Tötungsdelikt
«Fall Bonstetten»: Behörden müssen Gefährdungspotenzial abklären

Bei Sorgerechtsfällen im Kanton Zürich muss das Gefährdungspotenzial für das Kind abgeklärt werden, wenn das entsprechende Elternteil «eine risikobehaftete Vergangenheit» aufweist. Die Justizdirektion hat in einer Weisung die Bedingungen formuliert.

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Bei Sorgerechtsfällen muss das Gefährdungspotenzial für das Kind abgeklärt werden (Symbolbild)

Bei Sorgerechtsfällen muss das Gefährdungspotenzial für das Kind abgeklärt werden (Symbolbild)

Martin Plattner

Die Weisung an die Vormundschaftsbehörden ist eine Konsequenz aus dem «Fall Bonstetten» beziehungsweise aus einem von der Zürcher Justizdirektion in Auftrag gegebenen Gutachten zur Tätigkeit der Vormundschafsbehörde der Zürcher Gemeinde Bonstetten im Knonauer Amt.

Im Februar 2010 hatte ein 61-jähriger Vater seinen vierjährigen Sohn in einem Winterthurer Hotelzimmer umgebracht. Die Behörde hatten dem Mann die Obhut für den kleinen Bub übertragen, obwohl er einige Jahre zuvor versucht hatte, seinen Sohn aus erster Ehe zu töten. Wegen Mordversuchs war er in den neunziger Jahren zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Im Kreisschreiben vom 10. März, über das der «Tages-Anzeiger» in seiner Dienstagausgabe schreibt, führt die kantonale Direktion der Justiz und des Innern die Bedingungen auf, wann die kommunalen Vormundschaftsbehörden bei Entscheiden über elterliche Sorge, Obhut und Besuchsrecht zwingend eine Abklärung des Gefährdungspotenzials für das Kind anordnen müssen.

Gutachter müssen vollständig unabhängig sein

Das unabhängiges Gutachten ist dann nötig, wenn das Elternteil rechtskräftig wegen einer Tat verurteilt worden ist, für die das Gesetzt mehr als drei Jahre Freiheitsentzug vorsieht und die sich gegen die körperliche, sexuelle oder psychische Integrität eines Familienmitglieds richtet.

Für die Dauer der Abklärungen müsssen «geeignete Massnahmen zum Schutz des Kindes» angeordnet werden. Beigezogen werden dürfen nur Gutachterinnen oder Gutachter, die vom abzuklärenden Elternteil vollständig unabhängig sind, diese also nicht bereits behandelt oder therapiert hatten.

Im «Fall Bonstetten» hatte die behandelnde Therapeutin des Mannes einen Kurzbericht erstellt. Nach Ansicht des von der Justizdirektion zur Klärung des Fall eingesetzten Experten war dieser Bericht als Risikogutachten unbrauchbar.