Im August steht der ehemalige Jugendstraftäter mit dem Pseudonym «Carlos» wegen verschiedener Delikte vor Gericht. Er hat mehrere Räume im Massnahmenzentrum Uitikon verwüstet und im Ausgang an der Zürcher Langstrasse einen Mann mit einem Messer bedroht.

«Carlos» ist nun kein Jugendlicher mehr und wird gemäss des Erwachsenenstrafrechts angeklagt. Die 11-monatige Freiheitsstrafe, welche die Staatsanwaltschaft fordert, soll aber zugunsten einer ambulanten Behandlung für «psychisch schwer gestörte oder suchtkranke Täter» aufgeschoben werden.

Der von Tele Züri konsultierte Psychologe Thomas Steiner zweifelt an der Wirkung einer erneuten psychologischen Massnahme: «Carlos ist therapieresistent und es ist nicht erkennbar, dass er in diesem Bereich eine Veränderung machen will».

Auch könne eine Therapie von 11 Monaten eine solch schwere Persönlichkeitsstörung wie sie «Carlos» aufweise, niemals auffangen.

Auch Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch steht einer Therapie kritisch gegenüber. Wie er Tele Züri erklärt, seien Massnahmen im Erwachsenenstrafrecht oft weniger erfolgreich als diejenigen, die bei Jugendlichen zur Anwendung kämen. Dass man «Carlos» noch als Jugendlichen aus einer Jugendstrafrechts-Massnahme herausgenommen habe, würde sich jetzt rächen, meint Jositsch.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung wollten zur Kritik vonseiten der Experten keine Stellung nehmen. (fdu)