Fall Carlos
Fall Carlos: «Wir hofften, im Ausland hätten wir Ruhe»

Zürcher Justizdirektor Martin Graf und Oberjugendstaatsanwalt Marcel Riesen-Kupper informierten am Donnerstag über die erste Phase des neuen Sondersettings für den Jugendstraftäter «Carlos». Dieser befindet sich derzeit Holland.

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Justizdirektor Martin Graf erneut vor den Medien

Justizdirektor Martin Graf erneut vor den Medien

Keystone

Entgegen anders lautenden Medienberichten betreibe Carlos kein Thaiboxen, versicherte Riesen-Kupper. Er absolviere lediglich ein Fitnesstraining in einem Hotel.

Laut Justizdirektor Graf geniesst die mit mit dem Sondersetting betraute Sozialfirma Riesen-Oggenfuss in der ersten Phase über einen "vergleichsweise grossen Gestaltungsraum". Ziel sei es, Carlos zu stabilisieren und auf ein Setting vorzubereiten, in dem er arbeiten, die Schule besuchen und eine Therapie absolvieren müsse.

Dauer des Aufenthalts unbekannt

Wie lange Carlos in Holland bleiben werde, wollten Graf und Riesen-Kupper nicht beanworten. Das neu Sondersetting funktioniere. Es sei aber ein gewisser Handlungsfreiraum nötig. «Wir ziehen das jetzt so durch», so der Justizdirektor

In der zweiten Phase des Settings, das in wenigen Wochen beginne, werde er in einer einfachen Wohnung mit enger sozialpädagogischer Betreuung untergebracht. Die Tagesstruktur bestehe aus Schule, Arbeitstätigkeit und Praktika, sagte Riesen. Sporttrainings könne Carlos lediglich in seiner Freizeit besuchen.

Mit der Verlegung nach Holland sollte Carlos auch aus dem Schussfeld genommen werden. «Wir hofften, im Ausland hätten wir Ruhe», so der Oberjugendstaatsanwalt. In Hollland wird Carlos von zwei Personen betreut. Die Kosten richten sich nach dem neuen Setting mit einem Kostendach von 19 000 Franken monatlich.

 «Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.
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 Der Fall schlug hohe Wellen, weil der gewalttätige Jugendliche den Staat im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms für schwer erziehbare Jugendliche 29'200 Franken im Monat kostete.
 In diesem Kampfsport-Zentrum in Reinach genoss "Carlos" fast täglich Thaibox-Unterricht.
 Die erste Medienkonferenz zum Fall «Carlos» 2013. Justizdirektor Martin Graf (rechts) spricht sich gegen «Luxus und Nice-To-Haves» in einem Sondersetting aus. Er stuft die Kosten als zu hoch ein. 2014 wird das Sondersetting von «Carlos» angepasst. Statt monatlich 29'000 Franken sollen sich die Kosten neu auf 19'000 Franken belaufen.
 Gerichtszeichnung von Linda Graedel.
 Nur 21 Tage, nachdem «Carlos» aus dem Gefängnis entlassen wurde, sitzt er am 1. April 2016 wieder in U-Haft. Er hatte mit einem Faustschlag einen Mann aus einem Tram katapultiert.
 Das Bezirksgericht Zürich verurteilt «Carlos» im März 2017 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Gerichtszeichnung von Linda Graedel. Anschliessend an die Freiheitsstrafe beantragte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchungshaft.
Das Bundesgericht hat in einem am Donnerstag publizierten Urteil bestätigt, dass bei dem jungen Mann von Wiederholungsgefahr ausgegangen werden darf: "Carlos" wird nach Verbüssung der Freiheitsstrafe in Untersuchungshaft genommen.

«Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.

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Graf weist Kritik von sich

Justizdirektor Martin Graf wies die Kritik im Zusammenhang mit den neuen Entwicklungen vor sich. Es sei nicht an ihm, jederzeit über den Aufenthaltsort von Carlos informiert zu sein. Dafür gebe es die Betreuung. Ein Rücktritt sei kein Thema.

In Bezug auf das neue Setting baten sowohl Graf wie auch Riesen um Geduld.

Boxen nur noch in der Freizeit

Aufgrund eines Urteils des Bundesgerichts befindet sich Carlos seit vergangenem Donnerstag in einem neuen Sondersetting in der Obhut der Sozialfirma Riesen-Oggenfuss. Regierungsrat Martin Graf als politischer Vorgesetzter der Oberjugendanwaltschaft hatte eine strenge Kostenkontrolle, den Verzicht auf jeden Luxus und den Verzicht auf Kampfsportausbildungen als Teils des Settings verlangt.

Die neue Sonderbehandlung ist monatlich rund 10'000 Franken günstiger als die erste. Carlos muss eine Ausbildung machen. Thaiboxen darf er zwar weiterhin, aber nur noch in seiner Freizeit. (sda/cze)