Ueli Voegeli, Direktor des Strickhofs, machte beim gestrigen Spatenstich für das neue Bildungs- und Forschungszentrum Agrovet-Strickhof keinen Hehl aus seiner Begeisterung: «Es ist der Start in eine neue Ära der landwirtschaftlichen Ausbildung und Forschung.» Er bezeichnete das 60-Millionen-Projekt als nationales – ja sogar internationales «Leuchtturmprojekt». Mit Agrovet-Strickhof rücken landwirtschaftliche Ausbildung und Praxis (Strickhof), Agrarwissenschaften (ETH) und Veterinärmedizin (Uni) enger zusammen. Universitäre Bildung und Forschung werden mit den praktischen Bedürfnissen der Landwirtschaft verknüpft. Dies führe zu Synergien im wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich, sagte Voegeli.

Neues Stoffwechselzentrum

In den nächsten eineinhalb Jahren werden auf dem Strickhofgelände im Lindauer Weiler Eschikon ein Milchviehstall für rund 120 Kühe, ein Stall für Aufzucht, Kälbermast und Grossviehmast sowie ein Forum für Schulungszwecke und Veranstaltungen entstehen. Hinzu kommt ein Büro- und Laborgebäude sowie ein Stoffwechselzentrum mit Stoffwechselstall und Respirationskammern für Gross- und Kleinvieh. Dort wird unter anderem das Fressverhalten untersucht. Das Stoffwechselzentrum sowie das Büro- und Laborgebäude werden von der ETH finanziert, die übrigen Gebäude vom Kanton. Die Kosten belaufen sich je auf rund 29 Millionen Franken. Die alten Strickhof-Stallungen müssen den Holzneubauten weichen. Einzig eine Remise bleibt bestehen. Die Eröffnung ist im Jahr 2017 geplant.

Bauern wollen Mehrwert

Künftig wird am Strickhof somit Forschung und Lehre an der gesamten Wertschöpfungskette der Nahrungsmittel betrieben: «Vom Feld bis auf den Teller», sagte Strickhof-Direktor Voegeli. Oder im Fall der Milch: «Vom Gras bis ins Glas», wie Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich, anfügte. Im Zusammenspiel der verschiedenen Disziplinen sieht er die grosse Chance für eine nachhaltige Landwirtschaft, «wie sie von der Gesellschaft gefordert wird». ETH-Präsident Lino Guzzella zeigte sich derweil überzeugt, dass Agrovet-Strickhof grosse Beiträge für die lokale Landwirtschaft, aber auch für die Ernährung der Weltbevölkerung liefern könne.

Auch die Bauern haben hohe Erwartungen ans neue Kooperationsprojekt. Dies brachte Hans Frei, Präsident des Zürcher und Vizepräsident des Schweizerischen Bauernverbands, zum Ausdruck. Frei erhofft sich insbesondere auch eine höhere Wertschöpfung. «Es braucht eine Diskussion darüber, welchen Wert unsere Lebensmittel haben.»

Veloroute kommt Hühnern in Quere

Baudirektor Markus Kägi (SVP) hob in seiner Ansprache spezielle Herausforderungen beim Bauprojekt hervor. So muss etwa ein eingedolter Bach offen- und umgelegt werden. Zusätzlich muss die nationale Veloroute verschoben werden, weil sie den Hühnern in die Quere kommt. «Da wollten wir keine Opfer riskieren – weder auf Tier- noch auf Bikerseite», sagte Kägi. Kommt hinzu, dass es sich um Bauten für Nutztiere handelt. «Wir mussten uns auf eine ganz neue Welt einlassen. Denn für Kühe und Hühner bauen wir normalerweise nicht.»

Der Kantonsrat hat den Kantonsbeitrag im letzten Jahr einstimmig genehmigt. «Dies zeigt, wie hoch die Akzeptanz für das Projekt in der Politik ist», sagte Kägi.