Knabenschiessen
Experten sagen, worauf es für 35 Punkte ankommt und warum Mädchen dazu besonders prädestiniert sind

Am Knabenschiessen dominierten in den letzten Jahren die Schützinnen – kein Wunder, finden Schiessinstruktoren.

Flurina Dünki
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Jugendliche beim Probeschiessen in der Schiessanlage Höngg
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Instruktoren sagen, dass Mädchen beim Schiessen die ruhigere Hand bewiesen.
Probeschiessen für Knabenschiessen, Schützenhaus Höngg
Roland Spitzbarth weist eine Schützin an.
Sofia bereitet sich auf das Probetraining vor.
Sofia erhält Instruktionen
Die Instruktoren nehmens ganz genau
Höchste Konzentration vor dem Schuss

Jugendliche beim Probeschiessen in der Schiessanlage Höngg

Flurina Dünki

Immer wieder sind laute Kracher auf dem Hönggerberg zu vernehmen. Für einmal sind nicht die Mitglieder der Schiessplatz-Genossenschaft dafür verantwortlich, sondern ehrgeizige Jugendliche, die am Knabenschiessen punkten wollen. Etliche von ihnen strömen ins Schützenhaus Höngg, wo an diesem schulfreien Nachmittag eines der letzten Probeschiessen stattfindet, ehe es ab heute Morgen ernst gilt.

Unter den Schützen befinden sich viele Mädchen. Dass neben den Knaben auch sie im Albisgütli ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen können, ist für die 13- bis 17-Jährigen heute eine Selbstverständlichkeit. Dabei sind Mädchen erst gerade seit 25 Jahren zum Knabenschiessen zugelassen. Aus Anlass der Feier zu 700 Jahren Eidgenossenschaft 1991 durften sie sich erstmals mit ihren männlichen Altersgenossen im Schiesswettkampf messen. Mittlerweile machen die Mädchen rund einen Drittel der etwa 4500 Teilnehmer am Knabenschiessen aus.

Programm

Der Schiessbetrieb beginnt heute um 10 Uhr und dauert bis um 18 Uhr. Ebenfalls um
10 Uhr startet der Chilbibetrieb. Die Bahnen laufen bis 1.30 Uhr.
Am Sonntag wird ab 11 Uhr geschossen. Die Chilbibahnen sind bis 0.30 Uhr offen.
Am Montag startet der Schiessbetrieb um 8 Uhr und endet um 10 Uhr. Um 11 Uhr steht der Schützenkönigausstich an. Die Chilbi ist von 11 bis 23 Uhr in Betrieb, wobei es von 11 bis 11. 30 Uhr Gratisfahrten für die Bevölkerung gibt. (az)

Mädchen profilieren sich

Von den Mädchen, die bäuchlings in der Höngger Schiessanlage liegen, war in jenem Jahr noch keines auf der Welt. Trotzdem wissen sie genau, dass Mädchen das Knabenschiessen lange Zeit verwehrt war. «Das war ungerecht», sagt die 13-jährige Nofar, die beim Probeschiessen auf 28 Punkte kommt.

Schon bald nach ihrem Einstand am Knabenschiessen erwiesen sich Mädchen als besonders beherrschte Schützen. Auch wenn es sechs Jahre dauern sollte, bis mit Rahel Goldschmid 1997 die erste Schützenkönigin gekürt wurde, stach die neue weibliche Konkurrenz schon früh durch Konzentrationsfähigkeit und ruhig geführte Zeigefinger heraus. In jüngster Zeit holen Mädchen zudem auf. In den vergangenen fünf Jahren gab es gleich vier Schützenköniginnen.

«Während sich Knaben beim Schiessen oft etwas ungeduldig verhalten, besitzen Mädchen die nötige Ruhe, die ihnen Treffer einbringt», sagt Roland Spitzbarth, Präsident der Schiessplatz-Genossenschaft Höngg. Treten gleichtalentierte Jugendliche gegeneinander an, so seien es meist Mädchen, die dank dieser Eigenschaft gewinnen würden. Stefan Bachmann vom Zürcher Knabenschiessen kann dies bestätigen: «Wenn beim Ausstich Mädchen dabei sind, dann gewinnen sie meistens auch.» Nicht nur ein ruhigeres Händchen beweisen Mädchen laut Spitzbarth, sie seien auch oft ehrgeiziger als Männer, was besonders im Jungschützenverein zu beobachten sei. Eine ruhig geführte Schussabgabe ist laut Dominik Seeli, Vizepräsident der Schiessplatzgenossenschaft Höngg, das A und O. Drücke eine Schützin zu schnell ab, so gingen durch das Schwenken der Hand wertvolle Punkte verloren. «Den Abzug mit dem Zeigefinger bis zum Druckpunkt ziehen, das Ziel sauber anschauen und dann kontrolliert abdrücken», lautet Seelis Grundlektion.

«Mädchen treffen»

Über 300 Jugendliche legen sich in Höngg in den Schiessstand, um ihre Chancen für das Wettschiessen im Albisgüetli zu verbessern. Sie selber scheinen die Veranstaltung nicht in erster Linie als Kampf zwischen Mädchen und Knaben zu sehen. Es hätte zwar lange gedauert, bis Mädchen zugelassen worden seien, doch das sei inzwischen unwichtig, sagt die 14-jährige Céline, die mit ihren 30 Probe-Punkten zufrieden ist. Ob ein Mädchen oder ein Knabe gewinne, sei egal, schliesslich gäbe es bei beiden Geschlechtern gute Schützen, sagt der 13-jährige Ivo dazu. Das sieht Schützin Nofar anders: «Die Knaben schiessen nur, aber die Mädchen treffen auch.»