Zürich
Falkendrohne soll Reben vor gefrässigen Vögeln schützen

Der Robird, eine Drohne mit dem Aussehen eines Wanderfalken, soll Rebbauern dabei helfen, ihre Trauben vor Vögeln zu schützen. Die niederländische Herstellerfirma hat den ferngesteuerten Vogel interessierten Rebbauern im Bezirk Meilen vorgestellt.

Tim Haag
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Die zwei Drohnenpiloten Wouter Smit und Jan Willem van den Eijkel bereiten ihren Robird auf den Abflug vor.

Die zwei Drohnenpiloten Wouter Smit und Jan Willem van den Eijkel bereiten ihren Robird auf den Abflug vor.

Michael Trost

Im ersten Moment sieht er aus wie ein echter Wanderfalke. Dass die Augen aus Glas sind, das Federkleid nur aufgemalt ist und der Skalp des Tieres als Akkuabdeckung dient, erkennt man erst auf den zweiten Blick. Robird, eine Mischung aus Robot und Bird also, tauften die niederländischen Hersteller Clear Flight Solutions ihre Drohne – der Name passt. Seine Aufgabe: Vögel verscheuchen, auf Flughäfen, Mülldeponien und landwirtschaftlichen Betrieben.

Für Winzer ist der Roboterraubvogel besonders attraktiv: «Ungeschützte Weinreben werden von Staren in wenigen Tagen weggefressen, was in Zehntausenden Franken Schaden resultiert», erklärt Rebberater Klaus Schilling. Ähnlich teuer sei es, zum Schutz vor den gefrässigen Vögeln Hagelnetze zu installieren, die zusätzlich zum hohen Preis regelmässig kontrolliert und nach wenigen Jahren ersetzt werden müssten.

Die dritte Methode, das Verscheuchen der Vögel mit Schreckschusswaffen oder Böllern, sei einerseits ineffizient, weil sich die Tiere schnell an den Lärm gewöhnen und ihn ignorieren. Andererseits sind sie aufgrund der Lärmemissionen nur sehr begrenzt einsetzbar, besonders in stark besiedelten Gebieten.

Der Robird könnte Abhilfe schaffen: Mit seiner Silhouette, dem Flügelschlag und den Flugmustern, die denjenigen eines echten Wanderfalken nachempfunden sind, soll er andere Vögel langfristig aus «seinem» Revier vertreiben. «Die Vögel ergreifen instinktiv die Flucht, wenn sie einen Wanderfalken sehen. Sie kommen vielleicht noch ein-, zweimal zurück; wenn dann der Robird aber immer noch da ist, verlassen sie das Gebiet dauerhaft», erklärt Marcel Maurer, der den Robird in der Schweiz vertreibt.

Krähen reagieren skeptisch

Ein Testflug über dem verregneten Weinberg in Stäfa zeigt die beeindruckenden Flugeigenschaften der Drohne. Denkt man sich das laute Surren des Flügelmotors weg, könnte man meinen, es fliege ein echter Raubvogel über die Weinstöcke.

Zwei neugierige Krähen verfolgen den Falken für eine kurze Zeit, setzen dann aber zur Flucht an. Ob sie wirklich auf den Trick hereinfallen oder ob ihnen der Vogel aus dem 3-D-Drucker aus anderen Gründen suspekt ist, ist nicht klar.

Klar ist aber, dass der Robird seine Aufgabe erfüllt. Die Höchstgeschwindigkeit des ferngesteuerten Vogels liegt bei 60 Stundenkilometern bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometern pro Stunde. Das sind rund 330 Kilometer pro Stunde weniger, als sein lebendiges Pendant schafft.

Rettungsaktion am Schluss

Kaufen kann man den Robird nicht. Die Herstellerfirma, die ihn auf den Flughäfen Edmonton und Southampton schon erfolgreich einsetzen konnte, verfolgt stattdessen ein sogenanntes Service-Lease-Konzept. Der Kunde mietet also den Vogel inklusive zwei Piloten, die aus den Niederlanden anreisen und den Robird beim Kunden über mehrere Monate steigen lassen. «Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Rebbauern in der Region den Robird-Service beanspruchen», erzählt Maurer, «der Vogel kann dann im Herbst, sobald die Trauben reifen und Stare, Elstern oder Amseln zum Problem werden, an jedem Rebberg einmal morgens und einmal abends zwei Runden fliegen.» So minimiere sich der Preis für die Bauern.

Den Schluss der Vorführung bildet ein weiterer Showflug des Robird. Er endet nach einigen spektakulären Sturzflügen mit einer harten Landung in einem Baum neben den noch kargen Reben. Der Robird überlebt den Sturz, wie die Piloten nach der Rettungsaktion des Pechvogels dem halb besorgten, halb amüsierten Publikum mitteilen.

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