Kanton Zürich
Familien wohnen vermehrt in Städten – das führt zu Engpässen bei Schulen

Junge Familien ziehen nicht mehr aufs Land. Das zeigen neue Prognosen zur Entwicklung der Schülerzahlen. Die Städte sind deshalb in der Schulraumplanung gefordert.

Claudia Peter
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In der Stadt Zürich wird in den nächsten Jahren mit rund 800 zusätzlichen Schülern pro Jahr gerechnet. Da braucht es neuen Schulraum. Keystone

In der Stadt Zürich wird in den nächsten Jahren mit rund 800 zusätzlichen Schülern pro Jahr gerechnet. Da braucht es neuen Schulraum. Keystone

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In der Stadt Zürich wird für die nächsten Jahre mit rund 800 zusätzlichen Schülern pro Jahr gerechnet. Auch die Städte Winterthur, Uster und Bülach müssen von stark steigenden Schülerzahlen ausgehen. Denn die aktuellen Prognosen zu den Schülerzahlen im Kanton Zürich zeigen: Junge Erwachsene wohnen vermehrt in den Städten – und bleiben dort auch nach der Familiengründung. Diese Entwicklung fordert die Politik insbesondere bei der Schulraumplanung.

Schulraum-App: Indikatoren zu Schule und Wohnen

Ein neues Instrument zur Schulraumplanung ist die Schulraum-App. Sie macht relevante Indikatoren zu Schule, Demografie und Wohnen für die ganze Schweiz auf dem iPad abrufbar. Die App wurde vom Städtebau- und Raumplanungsbüro Eckhaus AG entwickelt und richtet sich an Gemeindebehörden, Schulen und an weitere an Raumplanung Interessierte. Bereits die Gratisversion enthält die Einschätzung der Schülerzahlen-Entwicklung bis 2024 sowie eine umfangreiche Graphen- und Kartensammlung. Der kostenpflichtige Profi-Modus ermöglicht ausserdem individuelle Vergleiche von Gemeinden, Themen und Zeiträumen in unterschiedlichen Darstellungsarten. Die Datenbank für die Schulraum-App wird laufend aktualisiert und ausgebaut. Weitere Informationen: www.schulraum.org. (clp)

«Die Städte wurden als Lebensraum attraktiver», erklärt Andrea Smith vom Raumplanungsbüro Eckhaus AG den Trend. Städte seien wegen ihres Kultur- und Bildungsangebots bei Familien beliebt. Auch hätten viele Städte schnell darauf reagiert, dass immer häufiger beide Elternteile berufstätig sind, und die dafür nötige Infrastruktur wie Krippen und Tagesstrukturen bereitgestellt. «Kleinere Ortschaften hinken hinterher», sagt Smith.

Das habe dazu geführt, dass Familien nicht mehr wie früher vor der Einschulung ihrer Kinder in ländliche Gemeinden umziehen würden.

Zudem steigt in den Städten die Geburtenzahl an. Von den 142 Schweizer Städten und Gemeinden mit über 10'000 Einwohnern haben in den letzten zehn Jahren rund 125 eine positive Entwicklung der Geburten erfahren, 96 davon sogar eine markante Zunahme von über zehn bis zu dreissig Prozent. Das hat Folgen: Die Einschätzungen der Schülerentwicklung bis ins Jahr 2024 zeigt in den urbanen Gebieten einen deutlichen Trend nach oben.

Überraschte Gemeinden

Es liegt in der Verantwortung der einzelnen Gemeinden, für genügend Schulraum zu sorgen. Gerade für kleinere, stadtnahe Gemeinden ist das eine Herausforderung. Zudem gebe es neben der Geburtenrate weitere relevante Faktoren zu beachten, sagt Smith: Das Zu- und Wegzugsverhalten im Einschulungsalter, der aktuelle Wohnungsbestand und die Bautätigkeit hinsichtlich Familientauglichkeit, die Bevölkerungsstruktur und nicht zuletzt die Standortqualität hinsichtlich Kinderpotenzial. Neu können Gemeinden bei der Planung die Schulraum-App der Eckhaus AG nutzen. Sie enthält eine Einschätzung der Schülerzahlen für alle Gemeinden bis 2024.

Der Kanton ist nicht in die Schulraumplanung involviert. «Nur lokal weiss man, wie sich die Zonenplanung verändert oder welche Bautätigkeit in nächster Zeit erwartet werden kann», sagt Martin Wendelspiess, Direktor des Volksschulamts. «Deshalb müssen die Gemeinden in diesem Bereich den ‹Lead› haben.»