Zürcher Obergericht
Fall Martin Gloor: Freispruch vom Vorwurf der strafbaren Entführungsvorbereitungen

Das Zürcher Obergericht hat am Donnerstag einen Hilfsarbeiter von den Vorwürfen der strafbaren Vorbereitungshandlungen für eine Entführung und der Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung freigesprochen. Ihm war vorgeworfen worden, die Entführung eines Millionenbetrügers im Auftrag der Russenmafia geplant zu haben.

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Beim Vorwurf der Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung kam das Obergericht aus prozessualen Gründen zu einem Freispruch. (Archivbild)

Beim Vorwurf der Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung kam das Obergericht aus prozessualen Gründen zu einem Freispruch. (Archivbild)

KEYSTONE/WALTER BIERI

Das Bezirksgericht Zürich als Vorinstanz hatte den 42-Jährigen zu einer bedingten Freiheitstrafe von 21 Monaten verurteilt. Geblieben ist nun bloss noch eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 30 Franken wegen Widerhandlung gegen das Arbeitslosengesetz. Eine Genugtuung erhält der Angeklagte, der 82 Tage in Untersuchungshaft sass, allerdings nicht.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe für die Russenmafia den Zürcher Millionenbetrüger Martin Gloor entführen wollen. Gloor hatte laut Anklage die Russenmafia mit faulen Investitionsgeschäften um über 5,5 Millionen Franken geprellt.

Um das Geld einzutreiben, hätten dann zwei Vertreter der Organisation im Juni 2011 den Hilfsarbeiter engagiert, der sich nun vor dem Obergericht verantworten musste. Neben den Entführungsplänen stand auch die Anstiftung eines korrupten Zürcher Polizeibeamten zur Debatte.

Dieser inzwischen rechtskräftig verurteilte Fahnder hatte dem Beschuldigten aus dem Polizeicomputer POLIS Informationen über kriminelle Personen und Verdächtige zugespielt.

Freispruch aus prozessualen Gründen

Beim Vorwurf der Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung kam das Obergericht aus prozessualen Gründen zu einem Freispruch. Einen Schuldspruch hätte es nur geben können, wenn der "Zufallsfund" aus einer Telefonüberwachung durch andere Beweise untermauert worden wäre, erklärten die Richter.

"Im Zweifel für den Angeklagten" entschied das Gericht beim Vorwurf der strafbaren Vorbereitungshandlungen für die Entführung. Die Hinweise seien nicht überzeugend genug für eine Verurteilung gewesen, fanden die Richter. Sie hätten auf verschiedene Art interpretiert werden können.