Dietikon

Faesi zum Fall Leimgrübler: «Ich denke, wir haben richtig gehandelt»

Adrian Leimgrübler will nach seiner rechtswidrigen Entlassung wieder Statthalter des Bezirks Dietikon werden. Die beiden Whistleblowerinnen, die seine Amtsführung kritisierten, arbeiten heute in der kantonalen Direktion der Justiz und des Innern.

Adrian Leimgrübler will nach seiner rechtswidrigen Entlassung wieder Statthalter des Bezirks Dietikon werden. Die beiden Whistleblowerinnen, die seine Amtsführung kritisierten, arbeiten heute in der kantonalen Direktion der Justiz und des Innern.

Ombudsmann Thomas Faesi brachte die Geschichte ins Rollen.

Der Fall des ehemaligen Dietiker Statthalters Adrian Leimgrübler ist ungewöhnlich, auch für Thomas Faesi. Und Faesi befasst sich von Beruf wegen mit struben Fällen: Er ist Ombudsmann des Kantons Zürich. Zu ihm kommen Leute, die behördliche Missstände anprangern und Hilfe suchen. So wandten sich im Sommer 2015 zwei Mitarbeiterinnen des Dietiker Statthalters an die Ombudsstelle und bezichtigten Leimgrübler, systematisch Fälle an sich zu ziehen, um sie verjähren zu lassen.

Der Fall nahm dramatische Wendungen: Der Ombudsmann zeigte Leimgrübler wegen Begünstigung und Rechtspflegedelikten an. Die Zürcher Justizdirektion, später bestätigt durch den Gesamtregierungsrat, entliess Leimgrübler fristlos. Inzwischen ist Leimgrübler von den Vorwürfen weitestgehend entlastet: Das Strafverfahren gegen ihn wurde eingestellt, und das Verwaltungsgericht beurteilte seine fristlose Entlassung als rechtswidrig. Die Pflichtverletzungen seien nicht derart schwerwiegend, dass sie eine fristlose Entlassung rechtfertigen würden, fand das Gericht.

Wie sieht der Ombudsmann heute seine Rolle im Fall Leimgrübler? Bei der gestrigen Präsentation seines Jahresberichts 2016 meinte Faesi: «Ich denke, wir haben richtig gehandelt.» Die beiden Frauen, die die Vorwürfe gegen Leimgrübler vorbrachten, hätten «in guten Treuen» gehandelt; sie seien also aus nachvollziehbaren Gründen überzeugt gewesen, dass ihre Vorwürfe stimmten. Es habe genug Anlass bestanden, um weitere Abklärungen einzuleiten. Was dabei herauskommen würde, sei zu jenem Zeitpunkt natürlich unklar gewesen. Faesi umschrieb die damalige Reaktion so: «Oh, mein Gott, was ist jetzt da? Wir müssen mehr wissen!

Der Ombudsmann ist seit wenigen Jahren auch Anlaufstelle für Whistleblower respektive Korruptionsmeldestelle des Kantons Zürich, wie die offizielle Bezeichnung lautet. «Wir haben auf diesem Gebiet noch wenig Erfahrung», räumte Faesi gestern ein. «Aber es ist nicht so, dass wir auf der grünen Wiese stehen.» Mit Bezug auf den Fall Leimgrübler hält er im Jahresbericht fest: «Mit einer berechtigten Meldung wahrt die Whistleblowerin die Interessen des Kantons, wie es das Personalrecht von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlangt.» Der Kanton stehe daher in der Pflicht, Whistleblower weiterzubeschäftigen. «Nur dann besteht Aussicht darauf, dass Regelverstösse gemeldet werden», so Faesi.

Die beiden Mitarbeiterinnen, die mit ihrer Meldung beim Ombudsmann den Fall Leimgrübler ins Rollen brachten, sind heute weiterhin bei der kantonalen Direktion der Justiz und des Innern angestellt, aber nicht mehr im Dietiker Statthalteramt, wie Direktionssprecher Benjamin Tommer gestern auf Anfrage bestätigte. Zu Faesis Forderung, wonach der Kanton Whistleblowern gegenüber in der Pflicht stehe, sagte er: «Unsere Direktion sucht zurzeit zusammen mit der Finanzdirektion Lösungen, wie für Whistleblower im Kanton Zürich Arbeitsplatzsicherheit geschaffen werden kann.»

Über Adrian Leimgrüblers berufliche Zukunft entscheiden am 21. Mai die Stimmberechtigten des Bezirks Dietikon: Dann steht der zweite Wahlgang fürs Statthalteramt an. Leimgrübler, der von seiner Partei, der FDP, nicht mehr unterstützt worden war, hatte im ersten Wahlgang am meisten Stimmen erzielt – knapp vor dem offiziellen FDP-Kandidaten für seine Nachfolge, Simon Hofmann.

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