Mütter arbeiten in der Stadt Zürich zu höheren Pensen als in der Gesamtschweiz. Dies ergibt die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung für das Jahr 2017. Statistik Stadt Zürich und die Fachstelle für Gleichstellung haben die Erwerbssituation von Müttern und Vätern mit Partnern und Partnerinnen im Haushalt nun für die Stadt aufbereitet. Das Alter des jüngsten Kindes der Familie wird neu kategorisiert. Es gibt nun die Einteilung «0-3», «4-12» und «13-24»-Jahre.

Berücksichtigt wurden bei der Erhebung Eltern im Alter zwischen 25 und 54 Jahren.
Stadtzürcher Mütter sind heute mehrheitlich erwerbstätig. Die Zahl der arbeitenden Frauen in Partnerschaften mit einem Kind unter vier Jahren hat sich seit 1980 beinahe verdreifacht, wie die Studie «Erwerbstätigkeit von Müttern in der Schweiz: Entwicklung und individuelle Faktoren» aus dem vergangenen Jahr zeigt.

Wenn externe Betreuung fehlt

Was nach viel klingt, trifft aber auf weniger als einen Viertel der in Zürich lebenden Mütter zu. Während nur 24,3 Prozent der Mütter mit unter vier jährigen Kleinkindern 50 Prozent oder mehr Teilzeit berufstätig sind, steigt der Anteil von Müttern mit diesem Teilzeitpensum auf 34,6 Prozent, wenn die Kinder grösser sind. Frauen mit Kindern im Alter bis zu drei Jahren sind also häufiger nicht erwerbstätig und seltener Vollzeit erwerbstätig als Mütter mit älteren Kindern.

In einem von fünf Paarhaushalten mit einem Kind unter vier Jahren ist die Frau nicht erwerbstätig. Noch 2010 war dies in einem von drei Familienhaushalten der Fall. «Die niedrigen Teilzeitpensen von Müttern mit kleinen Kindern lassen sich unter anderem mit fehlenden oder zu teuren externen Betreuungsangeboten erklären», sagt Elijah Strub von der Fachstelle für Gleichstellung von der Stadt Zürich.

In der Stadt Zürich beispielsweise gibt jede fünfte Frau respektive 14,8 Prozent der Teilzeit berufstätigen oder nicht erwerbstätigen Väter an, nicht oder nicht zu einem höheren Pensum zu arbeiten, weil keine geeignete Betreuungsmöglichkeit besteht.

Wie der Vergleich mit der Erwerbssituation von Vätern zeigt, entscheiden sich Paare nach wie vor oft für das traditionelle Schema – die Frau ist mehrheitlich für die Kinderbetreuung und Hausarbeit, der Mann für die Beschaffung des Geldes verantwortlich. Fast
80 Prozent der Väter mit Kindern im Alter bis zu drei Jahren sind Vollzeit erwerbstätig.

Bei den Männern sind weniger als 20 Prozent Teilzeit beschäftigt, wenn die Kinder ganz klein sind. Der Anteil der Väter mit dem gleichen Teilzeitpensum sinkt mit dem steigenden Alter der Kinder auf unter 15 Prozent. So sieht die Situation in Zürich aus.

Dann kommt das erste Kind

Über 60 Prozent der jungen Frauen in der Schweiz glauben, dass sie später aus Familiengründen Teilzeit arbeiten werden, im Vergleich zu 37 Prozent der jungen Männer. Dies geht aus einer Befragung zu den Berufswünschen von Jugendlichen in der Schweiz 2015 hervor.

Bei der Entscheidung, die Arbeitszeit nach konservativem Vorbild aufzuteilen, sind nicht die beruflichen Ziele, sondern die gesellschaftlichen Konventionen entscheidend. Zu diesem Fazit gelangt eine 2016 publizierte Langzeitstudie mit Daten von jungen Eltern aus der Genferseeregion.

Weshalb bei der Geburt des ersten Kindes Paare in die geschlechtsspezifischen Rollenbilder fallen, dafür gaben die befragten Eltern unterschiedliche Gründe an. Dabei werden das Fehlen eines richtigen Vaterschaftsurlaubes, das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern, der Mangel und die Kosten von ausserfamiliären Betreuungsmöglichkeiten sowie die fehlende Politik zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Beispiele genannt.

Und all diese Gründe haben gerade für Frauen bei einem späteren Wiedereinstieg in den Beruf Konsequenzen: «Kleine Pensen beeinflussen die Karrierechancen. Zudem hat eine niederprozentige Erwerbstätigkeit Folgen für die Altersvorsorge, in Form von kleinen Renten bei der AHV und der Pensionskasse», so Strub. Aber auch für Vollzeit arbeitende Väter gibt es laut Strub Risiken: «Die Chancen, nach einer allfälligen Scheidung eine alternierende Obhut zu erhalten, sind geringer, als wenn die gemeinsame Betreuung schon während der Ehe praktiziert wurde.»

Anteil von Teilzeit-Eltern steigt

Im Verlauf der letzten Jahre jedoch hat auch der Anteil an Haushalten zugenommen, in denen beide Partner Teilzeit beschäftigt sind. In Zürich stieg dieser Wert von 8,1 Prozent im Jahr 2010 auf 14,5 Prozent im letzten Jahr. «Wenn sich die Elternteile die Verantwortung für die Kindererziehung und Familienarbeit teilen, profitieren alle», sagt Strub. Die Kinder würden so die Möglichkeit erhalten, beide Elternteile als Bezugsperson im Alltag zu erleben.
In der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung werden keine Aussagen zur Erwerbssituation von Alleinerziehenden gemacht, da dafür die Stichprobe zu klein war.