Das Nachtnetz des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) wurde seit seiner Einführung im Jahr 2002 stark ausgebaut. Entsprechend stiegen die Fahrgastzahlen: Im ersten Betriebsjahr zählte der ZVV noch weniger als 1000 Passagiere pro Nacht, im Jahr 2007 dann knapp 10'000 und zuletzt durchschnittlich rund 15'000. Im Jahr 2016 wurde der Nachtzuschlag von fünf Franken insgesamt 1,7 Millionen Mal verkauft.

Die Wachstumskurve flachte in den letzten Jahren allerdings ab. Zuletzt herrschte Stagnation. Ein Grund: Der grosse Nachtnetzausbau bei Bus und Bahn, wie ihn der ZVV im Jahr 2006 plante, ist weitgehend umgesetzt. So schreibt der ZVV in seiner Strategie für die Jahre 2020 bis  2023: «Als letztes Element der Nachtnetzvision aus dem Jahr 2006 soll eine neue Nacht-S-Bahn von Zürich HB über Wallisellen und Effretikon nach Pfäffikon eingeführt werden.»

Infogram: Wie viele Passagiere nutzen das Zürcher Nachtnetz.

Just aus Pfäffikon im Zürcher Oberland kommt nun ein politischer Vorstoss, der dem Nachtnetz-Ausbau wieder neuen Schub geben soll. So fordert der Pfäffiker EVP-Kantonsrat Hanspeter Hugentobler per Postulat «die Abdeckung aller Regionen durch Nacht-S-Bahnen und die Angleichung des Angebots an das Tagesnetz.» Weiter heisst es in dem EVP-Vorstoss: «Dabei sollen die Einführung des Ein- und Ausstiegs an allen Stationen, um eine flächendeckende Erschliessung in alle Richtungen sicherzustellen, sowie die Ausdehnung des Nachtangebots auf die Nacht vom Donnerstag auf den Freitag geprüft werden.»

Infogram: Zunehmende Nutzung des Zürcher Nachtnetzes von ZVV-Passagieren.

Bislang beschränkt sich das Nachtangebot des ZVV in der Regel auf die Nächte von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag. Zudem ist es noch zu stark auf die Stadt Zürich zentriert, wie Hugentobler kritisiert. Dies führe dazu, dass beispielsweise die ZVV-Nachtverbindung von Winterthur nach Bauma eineinhalb Stunden dauere.

Ausgehverhalten verändert

Das Ausgehverhalten habe sich aber in den letzten Jahren verändert: Zum einen verlagerte es sich vom Abend in die Nacht, zum anderen zählt nun auch die Nacht von Donnerstag auf Freitag dazu, wie Hugentobler festhält. Früher hätten die sporadischen «Sammel-Nachtlinien» für Spätheimkehrer genügt, die in Zürich starten und bei denen man unterwegs nur aussteigen, nicht aber einsteigen darf. Nun brauche es neue Lösungen.

Beim ZVV ist man sich des Problems bewusst: «Das heutige Nachtnetz-Konzept stösst mit seinem sogenannten Rendezvous-System an seine Grenzen», sagt ZVV-Sprecher Caspar Frey auf Anfrage dieser Zeitung. Mit «Rendezvous-System» ist gemeint, dass sich alle Stadtzürcher Nachtbuslinien zur selben Zeit am Bellevue und die Nacht-S-Bahnen am Zürcher Hauptbahnhof treffen. «Ein Ausbau des Nachtnetzes ist eigentlich nur noch möglich, wenn die Netzstrukturen grundlegend überdacht werden», erklärt Frey. Und weiter: «Konzeptionell könnte dies möglicherweise mit einem ausgedünnten Tagesangebot erreicht werden. Das heisst, dass etwa die Buslinien mehr oder weniger gleich geführt werden wie im Tagnetz.»

Der ZVV-Sprecher verweist auf den Kantonsratsbeschluss zur ZVV-Strategie vom März dieses Jahres. Darin heisst es: «Es ist zu prüfen, inwieweit das Angebot neu konzipiert und dem Tagesangebot angeglichen werden kann und ob eine Ausdehnung auf weitere Tage sinnvoll ist.» In diesem Zusammenhang sei auch die Finanzierung des Nachtangebots neu zu beurteilen.

Eine Abschaffung des Nachtnetz-Fünflibers, wie sie die SP forderte, lehnte die bürgerliche Mehrheit im Kantonsrat indes ab. Zudem hielt sie fest, dass das Nachtnetz weiterhin kostendeckend zu betreiben sei. Diesen Grundsatz hatte der Kantonsrat im Jahr 2004 beschlossen. Zum Vergleich: Der Kostendeckungsgrad des ZVV insgesamt lag zuletzt bei 65 Prozent.

Ob das ZVV-Nachtnetz den von der EVP verlangten neuen Ausbauschub erhält, bleibt abzuwarten. Gemäss ZVV-Sprecher Frey können dazu momentan noch keine Aussagen gemacht werden.