Das Gutachten der Zürcher Justizdirektion sei ein «Musterbeispiel für eine verfehlte, in keiner Weise hilfreiche Form» für die Aufarbeitung des Falles, sagte Charles Höhn, Gemeindepräsident von Bonstetten, am Dienstag vor den Medien.

Höhn wies die Kritik an seiner Vormundschaftsbehörde zurück. Diese dürfe schwierige Fälle im Sozialwesen nicht an ein anderes kantonales Gremium abtreten, sondern sich höchstens bei externen Fachleuten Hilfe holen.

«Rücktritt wäre Schuldeingeständnis»

Er selbst habe sich zwar mit Rücktrittsgedanken befasst, sich aber zumindest zum jetzigen Zeitpunkt dagegen entschieden, sagte Höhn weiter. «Das wäre einem Schuldeingeständnis gleichgekommen.»

Abgeschlossen ist der Fall für den Gemeindepräsidenten aber nicht: Die Staatsanwaltschaft hat gegen ihn eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Tötung eröffnet. In das Verfahren ist noch eine zweite Person involviert. Um wen es sich handelt, wollte Höhn nicht bekannt geben.

Zu einem Abgang kam es dennoch: Im letzten Herbst trat der Vorstand der Vormundschaftsbehörde zurück, weil er wegen des Tötungsdeliktes gesundheitliche Probleme bekam.

Laut Tomas Poledna, Anwalt der Gemeinde, weist das Gutachten mehrere Mängel auf: So beziehe es nicht alle Akten ein und blende wichtige Umstände aus. Zudem seien die Vorschläge des Gutachters «emotional gefärbt».

Die Behörde sei nach wie vor betroffen und traurig über den Tod des kleinen Jungen. Hängig ist eine Haftungsklage der Mutter des getöteten Jungen. Die Gemeinde versuche nach wie vor, mit ihr eine aussergerichtliche Einigung zu erzielen, sagte Höhn.