiessen», wie es in der Anklageschrift heisst.

Er holte sich die Pistole des Vaters und schoss dem in einem Fernsehsessel sitzenden 67-Jährigen in den Kopf. Nach der Tat verliess er die Wohnung, weil er sich im Wald nun selbst erschiessen wollte – ein Vorhaben, das er jedoch nicht umsetzte, sondern sich der Polizei stellte.

Fast eine «Hinrichtung»

Für den Staatsanwalt war die Erschiessung ein klarer Mord, fast «eine eigentliche Hinrichtung». Nach einem Streit, «wie er zwischen einem Vater und seinem heranwachsenden Sohn üblicherweise vorkommt und sich im Bereich des absolut Normalen befindet», so zu reagieren, sei eine Demonstration «absoluter Geringschätzung gegenüber dem Leben». Dafür fordert der Staatsanwalt 14 Jahre Gefängnis.

Der Verteidiger des jungen Pfäffikers hingegen wird um eine Strafe unter zehn Jahren bitten. Zudem sei die Tat rechtlich nicht als Mord einzustufen, sondern «nur» als vorsätzliche Tötung. Der Verteidiger wird wohl eine Grundsatzdiskussion lancieren, ob eine Tötung in einem gewissen Rahmen «entschuldbar» und damit möglichst milde zu bestrafen ist, dann nämlich, wenn mit der Tat ein mehrere Jahre lang aktiv gewesener Peiniger ausgeschaltet wird.

Wenn die Öffentlichkeit die Hintergründe der Tötung erfahre, «wird nachvollziehbar, was geschehen ist», so der Anwalt. Diese sollen belegen, dass es kein kaltblütiger Mord war, sondern eine reine Verzweiflungstat eines zutiefst gedemütigten Menschen.