Zürich

Ex-Chefbeamter bezeichnet Rosengartentunnel als «selbstverliebtes Strassenprojekt»

Sein Meinungsbeitrag kann als persönliche Abrechnung mit seiner ehemaligen Chefin Walker Späh verstanden werden. (Archiv)

Sein Meinungsbeitrag kann als persönliche Abrechnung mit seiner ehemaligen Chefin Walker Späh verstanden werden. (Archiv)

Bruno Sauter äussert sich scharf gegen das Rosengarten-Projekt — das wohl wichtigste Projekt seiner ehemaligen Vorgesetzten. Ist sein Meinungsbeitrag eine persönliche Abrechnung mit seiner ehemaligen Chefin Carmen Walker Späh?

Bruno Sauter war Chef des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Im September 2019 verliess er die Volkswirtschaftsdirektion. Er sei mit Regierungsrätin Carmen Walker Späh in Konflikt geraten, wie die «NZZ» schreibt.

Am Mittwoch äusserte sich der 53-Jährige auf dem Online-Portal «Inside Paradeplatz» gegen das Rosengarten-Projekt — das wohl wichtigste Projekt seiner ehemaligen Vorgesetzten. Der Titel seines Meinungsbeitrags: «Rosengartentunnel — ein selbstverliebtes Strassenprojekt». «Der Mehrwert für den Verkehr im Kanton Zürich ist nicht zu erkennen», schreibt Sauter in seinem Artikel. Der geplante Tunnel beginne nicht da, wo sich der Verkehr staue, sondern mitten in der Stadt, die Verkehrsführung sei «völlig abstrus». Zudem sei das «selbstverliebte Strassenprojekt» mit 1,1 Milliarden Franken masslos überteuert. In zehn kurzen Abschnitten zerreisst Sauter das Projekt, über das die Züricher Stimmbevölkerung am 9. Februar abstimmen wird.

Persönliche Abrechnung mit Späh?

Der frühere Spitzenbeamte ist kein Verkehrs- oder Tiefbauexperte, schreibt die «NZZ» weiter. In seinen 14 Jahren als Amtschef kümmerte er sich um Fragen zum Wirtschafts- oder Arbeitsplatz Zürich. Dass sich Sauter so stark gegen den Rosengartentunnel einsetzt, muss andere Gründe haben. Sein Meinungsbeitrag kann als persönliche Abrechnung mit seiner ehemaligen Chefin Walker Späh verstanden werden. Sie kämpft seit dreissig Jahren für den Rosengartentunnel. Dieses gilt als ihr wichtigstes politisches Projekt.

Sauter sagt der «NZZ», sein Beitrag sei nicht gegen seine ehemalige Vorgesetzte gerichtet: «Mir geht es einzig um die Sache». Dass er mit seinen Zeilen gegen die Treuepflicht gegenüber seiner früheren Arbeitsgeberin verstosse, verneint Sauter. Mutmasslich beträgt seine Kündigungsfrist mindestens 6 Monate. Damit würde er noch heute Lohn vom Kanton beziehen. Weder Sauter noch die Volkswirtschaftsdirektion von Walker Späh äussern sich über die Abgangsmodalitäten.

Autor

Larissa Cathomen

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