Zürcher Obergericht
Ex-Präsident der GC-Handballer wegen Betrugs auf der Anklagebank

Überraschung beim Berufungsprozss gegen einen ehemaligen Präsidenten der Handball-Sektion des Grasshopper Club Zürich am Montag vor dem Zürcher Obergericht: Der Staatsanwalt zog überraschend seine Berufungsanträge zurück.

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Der Staatsanwalt zog überraschend seine Berufungsanträge zurück und erschien gar nicht erst zur Verhandlung.

Der Staatsanwalt zog überraschend seine Berufungsanträge zurück und erschien gar nicht erst zur Verhandlung.

Keystone

Verantworten muss sich der Beschuldigte wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, mehrfacher Urkundenfälschung, mehrfacher Falschbeurkundung sowie Fahrens in fahrunfähigem Zustand.

Die Anklage wirft ihm vor, als Geschäftsführer einer Tochterfirma des französischen Altran-Konzerns zwischen 2000 und 2003 mit fiktiven Rechnungsbeträgen rund 9,3 Millionen Franken zulasten der Franzosen ertrogen zu haben.

Andererseits soll er bei seiner eigenen Firma Gelder wahrheitswidrig als Geschäftsaufwand verbucht und damit den Handballclub mit einer Million Franken unterstützt haben.

Von Betrugsvorwürfen entlastetIn erster Instanz wurde der ehemalige Vereinspräsident Ende 2013 vom Bezirksgericht Zürich von den Betrugsvorwürfen entlastet. Dies vor allem, weil die Kaderleute des Altran-Konzerns selber betrogen hätten.

Das Bezirksgericht kam dennoch zu einem Schuldspruch und verurteile den 52-Jährigen zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Davon sollte er deren neun absitzen. Er wurde unter anderem wegen mehrfacher Urkundenfälschung, mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung und mehrfacher Falschbeurkundung schuldig gesprochen. Zudem kam eine Blaufahrt durch Zürich dazu.

Anklage macht Rückzieher

Gegen das Urteil legten sowohl die Anklage als auch der Verteidiger Berufung ein. Sie hätten einander am Montag vor Obergericht wiedersehen sollen. Allerdings sorgte der zuständige Staatsanwalt für eine Überraschung: Er zog seine Berufungsanträge zurück.

Der Verteidiger verlangt, dass sein Mandant bis auf die von ihm zugegebene Blaufahrt mit 1,77 Promille Alkohol im Blut frei gesprochen wird. Die Betrügereien seien vom Altran-Konzern ausgegangen, und der Ex-GC-Präsident habe lediglich als Sündenbock gedient.

Beim GC-Sponsoring sei es weder zu einer Pflichtverletzung noch zu einer Schädigung gekommen, sagte der Verteidiger weiter und verwies auf die unternehmerische Freiheit seines Klienten.

Der Rechtsvertreter der Privatklägerin Altran machte dagegen geltend, der Beschuldigte habe den Konzern als Selbstbedienungsladen betrachtet - sei es für Parkbussen oder für das Leasing von Luxusfahrzeugen. Die fiktiven Rechnungen seien klar strafbar gewesen.

Aussagen verweigertDer ehemalige Handball-Funktionär verweigerte im Berufungsprozess jegliche Aussage und verzichtete auch auf das Schlusswort. Das Gericht kam aufgrund der sehr umfangreichen Akten noch zu keinem Urteil. Dieses soll jedoch noch vor Weihnachten eröffnet werden.