Luftfahrt  
Experte will Dübendorf als vierte Piste des Flughafens Zürich

Geschäftsfliegerei, Ferien-Charter und Fracht sollen von Zürich auf denehemaligen Militärflugplatz verlagert werden – Fluglärm-Gegner sind nicht begeistert

Manuel Navarro
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Während des World Economic Forums wird der Flughafen Dübendorf regelmässig für die Businessjets gebraucht. key

Während des World Economic Forums wird der Flughafen Dübendorf regelmässig für die Businessjets gebraucht. key

KEYSTONE

Die Idee, den Flugplatz Dübendorf für die Zivilluftfahrt zu nutzen, ist nicht neu. 70 Hektaren des rund 230 Hektaren grossen Geländes sollen zwar für einen Innovationspark genutzt werden, doch der ehemalige Militärflugplatz soll abgesehen davon weiterhin aviatisch genutzt werden können auch für die Zivilluftfahrt.

Dieser Entscheid des Bundesrats sorgte seit September 2014 in der Region für rote Köpfe, auch wenn bei der Nutzung des Flugfeldes primär an die Geschäfts- und Kleinfliegerei gedacht wurde. Denn Linien- und Charterflüge sollen nicht möglich sein.

Eine U-Bahn nach Dübendorf

Der Aviatik-Experte Andreas Wittmer von der Universität St. Gallen hat nun das Thema der Zivilluftfahrt in Dübendorf erneut aufs Tapet gebracht. In einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» bezeichnet er die Pläne des Bundes für Dübendorf zwar als interessant. «Letztlich müsste Dübendorf aber als vierte Piste des Flughafens Zürich betrieben werden», so Wittmer. Das gäbe Platz in Zürich, im Roll- und Standplatzbereich, allenfalls auch für ein neues Terminal. So liesse sich dem Passagierwachstum – Wittmer geht weltweit von einer Verdoppelung bis im Jahr 2030 aus – entgegenwirken. «Pragmatisch formuliert könnten Business Aviation, Kleinfliegerei, Holiday Charter und Fracht von Zürich Kloten nach Dübendorf verlagert werden.» Eine U-Bahn, so Wittmers Idee, könnte dann die beiden Standorte miteinander verbinden. Abhängig sei der Ausbau von der Kapazität im Luftraum und auf den Pisten, auch diese müsste erhöht werden. «Der Bundesrat muss versuchen, die Kapazität zu erhöhen, sodass eine nachfragegerechte Entwicklung möglich ist.»

In Bezug auf den Lärm macht sich der Experte wenig Sorgen. «Die regionale Lärmpolitik wird ja auch oft übertrieben», findet Wittmer. Er glaubt, dass sich das Problem in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren reduzieren werde. Und ab 2040 bis 2050 könnten Flugzeuge gar mit Elektromotoren betrieben werden. «Dann wird man nicht mehr über Motorenlärm und Emissionen reden.»

City-Airport statt grosser Hub

Wittmers Aussagen lösten sofort heftige Reaktionen aus. Gestern kurz nach Mittag gaben die ersten flughafenkritischen Verbände und Organisationen ihre Repliken heraus. Die Stiftung gegen den Fluglärm etwa schickte einen «10-Punkte-Plan zur Rettung des Flughafens Kloten». Denn der Ausbau des Flughafens lasse sich nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Schweiz und der Umweltverantwortung rechtfertigen und sei weder zeitgemäss noch diene er der Schweizer Bevölkerung. Anders als Wittmer würde die Stiftung statt eines ausgebauten Hubs nämlich einen kleineren City-Airport bevorzugen. «Der Flughafen ist infolge einer problematischen Pistenstruktur in seinem künftigen Wachstum blockiert. Mehr Flugbewegungen und neue Flugrouten vergrössern den Lärmteppich sowie die Immissionsbelastung und bringen damit die grosse Mehrheit der Bevölkerung gegen den Flughafen auf», schreibt die Stiftung in ihrer Mitteilung.

Deutlichere Worte findet der Bürgerprotest Fluglärm Ost (BFO): «Wissenschafter sind Theoretiker, die in einer geschützten Werkstatt Fantasien entwickeln, die in der Praxis unbrauchbar sind.» Denn als das schätzt der BFO die Idee einer vierten Piste in Dübendorf und einer U-Bahn ein.